Die Stachel-Station ist ausgebucht

Münchner haben schon 600 Igel abgegeben - Expertin schlägt Alarm  

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Sie hilft den Stacheltieren: Lydia Schübel, Biologin beim Tierschutzverein München füttert einen jungen Igel mir Mehlwürmern. 

Mehr als 600 Igel hat das Tierheim München in diesem Jahr schon aufgenommen – doppelt so viele wie im Vorjahr. Expertin jetzt warnt vor falscher Tierliebe. 

Merkur - In der Wildtierstation des Tierheims München stehen auf jeder freien Fläche Kisten, manche von ihnen sind mit einer Trennwand nochmals unterteilt. Das Platzmanagement ist aktuell eine stachelige Angelegenheit: „Wir haben so viele Igel wie noch nie in diesem Jahr aufgenommen“, sagt Biologin Lydia Schübel vom Tierschutzverein. 

Igel-Invasion im Münchner Tierheim

600 Stacheltiere wurden bisher in Riem vorübergehend betreut – im vergangenen Jahr waren es nur halb so viele. Aktuell sitzen 165 Igel in den Kisten. Schübel schätzt, dass der Tierschutzverein bis zum Ende des Winters über 1000 Igel versorgt haben wird. Und da sind jene Fälle noch gar nicht mitgezählt, die am Telefon erledigt werden: In acht von zehn Fällen komme der Igel gut allein zurecht.

Warum sind es dieses Jahr so viele Igel? 

„Wir vermuten, dass dieses Jahr mehr Igel geboren sind“, erklärt die Biologin. Der stachelige Ansturm liege zum Teil aber auch an zu besorgten Tierfreunden und Falschinformationen aus dem Netz. „Es gibt zum Beispiel den Aberglauben, dass Igel unter 400 Gramm ab Mitte Oktober aufgesammelt werden müssen“, sagt Schübel. „Das hat vielleicht vor 20 Jahren gestimmt. Mittlerweile sind die Winter aber viel milder und der Winterschlaf kürzer.“ 

Wenn das Tier keinen geschwächten Eindruck macht oder verletzt ist, reiche es in vielen Fällen, ab Oktober dem Tier eine Schale Futter hinzustellen. „Gut ist Katzenfutter mit 60 bis 70 Prozent Fleischanteil, gemischt mit Haferflocken und etwas Pflanzenöl“, sagt die 33-Jährige. Ein weiterer Irrglaube: Ein Igel, der tagsüber unterwegs ist, braucht Hilfe. „Jungtiere gehen auch gerne mal auf Entdeckungstour, wenn es hell ist“, sagt Schübel. Auch hier gilt: Sieht das Tier gesund aus, braucht es keine Hilfe.

Im Tierheim München reihen sich die Igel-Kisten aneinander.

Igel: Mit diesen Tipps helfen Sie den Stacheltieren

Drei Tipps gibt Schübel all jenen, die Igeln helfen wollen: „Lassen Sie die Laubhaufen ab Oktober liegen, da hat sich vielleicht schon ein Igel eingenistet, und fahren Sie vorsichtig Auto“, sagt die Expertin und fügt an: „Wer einen Garten hat, kann einen unserer aufgepäppelten Igel auswildern.“ Dafür braucht der Tierfreund Platz für ein zwei Mal zwei Meter großes Gehege und etwa einen Monat Zeit, um das Stacheltier zu füttern. Weitere Informationen zum Thema gibt es im Tierheim.

Wer sich nicht sicher ist, ob der Igel im eigenen Garten Hilfe braucht, der kann sich an die Biologin wenden. „Ich lasse mir gerne auch mal Bilder und Videos zuschicken, da kann ich sehen, wie es dem Tier geht“, erklärt Schübel. Sie ist unter 089 / 92 10 00 14 zu erreichen.

Eine Sauerlacherin kümmert sich um Igel vor dem Winterschlaf, wie der Merkur.de* berichtet. 

Eine unglaubliche Tat spielte sich laut Merkur.de* in Germering ab: Drei Burschen quälten einen Igel brutal

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