Mordfall Poschinger: Frau warnte Polizei vor dem Killer

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Der Angeklagte bestreitet die Tat nach wie vor.

München - Die Ehefrau des wegen Mordes an Dirk von Poschinger-Camphausen angeklagten 40-Jährigen hat offenbar von dessen Tötungsplänen gewusst und die Polizei gewarnt.

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Dirk von Poschinger-Camphausen könnte noch leben! Denn schon im Frühjahr 2008 hatte die Ehefrau des wegen Mordes an dem Manager angeklagten Rainer H. Polizei und Staatsanwaltschaft vor dessen Waffenarsenal gewarnt. Doch geschehen ist nichts, berichtete die 32-jährige Mutter von zwei Kindern gesten im Zeugenstand. Ihr Noch-Ehemann – das Scheidungsverfahren läuft – sei bei ihrer Heirat im Jahr 1999 ein netter, fleißiger und ehrgeiziger Mensch gewesen, erzählt Sandra H. „Lange Zeit ging ihm die Familie über alles.“ Zwei Töchter kamen zur Welt, sie sind jetzt elf und sechseinhalb Jahre alt.

Er habe sich jedoch zum Tyrann entwickelt: „Er hat gedroht, mich umzubringen.“ Dennoch reagierte sie sehr verletzt, als sie im Mai 2008 eine Email einer zunächst unbekannten Frau erhielt: „Ich bin die Freundin vom Rainer.“ Für sie sei eine Welt zusammengebrochen, so Sandra H.: „Mein ganzes Leben war auf meinen Mann und die Kinder ausgerichtet.“ Dann habe sie sich mit der neuen Freundin ihres Mannes getroffen. Von ihr habe sie erfahren, dass er Waffen besitze, erzählt Sandra H. vor Gericht. Mit der Situation konfrontiert, habe ihr Rainer H. schließlich die Waffen gezeigt. Sie befanden sich in einem abgetrennten Raum in jener Garage am Freiburger Platz in Laim, wo am 14. Januar Poschinger erschossen wurde.

Versteckt waren die Pistolen und Revolver in einer Nische hinterm Schrank, berichtet die Zeugin. „Ich war der Meinung, dass es sieben Wafen waren. Außerdem habe ich haufenweise Munition gesehen.“ Ihr Mann habe sie auch in einen teuflischen Plan eingeweiht: Er wolle im Internet ein teures Auto suchen und dann den Verkäufer erschießen.

Wie? Bei einer Probefahrt auf einer Landstraße wolle er einen Schaden vortäuschen. Er werde dann die Motorhaube öffnen und bei dieser Gelegenheit den Besitzer töten. Er habe einen Leichensack für den Abtransport des Toten bereit: „Da läuft nichts raus.“ Sie habe dabei nur einen Gedanken gehabt: „Der spinnt.“

Könnte Dirk von Poschinger-Camphausen noch Leben?

Schockiert über die Pläne ihres Mannes habe sie sich an die Polizei gewandt. Da die Familie damals im Kreis Dachau wohnte, nahm die Kripo Fürstenfeldbruck ihre Anzeige auf. Die Zeugin: „Ich habe die Beamten gebeten, man möge ihm doch die Waffen wegnehmen.“ Die Akten gingen an die Staatsanwaltschaft München II. (zuständig fürs Münchner Umland). „Ich habe auch der Staatsanwältin Bescheid gesagt“, berichtet Sandra H. Sie ging sogar noch weiter und bot einem Kripobeamten an, ihn zum Waffenversteck zu führen. Sie habe einen Schlüssel...

Nichts geschah! Offenbar tat man bei Polizei und Justiz den Fall als Racheaktion einer betrogenen Ehefrau ab, als Stück in einem Rosenkrieg, in den man sich nicht einmischt. Was ist mit den Akten passiert? Die tz fragte bei der Ermittlungsbehörde nach. Oberstaatsanwältin Andrea Titz: „Der Sachverhalt ist mir völlig unbekannt.“

Im August 2008 warf Andrea H. ihren Mann raus. Rainer H. zog in seine Eigentumswohnung am Freiburger Platz. Als sie im Januar dieses Jahres erfuhr, dass ihr Mann den 36-jährigen Poschinger erschossen hatte, rief sie entsetzt bei der Polizei an: „Ich habe euch doch gewarnt!“ Dass der Täter 13 mal auf sein Opfer geschossen hatte, betrachtet sie als Wink an sie: „Die 13 war für ihn wichtig. Ich bin an einem Dreizehnten geboren.“

Eberhard Unfried

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