„Der Irak weiß ja nicht mal, dass ich existiere!“

Maria aus München hat keinen Pass: 19-Jährige soll für Dokumente in den Irak reisen

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Maria wohnt bereits ihr ganzes Leben in München. Nun soll sie für neue Dokumente in den Irak reisen. 

Obwohl Maria bereits ihr ganzes Leben in München wohnt, bekommt sie nun keinen aktuellen Pass. Dafür soll die 19-Jährige in den Irak reisen. 

München - Maria Bulus (19) lebt in ständiger Angst. „Ich muss fürchten, jederzeit abgeschoben zu werden“, sagt die Ramersdorferin. In ein Land, in dem sie noch nie war! Denn die gebürtige Münchnerin kann sich nicht ausweisen. Seit Monaten kämpft sie verzweifelt darum, einen Pass zu bekommen. Marias Eltern flohen 1998 aus dem Irak nach München. Ein Jahr später wurde Maria geboren. 

„Die Behörden haben mir einen Reisepass für Ausländer ausgestellt.“ Bei Kindern, die mit ihren Eltern aus dem Irak geflüchtet sind, sei das nicht selten, so Anwältin Katharina Camerer. „Ich hatte Mandanten, die hier geboren sind und diesen Pass für Ausländer hatten. Und wenn sie 18 sind, heißt es dann, dass sie sich einen irakischen Pass besorgen müssen. Die Behörden sind da streng.“ Wie bei Maria. Ihr Reisepass für Ausländer ist am 16. April 2017 abgelaufen. Einige Tage vor ihrem 18. Geburtstag sei sie zur Ausländerbehörde gegangen, wollte einen deutschen Pass beantragen. „Aber das ging nicht. Die haben zu mir gesagt, dass ich irakische Dokumente brauche.“ Sie müsse in den Irak reisen und sich registrieren lassen. 

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Maria aus München soll in den Irak reisen: „„Ich habe mein ganzes Leben hier gewohnt“

Maria verstand die Welt nicht mehr: „Der Irak weiß ja nicht mal, dass ich existiere!“ Um in Deutschland eingebürgert zu werden, muss sie  ihre irakische Staatsangehörigkeit aufgeben, erklärt ein KVR-Sprecher. Und die Entlassung aus der irakischen Staatsangehörigkeit sei nur mit irakischem Pass möglich. „Die Ausländerbehörde hat Frau Bulus bereits im Juni mitgeteilt, dass sie bereit ist, ihr erneut einen Reiseausweis für Ausländer auszustellen“, so der Sprecher. Damit könne sie in den Irak reisen, um sich die Dokumente zu beschaffen, die für die Ausstellung eines irakischen Passes erforderlich sind. 

Für Maria kommt eine Reise in den Irak nicht in Frage. „Ich kenne das Land nicht und bin Christin. was dort extrem gefährlich ist.“ Sie ist verzweifelt: „Ich habe mein ganzes Leben hier gewohnt, arbeite, zahle Steuern!“ Sogar einen Asylantrag hat sie jetzt gestellt - womöglich ein Fehler: Denn dadurch wurde auch ihre Fiktionsbescheinigung einbehalten. „Jetzt kann ich gar nichts mehr vorweisen...“ 

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