Mord nach 21 Jahren aufgeklärt

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Das Opfer: Joachim Maniura wurde 1990 ermordet.

München - Nach mehr als zwei Jahrzehnten hat die Polizei einen Mord in München aufgeklärt. Trotz Belohnung konnte der Täter damals nicht ermittelt werden. Warum die Fahnder nun Erfolg hatten:

Ein Familienvater unter Mordverdacht: Ein 38-jähriger Ungar soll vor 21 Jahren den damals 50-jährigen Joachim Maniura getötet haben. Das Motiv: Habgier. Der Tatort: die Wohnung des Opfers an der Mühlhauser Straße (Obersendling). Bereits vergangenen Juli hat die Polizei den Verdächtigen geschnappt. Erst am Freitag gab sie das bekannt.

Die Ermittlungen beginnen Ende des Jahres 1990. Als Joachim Maniura – verwitwet, kinderlos und technischer Angestellter bei Siemens – am 20. November bereits den vierten Tag nicht zur Arbeit erscheint, ruft sein Chef die Polizei. Die Ermittler finden die halb verweste Leiche Maniuras in dessen Wohnung. Fünf Tage hat er dort gelegen, erdrosselt und erschlagen, wie es damals heißt.

Diese Todesursache will Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission, am Freitag nicht bestätigen, spricht nur von „massiver Gewalteinwirkung gegen Hals und Kopf“. Eine Flasche und Tücher seien benutzt worden. Aus der Wohnung des Opfers verschwanden 450 D-Mark und ein Schlüsselanhänger. Raubmord, so die Ermittler.

Die Spur führt im Jahr 1990 bald ins Schwulenmilieu, Maniura verkehrte in einschlägigen Lokalen, doch der Täter wird nicht gefasst – bis zum Mai 2011. Dann führt ein Fingerabdruck vom Tatort plötzlich zu einem Treffer in der Datenbank des Landeskriminalamts (LKA). Er passt zu dem heute 38-jährigen Ungarn. Am 1. Juli 2011 schnappen Münchner Zielfahnder den Mann auf der Autobahn in der Nähe von Hengersberg (Landkreis Deggendorf).

Doch sie halten den Erfolg zunächst geheim, „um die Ermittlungen nicht zu gefährden“, wie Kraus sagt. Denn der Ungar leugnet die Tat, die er als 17-Jähriger begangen haben soll. Er arbeitet mittlerweile in der Gastronomie, hat Frau und Kind, fährt häufig von Ungarn durch Deutschland nach Frankreich zur Verwandtschaft seiner Frau. Damit ist es nun vorbei. Die Vergangenheit hat ihn eingeholt. Zeugen von damals werden nochmals befragt, darunter etliche Handwerker, die kurz vor dem Mord die Wohnung des Opfers saniert hatten. Hat irgendwer den Ungarn dort gesehen?

Der will Maniura nicht gekannt haben, räumt aber ein: Zum Tatzeitpunkt verdiente er sein Geld als Stricher in der Münchner Schwulenszene. Wie seine Fingerabdrücke ins frisch sanierte Bad Maniuras kamen, kann er nicht erklären. „Wir gehen davon aus, dass er der Täter ist“, sagt Kraus.

Dass der Mord nach 21 Jahren noch geklärt werden konnte, verdankt die Polizei dem technischen Fortschritt – und den Kollegen in Baden-Württemberg. Dort waren die Fingerabdrücke des Ungarn wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz 2011 erfasst worden, als er auf der Durchreise war. So hatte er Spuren im System hinterlassen.

Einige Monate zuvor hatte die Münchner Polizei begonnen, den Obersendlinger Mord erneut zu prüfen – eine übliche Vorgehensweise bei ungeklärten Fällen. Mit der verbesserten Technik fanden die Kriminaler einen Fingerabdruck und DNA-Spuren an den Beweisen. Sie passen zu dem Mann, der in Baden-Württemberg gegen das Waffengesetz verstoßen hatte. Er gab freiwillig eine Speichelprobe ab, auch die passt zu dem DNA-Material.

Seit neun Monaten sitzt der 38-Jährige nun in Untersuchungshaft. Der Staatsanwaltschaft reichen die Beweise: Es werde Mordanklage erhoben, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Weil der Verdächtige zum Zeitpunkt des Mordes jugendlich war, findet das Verfahren nicht öffentlich statt. Auch die Höchststrafe richtet sich nach dem Jugendstrafrecht: zehn Jahre Haft.

A. Gerke

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