Nordring, Südring, zweigleisige S-Bahn-Trassen

Mega-S- und U-Bahn-Projekt geplant: Bahnnetz soll an 26 Stellen erweitert werden

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Überlastetes Rückgrat des Nahverkehrs: die S-Bahn, hier an der Haltestelle Hauptbahnhof München.

Das Bahnnetz in Oberbayern soll ausgebaut werden. Das Verkehrsministerium hat, unabhängig von der jüngsten Söder-Initiative, für 26 Projekte eine Machbarkeitsstudie ausgeschrieben.

München – Unter dem bescheidenen Titel „Programm Bahnausbau Region München“ verbirgt sich ein Paket, dessen Umsetzung wohl etliche Milliarden kosten würde. Viele der Projekte wurden schon oft thematisiert, ohne jedoch konkret geplant zu werden. Das soll sich nun ändern. Von der Anbindung des BMW-Forschungs- und Innovationszentrums bei Milbertshofen mittels Pendelzügen bis hin zu einer Neubaustrecke Bobingen–Mering im angrenzenden Schwaben listet das Staatsministerium Ilse Aigners (CSU) für Wohnen, Bau und Verkehr, Referat 54, in der am 25. August im EU-Amtsblatt veröffentlichten Ausschreibung eine Fülle von Projekten auf, die in einer Machbarkeitsstudie geprüft werden sollen.

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Ausgegraben hat dies der Fürstenfeldbrucker Grünen-Abgeordnete und bekannte Bahnkritiker Martin Runge, der den Schritt begrüßt. „Man hätte die Maßnahmen schon viel früher und auch wirklich ernsthaft angehen müssen.“ Die Projekte, mahnt Runge, dürfen jetzt aber nicht „zu einer Propaganda- und Alibiveranstaltung“ verkümmern.

Zweigleisiger S-Bahn-Ausbau auf der S2 und S7

Vor allem auf den S-Bahn-Ausbau an neuralgischen Punkten konzentriert sich die Liste. So soll der zweigleisige Ausbau der S2 Dachau–Petershausen ebenso geprüft werden wie der viergleisige Ausbau der überlasteten Bahnstrecke München–Freising–Landshut. Der beim S-Bahn-Gipfel des Münchner Merkurs* geforderte Ausbau der eingleisigen S7 soll für den Abschnitt Höllriegelskreuth–Wolfratshausen „gegebenenfalls auch abschnittsweise“ angegangen werden, auf der Ostseite (Giesing–Kreuzstraße) ebenso. Daneben werden beispielsweise schon lange geforderte Punkte wie die Elektrifizierung des Oberlandbahn-Netzes sowie neue Bahnhöfe (etwa Emmering Berduxstraße und Föching/Mangfalltalbahn) genannt.

Licht im S-Bahn-Tunnel? Für den S-Bahn-Nordring (rot markiert) müsste die bestehende, meist eingleisige Güterzug-Strecke ausgebaut werden. Er verläuft von Trudering im Osten bis Olching/Gröbenzell im Westen, wo er auf die Bahnstrecke München–Augsburg einschwenkt.

Auch der Ausbau von Nord- und Südring sind Teil der Ausschreibung, die an dieser Stelle zumindest der erst am Montag von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verkündeten „Metropolstrategie“ ähnelt. Söder hatte dabei, ohne eine konkrete Linienführung zu nennen, die Vision eines S-Bahn-Rings skizziert.

Für den Südring (gelb markiert) müsste die bestehende Regionalzug-Strecke ertüchtigt werden. Bisher gibt es kaum Bahnhöfe. Beide Projekte sollen nun zusammen mit vielen weiteren in einer Machbarkeitsstudie geprüft werden.

Das Urheberrecht für diese Idee beanspruchen allerdings andere, zum Beispiel die Freien Wähler. „Man könnte meinen, Söder buhle geradezu um eine Koalitionsbeteiligung der Freien Wähler“, sagt deren Münchner Abgeordnete Michael Piazolo. Er hatte schon im November 2016 zwei Gutachten für einen S-Bahn-Ring vorgelegt. Ergebnis damals: Der Ring könnte zumindest ansatzweise durch den Ausbau bestehender Trassen verwirklicht werden. Allerdings sind allein im Norden fünf neue Bahnhöfe nötig – etwa die Stationen Nymphenburg oder Olympiakreuz. „Die Baukosten der gesamten Infrastruktur einschließlich aller Stationen liegen zwischen 2,4 und 3,6 Milliarden Euro“, schrieben die Gutachter der TU München damals. Ein kompletter Ring ist allerdings kaum denkbar, da im Bereich Laim/Donnersbergerbrücke eine Verknüpfung zwischen Nord- und Süd-Teilstück unmöglich ist. Andere Punkte wie etwa eine Verlängerung des S2-Abzweigs Dachau–Altomünster bis Aichach fanden sich zuerst in einem Papier der Landräte im MVV-Gebiet („Visionen 2050“) vom Februar 2017.

Für CSU hatte zweite Stammstrecke Priorität

Die Ansätze der CSU-Staatsregierung waren bisher ohnehin ungleich bescheidener. Priorität hatte bis jetzt immer nur die zweite S-Bahn-Stammstrecke. Am Nordring ist bis jetzt konkret noch gar nichts passiert. Am Südring, von der CSU früher vehement abgelehnt, soll allein an der Poccistraße ein Regionalzughalt entstehen – ausdrücklich aber, wie Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) noch im Mai bei einem Termin vor Ort erklärte, nicht für S-Bahnen.

Keinerlei neue Ansätze sind beim gleichfalls immer wieder angemahnten U-Bahn-Ausbau erkennbar. Sowohl die Verlängerung der U5 Richtung Pasing und dann weiter ins Neubaugebiet nach Freiham als auch die Verlängerung der U6 von Großhadern bis Martinsried stehen auf der Agenda. Die Baugenehmigung für die U6-Verlängerung liegt seit fünf Jahren vor und läuft demnächst aus. Weil die Planung noch nicht fertig ist, wurde der in diesem Jahr geplante Spatenstich erneut verschoben.

Wie all das nun mit der neuen Söder-Initiative zusammenpasst, ist unklar. Bis Ende November 2022 soll die Machbarkeitsstudie vorliegen.

Dirk Walter

*Der Münchner Merkur ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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