Mordversuch an Taxifahrer: Dieter S. Jahre nach Tat gefasst

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10 Jahre Knast: Dieter S.

München - Dieter S. hat einen Taxifahrer überfallen und beinahe erschossen. Jetzt, fast 17 Jahre nach der Tat, muss er dafür ins Gefängnis. Am Freitag hat das Münchner Schwurgericht den heute 46 Jahre alten Einzelhandelskaufmann wegen versuchten Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Der Vorsitzende Richter Michael Höhne findet in seiner Urteilsbegründung deutliche Worte für den Angeklagten Dieter S. „Es handelt sich um abstoßendes Gewinnstreben um jeden Preis“, sagt er. „Der Angeklagte schoss einzig und allein deshalb, um die Gegenwehr des Taxifahrers auszuschalten.“ Wegen versuchten Mordes aus Habgier und zur Ermöglichung einer anderen Straftat muss Dieter S. deshalb jetzt für zehn Jahre ins Gefängnis.

Der blutige Raubüberfall, für den Dieter S. nun seine Strafe bekommen hat, liegt beinahe 17 Jahre zurück: In der Nacht zum 11. Juni 1995, gegen Mitternacht, hatte sich Dieter S. am Alten Peter in das Taxi von Zdenek S. gesetzt. Er ließ sich zur Eggenfeldener Straße in Steinhausen fahren. Eine einsame Gegend an der Autobahn, dunkel, menschenleer. Am Ziel angekommen, griff Dieter S. in eine Tüte, zog eine Waffe heraus und schoss – ohne jede Vorwarnung.

Das Projektil traf Zdenek S. in den Unterleib. Trotz der schweren Verletzung wehrte sich der Taxifahrer. In dem Gerangel durchschlugen zwei weitere Projektile die Windschutzscheibe. Dann hatte die Waffe, eine Dreyse-Pistole, eine Ladehemmung. Dieter S. floh. Zdenek S. schrie in sein Funkgerät: „Helft mir! Ich bin verletzt!“ Eine Notoperation rettete sein Leben. Der Täter entkam unerkannt – zunächst.

Von ihm gab es nur zwei Fingerabdrücke auf einer Ausgabe des Münchner Merkur, die er im Taxi hatte liegen lassen. Die Ermittler speicherten die Abdrücke in der bundesweiten Datenbank AFIS, mit der alle Abdrücke von Zeit zu Zeit erneut abgeglichen werden. Im vergangenen Jahr lieferte AFIS den Treffer. Zielfahnder nahmen den heute 46 Jahre alten Einzelhandelskaufmann Dieter S. in Fürth bei Nürnberg fest.

Als Motiv für die Tat gab er an, damals hoch verschuldet gewesen zu sein. Deshalb sei er auf die Idee gekommen einen Taxifahrer zu überfallen. Allerdings, beteuerte er, habe er den Mann nicht töten, sondern nur verletzen wollen, weshalb sein Verteidiger auch einen Freispruch gefordert hat. Denn, so der Anwalt, es handle sich nicht um einen Mordversuch, sondern um eine gefährliche Körperverletzung – ein Delikt, das inzwischen längst verjährt sei. Doch das sehen die Staatsanwaltschaft, die 13 Jahre Haft gefordert hat, und das Gericht anders. Denn: „Der Angeklagte hat den Tod seines Opfers billigend in Kauf genommen“, erklärt Richter Höhne.

Die Waffe haben die Ermittler übrigens nie gefunden. Dieter S. behauptet, er habe sie in die Isar geworfen. Allerdings hatte er mit der Pistole gut eine Woche vor der Taxi-Attacke in München ein Gardinengeschäft in Nürnberg überfallen. Dort erbeutete er ebenfalls kein Geld, konnte aber später überführt werden und saß deshalb bereits zwei Jahre in Haft.

bl

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