Daniela wurde ermordet

Er schweigt - doch alle Fakten sind gegen ihn!

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Schweigt eisern: Bülent A. vor dem Prozessauftakt.

München - Eine Mutter verschwindet - ohne ihre beiden Kinder, ohne Geld. Die Polizei tippt auf Mord, nimmt den Lebensgefährten fest. Denn von ihm wollte sich die Frau trennen, es gab Streit. Jetzt steht der Mann vor Gericht - und schweigt.

Der Angeklagte schweigt eisern. Bülent A. (44), dem der Mord an seiner Ex-Freundin Daniela K. (36) zur Last gelegt wird, hat nach ihrem plötzlichen Verschwinden am Abend des 12. März 2013 schon zuviel geredet, vor allem zuviel gelogen. Sein Schweigen macht den Prozess, der gestern vor der 1. Strafkammer begann, zum Indizienprozess. Terminiert ist er bis zum 24. Februar. Für den Angeklagten spricht wenig. Fast alle Fakten sprechen gegen ihn!

Unbestritten war Bülent A. am 12. März 2013 bei ihr in der Wohnung in der Nimmerfallstraße in Pasing. Er forderte eine letzte Aussprache vor der Trennung. Daniela K. hatte Angst davor. Dies teilte sie kurz vorher Freunden telefonisch und per SMS mit. Dann brach der Kontakt ab.

Nachbarn hörten an jenem Abend gellende Hilfeschreie aus Danielas Wohnung. Das ermittelte die Polizei, nachdem erst am 18. März eine Vermisstenanzeige aufgegeben wurde.

Daniela K.

Der Angeklagte nahm die beiden gemeinsamen Kinder sofort in die Wohnung seiner Eltern. Am 14. März räumte er die Wohnung in der Nimmerfallstraße weitgehend aus und beseitigte so wohl alle Spuren.

Über Danielas plötzliches Verschwinden verbreitete Bülent A. Lügen. „Er erzählte mindestens sieben verschiedene Versionen“, so Jürgen Mutenzer von der Mordkommission. Danielas Bruder sagte er, sie sei in Italien. Er wartete sogar mit einer Räuberpistole auf: Sie sei entführt worden! Aber auf die Idee, seine Ex als vermisst zu melden, kam er nicht.

Staatsanwältin Nicole Selzam: „Um die Geschädigte schlecht zu machen und ihr Wegbleiben zu rechtfertigen, berichtete der Angeklagte wahrheitswidrig von mehreren Männerbekanntschaften der Geschädigten.“

Nach ihrem Verschwinden beantragte er sofort das Sorgerecht für die Kinder. Dem Gericht gegenüber behauptete er, die Mutter kümmere sich nicht um die beiden.

Seit jenem Abend gibt es kein Lebenszeichen mehr. Mutenzer: „Ihre Handys waren tot.“ Es gab keine E-Mail, keine Bankbewegung mehr.

Als Bülent A. von der Polizei vernommen wurde, hatte er Kratzspuren am Hals! Es sah so aus, als hätte sich das Opfer verzweifelt gewehrt. Eine plausible Erklärung hatte er dafür nicht.

Nachdem Bülent A. sich als Zeuge in Widersprüche verhedderte, wurde er als Beschuldigter vernommen. Am 26. März 2013 erging ein Haftbefehl. „Wir gehen aufgrund der Gesamtumstände von einem Mord aus“, so Mordkommissions-Chef Markus Kraus damals. Das Problem für die Polizei war: Es fehlte die Leiche (siehe unten).

Erst am 9. Mai 2014 wurde Danielas verwester Körper im Kapuzinerhölzl entdeckt, verscharrt unter einem Baum. Der Fundort liegt nur 3,2 Kilometer vom Tatort entfernt.

Leiche nach 14 Monaten entdeckt

Sie stammt aus der Slowakei, in München hatte sie ihr Glück versucht: Daniela K. träumte von einer Familie. Zu spät bemerkte die Mutter von zwei Kindern (4 und 6), dass ihr Lebensgefährte Bülent A. nicht der Richtige war.

Während sie sich liebevoll um den Buben und das Mädchen kümmerte, trieb sich der gebürtige Türke mit deutschem Pass in Cafés herum, ging keiner geregelten Arbeit nach. „Der unstete Lebensstil des Angeklagten wurde für Daniela K. zunehmend unerträglich“, so Staatsanwältin Nicole Selzam in ihrer Anklage. Besonders habe der 36-jährigen Mutter missfallen, „dass der Angeklage kein Vorbild für die beiden Kinder war.“ Im Herbst 2012 forderte sie Bülent auf, die gemeinsame Wohnung in Pasing zu verlassen.

Großzügig setzte sie ihm eine Frist bis 26. März 2013, seinem Geburtstag. Er drohte ihr mit Selbstmord. Selzam: „Geradezu theatralisch setzte er diesen Termin mit seinem Tod gleich, um Daniela K. unter Druck zu setzen.“ Aus Angst, sie könnte mit einem anderen anbandeln, nahm er ihr das Handy und den Computer weg!

Trotz dieses Psychoterrors ging Daniela K. mit einem anderen Mann eine Partnerschaft ein.

Am 12. März 2013 forderte Bülent A. von ihr eine letzte Aussprache. Sie sagte ihrem neuen Freund Bescheid. Sie wollte nach dem Gespräch sofort zurückrufen, aber es rief niemand mehr an. Anwalt Peter Pospisil, der Danielas Geschwister vor Gericht vertritt: „Sie telefonierte jeden zweite Tag mit ihrer Schwester Andrea. Seit diesem Abend herrschte Funkstille.“

Kinder bei Opa und Oma

Wo ist Mama? Wie sollen die beiden Kinder Sarah (4) und Cenan (6) je begreifen, dass ihr eigener Vater als Mörder angeklagt ist? Sie waren am 12. März 2013 in der Wohnung, als Bülent A. seine Ex-Lebensgefährtin Daniela K. nach Ansicht der Staatsanwaltschaft erwürgte. Nach der Tat nahm er die Kinder zu sich, nach dessen Verhaftung zwei Wochen später wurden die Kinder zunächst in einem Heim untergebracht. „Sie leben inzwischen bei den Großeltern der Mutter in der Slowakei“, sagt Anwältin Magdalena Scheel, die Danielas Eltern vor Gericht vertritt. Diese kommen nicht zum Mordprozess nach München. Kommenden Mittwoch soll eine Video-Vernehmung stattfinden.

E. Unfried

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