Treiben flog auf

Spanner verurteilt: Er filmte jahrelang nackte Frauen

Jahrelang filmte ein Mann fremde Frauen in ihren Badezimmern - nun flog der Spanner auf und gestand vor Gericht. 

München - Sauberer Haarschnitt, feiner Anzug – Bernd T. (Name geändert) könnte auch als tadelloser Finanzbeamter durchgehen. Doch der Mittfünfziger lebte jahrelang unter dem krankhaften Zwang, seine Mitmenschen beobachten zu müssen. „Die Vorwürfe sind alle zutreffend“, erklärte er vor Gericht. „Ich wusste nicht, was ich bei den Geschädigten auslöse.“ Das erfuhr er auf der Anklagebank. Teresa S., 36 Jahre alt, Mutter, erzählt: „Ich hatte Angst um meine Kinder. Man weiß ja nicht, was für kranke Menschen da draußen herumlaufen.“

Alles begann im Jahr 2010. Bernd T. lugte bei einem Spaziergang in Trudering durch das Fenster einer Erdgeschosswohnung, in der noch Licht brannte. „Nicht weil mir das gefallen hat“, sagt er. „Ich wollte sichergehen, dass alles in Ordnung ist.“ Beim zweiten Mal nahm er einen Spiegel mit – sein Voyeurismus war geweckt. Was Snowden und die NSA können, dachte er sich, das könne er auch. Im Internet bestellte er sich kleine Videokameras. „Die sind so groß wie USB-Sticks und kosten gerade mal 20 Euro“, erklärte Bernd T. Mit Knetmasse befestigte er die Geräte an Badezimmerfenstern von Erdgeschosswohnungen. Über eine halbe Stunde Filmmaterial speicherten die Kameras. „Die Einfachheit des Vorgehens hat mich fasziniert.“

Er liebte das Risiko und filmte Frauen auf der Toilette

T. flog auf, als eines seiner Opfer die Kamera entdeckte. Die Frau rief die Polizei, die sich auf die Lauer legte und T. festnahm, als er die Kamera abholen wollte.

Seine Filme – T. nennt sie „Trophäen“ – dokumentieren verstörende Neigungen. „Auf den Aufnahmen sind vornehmlich Frauen zu erkennen, die ihre Notdurft verrichten oder sich entkleidet im Badezimmer aufhalten“, führte der Staatsanwalt aus. Ob eine sexuelle Komponente eine Rolle spielte, wollte der Richter wissen. „Keineswegs“, entgegnete Bernd T. „Die Angst vor dem Erwischtwerden, das Spiel mit dem Risiko waren die Gründe. Ich war im Adrenalinrausch.“ Der Richter übertrieb vermutlich nicht, als er von „der Spitze des Eisbergs“ sprach. Nur sieben Fälle sind angeklagt. Bernd T. selbst spricht von Taten im mittleren zweistelligen Bereich. „Ich habe so viel Material gespeichert“, sagte er. „Das kann ich mir im Leben nicht alles anschauen.“

Über die Verhaftung war er froh

Als am 28. November 2014 die Handschellen klickten, war Bernd T. erleichtert. Vor Gericht gestand er: „Ich habe mir so sehr gewünscht, dass ich erwischt werde, damit das endlich alles ein Ende hat.“ Bernd T. ist sich seiner Neigung bewusst. „Ich werde mich therapieren lassen. Diese Veranlagung nimmt mir einen Teil meiner Persönlichkeit.“

Bernd T. wurde am Ende zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs verurteilt. Zudem muss er 4000 Euro an den Verein „Initiative für Münchner Mädchen“ zahlen. Seine Ehefrau weiß nichts von den Lüsten ihres Gatten. „Meine Frau ist unheilbar krank. Ich will sie damit nicht belasten. „Unsere Ehe wird mit einer Lüge zu Ende gehen.“

So leiden die Opfer bis heute

Beim Prozess gegen den Spanner von Trudering erzählten zwei Frauen über ihre demütigenden Erfahrungen. Maria H. hat der Täter gleich zweimal ins Visier genommen. Die 57-Jährige hat es Thomas G. besonders angetan. Er sagt: „Sie hat mir gefallen.“ Ärger und Wut haben sich bei Maria H. seitdem angestaut. Im Zeugenstand sagt sie: „Ich kann kein Fenster mehr geöffnet lassen. Seitdem ist alles verbarrikadiert.“ Maria H. hatte in der Dunkelheit an ihrem Badezimmerfenster ein blaues Licht aufblitzen sehen – es war das Aufnahmesignal der Minikamera. Und auch Teresa S. (36) wurde von dem Spanner beobachtet. Sie hatte sich über einen Schatten am Fensterrahmen gewundert – auch dort war eine Kamera installiert. Die Mutter sagt: „Ich hatte vor allem Angst um meine beiden kleinen Kinder. Das war einfach gruselig.“

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Johannes Heininger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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