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Muss er aus seiner Wohnung raus?

Münchner (89) wehrt sich gegen Kündigung - wenig schmeichelhaftes Gutachten könnte Wende bringen

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Ist guten Mutes: Rudolf Kluge mit dem Schreiben des Gerichtsgutachters.

Muss der fast 90-jährige Rudolf Kluge seine Wohnung wegen einer Eigenbedarfskündigung verlassen? Er hatte geklagt - ein Gutachten könnte nun die Wende bringen.

München - Am 23. November hat Rudolf Kluge eigentlich viel zu feiern. An diesem Tag wird er 90 Jahre alt. Aber ob er feiern wird, das weiß er noch nicht – wie berichtet, soll er wegen einer Eigenbedarfskündigung seine Wohnung verlassen. Jetzt allerdings keimt seine Hoffnung. Vergangene Woche fand Kluge in seinem Briefkasten ein medizinisch-psychologisches Gutachten. 15 Seiten lang, detailreich und ausführlich beschreibt ein vom Gericht bestellter Gutachter darin, wie es geistig und körperlich um Kluge steht. Das Ergebnis: Weniger gut, als es auf den ersten Blick aussieht. Und das freut Kluge.

Denn damit steigen seine Chancen, dass er an seinem Lebensabend nicht auf der Straße steht. In drei Wochen wird das Münchner Amtsgericht entscheiden – ein Urteil fällen oder noch einen Verhandlungstermin einberufen, je nachdem, wie die Vermieter von Kluge, die gegen ihn Räumungsklage eingereicht haben, reagieren.

München: Kann dem fast 90 Jahre alten Mieter der Umzug zugemutet werden?

In dem Gutachten geht es darum, ob Kluge mit seinen fast 90 Jahren ein Umzug zugemutet werden kann oder ob dann nicht die reelle Gefahr besteht, dass er das nicht übersteht und seinem Leben im schlimmsten Fall sogar selbst ein Ende setzt.

Die Eigenbedarfskündigung bekam der hochbetagte Münchner im Winter 2018. Durch einen Bericht des Münchner Merkurs* wurde die Öffentlichkeit auf den Fall aufmerksam. Anfang März kam es im Räumungsprozess zum ersten Termin vor dem Münchner Amtsgericht. Kluge selbst war auch dort, das wollte er sich nicht nehmen lassen. Sein Anwalt Emil Kellner trug vor, dass man bezweifle, ob tatsächlich Eigenbedarf besteht, und dass Rudolf Kluge aus Altersgründen ein Umzug nicht mehr zugemutet werden kann: „Wenn das kein Härtefall ist – ein 90-Jähriger, der nach 44 Jahren aus einer Wohnung fliegen soll, vier Jahre nach dem Tod seiner Frau – dann weiß ich nicht, was dann ein Härtefall sein soll.“

Im August dann bekam Kluge einen Termin bei einem Gutachter. Nun ist das Ergebnis da. Was genau drinsteht, will Kluge nicht in der Zeitung lesen: „Darin geht es ja um ganz persönliche Dinge.“ Immerhin: „Mein Anwalt hat gesagt, die Chancen sind auf jeden Fall nicht schlechter geworden“, sagt Kluge. „Ich hoffe, dass ich bleiben kann.“

Umstrittener Kündigungsversuch in München - sogar Sigmar Gabriel äußerte sich

Der Senior hat auf seine alten Tage ordentlich Wirbel verursacht. Sogar Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) twitterte am 14. März zu seinem Fall, stieß eine Grundsatzdebatte an: „Einem 89-jährigen Rentner soll in München nach 44 Jahren die Wohnung gekündigt werden. Das ist unsozial. Ich finde, ein Gesetz muss her: Menschen über 70 darf die Wohnung nicht mehr gekündigt werden. Das muss die Regel sein!“, schrieb Gabriel.

Doch von der Diskussion auf der Internetplattform Twitter hat Kluge nichts mitbekommen. Der Senior hat ja gar keinen Computer. Das hat ihm auch die Wohnungssuche nicht gerade erleichtert, auch wenn er viele Helfer hatte. So druckte ihm beispielsweise der Pfarrer Annoncen aus, auf die Kluge sich dann handschriftlich bewarb. Doch keiner der potenziellen Vermieter hat ihm auch nur geantwortet. „Wer will denn schon einen 90-Jährigen, mich nimmt doch keiner mehr“, sagt Kluge.

Klar, die 1000 Euro Warmmiete, die er für seine 80-Quadratmeter-Wohnung an der Kafkastraße in Neuperlach bezahlt, sind für heutige Münchner Verhältnisse günstig. Kluge hätte sich auch verkleinert. Doch wegziehen aus Neuperlach, das würde er nicht überleben, sagt er. Hier kennt er jeden, hier ist er überall gerne gesehen. Hier kümmert er sich um den Nachbarshund. Hier drücken ihm alle Nachbarn die Daumen, dass er den zermürbenden Räumungsprozess gut übersteht und den 90. Geburtstag in seiner Wohnung feiern kann.

Susanne Sasse

*merkur.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Nachrichtenredaktion.

Mehr und mehr Münchner haben Angst um ihr Zuhause - viele Mieter wissen nicht, wie sie sich gegen die Tricks der Vermieter wehren sollen. Hier gibt es wichtige Tipps.

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