Arzt vor Gericht

War sein Schmerz-Pflaster tödlich?

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Bereitschaftsarzt Mahmoud E. (57) am Montag vor Gericht

München - Ein Bereitschaftsarzt muss sich seit Montag wegen fahrlässiger Tötung eines Patienten vor dem Amtsgericht München verantworten. Grund dafür ist ein Schmerz-Pflaster:

Schwere Vorwürfe gegen einen Münchner Bereitschaftsarzt! Nachdem Mahmoud E. (57) einen Messeveranstalter mit starken Schmerzmitteln behandelt hatte, starb dieser am darauffolgenden Tag. Hat der Arzt ihn überdosiert? Oder verschwieg der Patient eine Erkrankung? Am Montag musste sich Mahmoud E. vor dem Landgericht München II wegen fahrlässiger Tötung verantworten (Az 125 Js 1228 89/11)!

Der Abend des 27. Februar 2011 verläuft für den Bereitschaftsarzt zunächst völlig normal. Gegen 3 Uhr nachts wird er zu einem Einsatz gerufen: Patient Sergey M. (46) aus Bremen liegt im Dornacher Etap-Hotel und klagt über schwere Rückenschmerzen. Bei Abbau seines Messestandes auf der Freizeitmesse f.re.e. in Riem hatte er sich am Abend schwer verhoben, er wimmert vor Schmerzen und kann sich kaum bewegen. Ein Hexenschuss! Das Problem: Er spricht eher gebrochen Deutsch – viel besser ist es auch nicht bei Mahmoud E., der den Russen mit einer Morphiumspritze behandelt. Zusätzlich überlässt er seinem Patienten zwei starke Schmerzmittel in Tablettenform: 10 Milligramm Diazepam und 20 Milligramm Oxycodon. Doch damit nicht genug: Mahmoud E. übergibt Sergey M. auch ein Fentanyl-Schmerzpflaster, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Er gibt ihm seine Handynummer für den Notfall und den Rat, ihn nochmal anzurufen, bevor er die Medikamente einnehme – so seine Version vor dem Landgericht.

Die Folgen sind verheerend: Als M.’s Frau Doris K. am Morgen im Hotel anruft, schläft ihr Mann angeblich noch. Mittags bittet sie den Herrn an der Rezeption noch einmal, nach ihm zu sehen – da röchelt er nur noch im Bett. Ein Ersthelfer versucht Sergey M. wiederzubeleben, per Rettungswagen kommt er ins Klinikum Bogenhausen und fällt ins Koma. Seine Familie bangt tagelang, vergebens: Sein Hirn ist völlig zerstört, er stirbt. Von Tränen geschüttelt, erzählt Witwe Doris K. vor Gericht, wie sie sich gemeinsam mit ihren beiden Kindern (heute 15 und 16) am Sterbebett verabschiedet. „Sergeys Körper wurde noch heruntergekühlt, um sein Hirn zu schützen. Später erzählten mir die Ärzte noch, dass sie nicht begreifen können, wie ein junger und gesunder Mensch so zerstört werden kann.“

Schuld hatte vermutlich das Schmerzpflaster. Nach Ansicht des behandelndes Notarztes und diverser Gutachter ist es eher unüblich zur Behandlung von akutem Schmerz und wird eher bei chronischen Schmerzen oder Tumorpatienten eingesetzt. Mahmoud E. sah das anders – und verursachte so mutmaßlich den Hirntod seines Patienten. Der Prozess wird fortgesetzt.

Andreas Thieme

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