Rentnerin wurde abgezockt

Mieser Trick von Schlüsseldienst: Über 1.500-Euro-Rechnung für Rentnerin

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Für ein kaputtes Schloss musste Rentnerin Waltraud Swizynski dem Handwerker 1543,19 Euro bezahlen.

Über Ärger mit Schlüsseldiensten könnte das Team des Bürgeranwaltes ganze Bücher schreiben. Der heutige Fall ist aber besonders dreist. Außerdem gibt‘s Tipps, wie man sich schützen kann.

München - Ein Schlüsseldienst behauptete, er kenne die Handwerker nicht, die den Auftrag ausführten, da dieser mehrfach weitergegeben worden sei. Welche Rechte in so einem Fall der Verbraucher hat, lesen Sie unter anderem auf dieser Seite. Vorsicht ist schon bei der Suche nach einem Schlüsseldienst angesagt. Wenn der Dienst in den Gelben Seiten gar zu auffällig wirbt, ist oft etwas faul. Ob die Firma seriös ist oder nicht, merkt man aber auch, wenn man anruft. Drückt sich der Herr oder die Dame vom Schlüsseldienst am Telefon um klare Preisangaben, sollte man vorsichtig sein. Die Verbraucherzentralen haben ermittelt, dass eine Türöffnung bei Tag unter hundert Euro kosten sollte, in der Nacht und an Feiertagen etwa 150 Euro. Die Anfahrt kommt noch dazu.

Wichtig ist, dass Sie schon am Telefon genau schildern, was passiert ist und genau definieren, was gemacht werden soll. Nach diesen Angaben bestehen Sie am besten auf einem Festpreis. Ideal ist es, wenn Sie für dieses Telefonat einen Zeugen haben. Nun ist der Handwerker also da, aber er weigert sich, die Tür zu öffnen, wenn Sie nicht bereit sind, bar zu zahlen? Auch das kommt dauernd vor. Leider sind Sie auch in diesem Fall an eine unseriöse Firma geraten. Seriöse Unternehmen arbeiten auch auf Rechnung.   

All diese Ratschläge zu befolgen ist leichter gesagt als getan. Schließlich ist man in einer Notsituation und die Nerven flattern. Deswegen nicht so weit kommen lassen, sondern vorbeugen. Einen Schlüssel beim Nachbarn hinterlegen,  in einer ruhigen Minute ein paar Schlüsseldienste abtelefonieren, bis man einen seriösen gefunden hat und sich seine Nummer ins Portmonee legen oder im Handy speichern. Wenn trotzdem alles schief geht, ist es immer noch billiger, eine Nacht im Hotel zu verbringen, als auf einen unseriösen Schlüsseldienst herein zu fallen. Ihr Dietmar Gaiser

Bürgeranwalt Dietmar Gaiser gibt Ratschläge.

Unseriöser Schlüsseldienst: Erschreckender Fall einer Rentnerin

Als ich in der Nacht nach Hause kam, ließ sich die Tür nicht öffnen. Offensichtlich war der Schließzylinder kaputt. Also bat ich einen Nachbarn um ein Telefonbuch und suchte aus den Gelben Seiten einen ausdrücklich mit seiner Seriosität werbenden Schlüsseldienst heraus. Den rief ich an. Kurze Zeit später war ein Handwerker da, der den Schließzylinder entfernte. Aber die Tür ging trotzdem nicht auf. Also holte er einen zweiten Handwerker, der die Tür dann öffnete. Nun versuchten die beiden, einen neuen Schließzylinder einzubauen. Aber sie schafften es nicht. Sie empfahlen mir, am nächsten Tag einen Fachmann zu holen, der die Arbeit beendet. Den neuen Zylinder ließen sie da und schrieben ihn mit 350 Euro auf die Rechnung. Die Gesamtrechnung betrug damit 1543,14 Euro. In meiner Notlage bezahlte ich. Am nächsten Tag ging ich zu einem Fachhändler und fragte, was der dagelassene Zylinder bei ihm kosten würde. Die Auskunft war 150 Euro. Verärgert wollte ich den überteuerten Zylinder zurückgeben, aber die Schlüsseldienst-Firma lehnte das rundweg ab. Was kann ich tun? Waltraud Swizynski (85), Rentnerin aus Türkenfeld

Schlüsseldienst zockt ab: Das sagt die Verbraucherzentrale

Als erstes wandten wir uns an den Inhaber des Schlüsseldienstes und schilderten ihm den Vorfall. Er versprach, sich darum zu kümmern. Kurze Zeit später kam eine Mail, in der stand, der angerufene Schlüsseldienst hätte mit dem Auftrag nichts zu tun, denn der Auftrag sei weitervermittelt worden. Die Adresse und Telefonnummer der ausführenden Firma stünden auf der Rechnung. Dort stand aber nichts. Wir legten dem Inhaber des Schlüsseldienstes die Rechnung vor und fragten, ob er sich wenigstens erinnern könne, an wen er den Auftrag weitergegeben habe. Daraufhin bekamen wir wieder eine Mail unter anderem mit folgendem Text: „...anscheinend wurde der Auftrag des Öfteren weitervermittelt. Die Firma kenne ich selbst nicht, die vor Ort war.“

Natürlich gaben wir uns damit nicht zufrieden, sondern schalteten Julia Zeller von der Verbraucherzentrale Bayern ein. Sie teilte uns mit: „Es ist generell festzuhalten, dass zwischen der Verbraucherin und dem Schlüsselnotdienst bezüglich des Zylinders ein Kaufvertrag geschlossen wurde. Vertragspartner ist immer der beauftragte Schlüsseldienst. Er kann sich also nicht darauf berufen, eine Fremdfirma beschäftigt zu haben.“ Außerdem sei ein um mehr als 100 Prozent überhöhter Preis Wucher und auch deshalb sei der Vertrag ungültig. Das heißt laut Julia Zeller, dass Waldtraud Swizynski den Kaufpreis zurückverlangen kann.

Als wir das unserer Leserin mitteilten, entschloss sie sich spontan: „Ich werde Anzeige erstatten, zumal der Ruf des Schlüsseldienstes nicht der Beste ist. Die Verbraucherzentrale Bayern listet ihn nämlich unter jenen auf, über die besonders viele Beschwerden vorliegen.“

Lesen Sie dazu: In der zweiten Folge des ARD-Verbrauchermagazins "Der beste Deal" ist Reporterin Anabell Neuhof den Machenschaften von unseriösen Schlüsseldienstanbietern auf der Spur.

tz/mm

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