Auf dem Weg zur neuen Röhre

2. Stammstrecke: Diese Bahnhöfe werden umgebaut und so profitieren die Kunden

Der neue Bahnsteig am Ostbahnhof.

Vor zwei Jahren haben die Bauarbeiten für das wichtigste Verkehrsprojekt der Region begonnen. Fertig werden soll die zweite Stammstrecke frühestens im Jahr 2026. Wir zeigen, an welchen Stellen von Münchens S-Bahn-Hauptschlagader sich was tut.

Wäre alles nach Plan verlaufen, würden wir schon seit neun Jahren durch die zweite S-Bahn-Röhre sausen. Ex-OB Christian Ude (SPD) und der damalige bayerische Verkehrsminister Otto Wiesheu (CSU) hatten die zweite Stammstrecke schon im Jahr 2001 beschlossen – die ersten Bagger rollten erst am 5. April 2017 an. Wenn die Bahn am 6. Mai die Schalterhalle am Hauptbahnhof dichtmacht, ist es auch jedem Touristen klar: München baut an seiner Zukunft. Wie diese Zukunft dann aussieht, lesen Sie hier.

Die zweite Stammstrecke verläuft zwischen Laim und Leuchtenbergring. Mit ihrer Eröffnung kommen vier Linien dazu – die Express-S-Bahnen S18X, S21X, S23X und S24X.

1. Laim

Der westlichste Bahnhof der zweiten Stammstrecke ist Laim. Er wird zwar oberirdisch bleiben, doch er wird die letzte Station sein, bevor es in die Röhre geht. Die Laimer werden deswegen näher an die Innenstadt heranrücken: Einige S-Bahnen fahren ab 2026 ohne Halt zum Hauptbahnhof durch – derzeit sind drei Haltestellen dazwischen. Dafür muss der Bahnhof in Laim künftig einiges stemmen: 80 000 Menschen sollen hier täglich ein- und umsteigen. Die Bahn verlegt ein weiteres Gleis, damit all diese Menschen auf demselben Bahnsteig zwischen erster und zweiter Stammstrecke wechseln können. Doch: Gibt es hier eine Störung, sind gleich zwei Stammstrecken gefährdet. Damit dann der Umstieg zu Bus, Radl und – später auch – Tram flutscht, baut die Bahn noch eine dritte Röhre: In der sogenannten Umweltverbundröhre (UVR) sollen ein breiter Radweg, eine Busspur und – wenn die Tram-Westtangente fertig ist – ein Paar Gleise Platz finden. Das heißt: mehr Raum für alle. Vom Bahnsteig soll es eine direkte Verbindung geben.

Der Bahnhof Laim mit der Umweltverbundröhre.

2. Hauptbahnhof

Schon jetzt ist er ein Umsteige-Ungetüm: Sieben S-Bahnen, sechs U-Bahnen und sechs Tram-Linien kreuzen hier. Mit Eröffnung der zweiten Stammstrecke kommen vier Linien dazu: die Express-S-Bahnen S18X, S21X, S23X und die S24X. Entschließt sich der Stadtrat zusätzlich für die Entlastungslinie U9, bekommt die natürlich auch einen Halt am Hauptbahnhof – das dauert dann aber noch. Derweil werkelt die Bahn am Gebäude: Der Hauptbahnhof soll bis 2029 komplett umgestaltet werden. Unter anderem reicht der sogenannte Nukleus dann 41 Meter ins Erdreich, wo der Stammstrecken-Tunnel entlangführt. Für den Bau sperrt die Bahn ab 6. Mai den Zugang zur Schalterhalle. Zum Gleis kommen Fahrgäste in den kommenden Jahren nur noch über die Seiteneingänge Arnulf- und Bayerstraße. Der Bahnhof und sein Vorplatz werden nicht wiederzuerkennen sein. Das kostet allein 865 Millionen Euro. Damit sich der hohe Grundwasserspiegel dem Bau nicht in den Weg stellt, baut die Bahn Brunnen auf die oberirdischen Bahnsteige. Die pumpen das Wasser aus bis zu 65 Metern Tiefe ab und nehmen so den Druck.

3. Marienhof

Hier begannen am 5. April 2017 die Bauarbeiten zur zweiten Stammstrecke. Seitdem hat sich der einst grüne Platz in eine riesige Baugrube verwandelt. 35 japanische Schnurbäume mussten in eine Baumschule umziehen. Das Ziel der Bagger liegt 40 Meter unter der Erde. Hier soll eine komplett neue Station entstehen, die mit dem bestehenden Bahnhof Marienplatz über einen Tunnel verbunden sein wird. Um die Baugrube herum steht bis mindestens 2020 eine viereinhalb Meter hohe Lärmschutzwand. Dahinter fanden Archäologen im letzten Jahr Fundstücke, die belegen, dass die vermeintliche Stadtgründung im Jahr 1158 gar keine war – schon davor hatte es im Zentrum der heutigen Millionenstadt eine beachtliche Siedlung gegeben. Etwa 77 000 Lkw-Ladungen mit Bauschutt und Erdaushub werden vom Marienhof abfahren. 394 Millionen Euro kostet das Bauwerk. Erst wenn die Station fertig ist, treffen sich unten die beiden Tunnelvortriebsmaschinen von Ost und West. Nur wenige Meter von der Frauenkirche entfernt führt der neue S-Bahn-Tunnel vorbei. Experten des Erzbischöflichen Ordinariats, der TU München, der Obersten Baubehörde und der Bahn prüften deswegen die Standsicherheit des spätgotischen Bauwerk. Das Ergebnis: Der Schildvortrieb unter der Erde stellt keine Gefahr dar.

Der Halt am Marienplatz. 

4. Ostbahnhof

In 35 Metern Tiefe bekommt auch der Ostbahnhof neue Gleise. Der 210 Meter lange Bahnsteig wird von der Weißenburger Straße bis zum Empfangsgebäude des Bahnhofs reichen, sechs Rolltreppen und fünf Aufzüge führen hinab, alles komplett barrierefrei. Hier können Reisende künftig unterirdisch von der ersten zur zweiten Stammstrecke oder der S- zur U-Bahn umsteigen. Schon 2025 soll die Station fertig sein. Bis dahin müssen die Anwohner ertragen, dass 80 zusätzliche Lkw am Tag durch ihr Viertel rollen – Proteste gab es denn auch viele gegen das Bauvorhaben. Ursprünglich war gar nicht vorgesehen, den Ostbahnhof an die zweite Stammstrecke anzuschließen. Doch als 2008 der Transrapid endgültig beerdigt wurde, mussten die Planer für eine vernünftige Anbindung des Flughafens an den neuen Tunnel sorgen – und kalkulierten deshalb den Ostbahnhof mit ein. Die neue Variante mit dem Namen „Haidhausen 3“ schickte die Bahn 2010 ins Genehmigungsverfahren. Erst 2016 war das beendet und die Variante in trockenen Tüchern.

Der neue Bahnsteig am Ostbahnhof.

5. Leuchtenbergring

Am Leuchtenbergring erblicken die Fahrgäste nach drei Stationen Dunkelheit wieder das Licht – kurz vor dem Ostende der zweiten Stammstrecke. Und doch bedeutet die zweite Stammstrecke auch für den unscheinbaren Leuchtenbergring einen Eingriff: Hier sollen Reisende künftig auf einem Bahnsteig zwischen erster und zweiter Stammstrecke umsteigen können. Wer also etwa aus dem Umland kommt, kann bequem in einen der schnelleren Züge umsteigen. Dazu muss die Bahn den südlichen Bahnsteig komplett neu bauen. Außerdem möchte die Bahn hier ein sogenanntes Durchfahrgleis einrichten, auf dem beispielsweise Güterzüge ungehindert durchfahren können. Der nördliche Bahnsteig hingegen muss sich nur geringfügigen Schönheitsoperationen unterziehen. Ein neuer Fußgängersteg verbindet die Gleise miteinander.

Der Tunnelausgang am Leuchtenbergring.

Severin Heidrich

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