E-Roller sollen Busse nicht ausbremsen

Mitbenutzung der Busspur? MVG-Aufstand gegen Pläne von Andreas Scheuer

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Elektro-Roller auf Busspuren? Das halten Experten für ein Sicherheitsrisiko.

Der Vorschlag, Busspuren für Elektro-Tretroller oder Fahrgemeinschaften freizugeben, stößt bei der MVG auf heftige Kritik. Dies würde den Linienverkehr ausbremsen, befürchtet MVG-Chef Ingo Wortmann.

München - Der Bau neuer Busspuren ist in der Landeshauptstadt ein politischer Dauerbrenner. Oder auch „ein heißes Eisen“, wie es der Geschäftsführer der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), Ingo Wortmann, unlängst in einem Interview mit unserer Zeitung ausdrückte. Denn die Einrichtung von Busspuren geht meist zulasten von Fahrspuren oder von Parkplätzen. Bisher gibt es in München rund 80 Busspuren mit 24,8 Kilometern Gesamtlänge. Die Intention ist klar: Die öffentlichen Verkehrsmittel sollen Staus umgehen können, um schneller voranzukommen.

Am besten ohne Schleichverkehr, und schon gar nicht mit einem legalisierten Schleichverkehr. Die Überlegung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Busspuren für E-Tretroller und Pkw ab drei Insassen zu öffnen (wir berichteten), stößt bei den Verkehrsunternehmen auf wenig Gegenliebe. Passgenaue Ampelschaltungen würden ad absurdum geführt, wenn E-Scooter die Busse ausbremsten, sagt ein MVG-Sprecher. Und Wortmann warnt: „Das gefährdet die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit des ÖPNV und erhöht die Kosten für die Verkehrsunternehmen.“ Schon heute nutzten Fahrräder und Taxen die separaten Spuren und behinderten dadurch die Busse, erklärt Wortmann. Zudem stelle sich bei dem Vorschlag, die Busspuren für Fahrzeuge ab drei Insassen zu öffnen, die Frage, wie das in der Praxis kontrollierbar sei. Gut die Hälfte des 24,8 Kilometer langen Netzes sind vom Bus mitbenutzte Trambahnstrecken, die laut MVG schon aus genehmigungsrechtlichen Gründen nicht zur Fremdnutzung freigegeben werden könnten.

Auch der Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) hält nichts von dem Scheuer-Vorstoß. Die Pläne seien nicht hilfreich, um eine Verkehrswende einzuleiten, kritisiert LBO-Geschäftsführer Stephan Rabl: „Diese Neuregelung wird weder den Schadstoffausstoß senken noch ein Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit sein – gerade mit Blick auf die unfallträchtigen E-Roller.“ Busspuren seien dafür gedacht, „dass Busse nicht im Stau stehen und die Fahrgäste zügig und pünktlich an ihr Ziel kommen“. Rabl fordert von Scheuer „eine durchdachte Strategie“. „Mit Einzelmaßnahmen werden wir am Ende noch mehr Autos in den Städten sehen, und der Kampf um den begrenzten Raum wird größer.“

München: MVG will immer voller werdende U-Bahnen mit Bussen entlasten

Nachdem der Bau neuer Busspuren in München zuletzt eher schleppend voranging – nicht gerade zur Freude der MVG –, will die Rathaus-Regierung aus CSU und SPD nun doch auf die Tube drücken. OB Dieter Reiter (SPD) hat hier zu Beginn des Jahres ein Machtwort gesprochen. Jüngst umgesetzt wurde die 250 Meter lange Busspur auf der Friedenheimer Brücke. Vom Stadtrat bereits beschlossen, aber noch nicht umgesetzt, sind eine Busspur in der Allacher Straße (950 Meter) sowie eine kurze Busspur in der Brudermühlstraße vor der Einmündung Schäftlarnstraße. Im Herbst soll der Stadtrat weitere Maßnahmen beschließen.

Freie Fahrt für schnelle Busse. Die MVG wehrt sich gegen eine Öffnung der Busspuren.

Ob dazu, wie von den Grünen gefordert, auch die Donnersbergerbrücke, die Ampfinger Straße und die Prinzregentenstraße gehören werden, ist noch unklar. An der Prinzregentenstraße wird etwa erwogen, die Ampelschaltungen zu optimieren, anstatt eine vollwertige Busspur zu errichten. Die MVG hatte bereits vor zwei Jahren eine Prioritätenliste von 51 neuen Spuren vorgelegt. Würden all diese Abschnitte realisiert werden, ergäbe das eine Streckenlänge von 29 Kilometern, brächte also mehr als eine Verdoppelung. Die rasche Umsetzung der gesamten Wunschliste ist zwar illusorisch. Gleichwohl steht für Wortmann fest: „Entscheidend ist, dass wir bis Mitte der 20er-Jahre nur mit Bussen die immer voller werdenden U-Bahnen entlasten können. Wir brauchen dichte Takte auf eigenen Spuren.“

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