Große Pläne - kein Konsens?

Von wegen Vorfahrt für Fahrräder: Abfuhr für den „Isarboulevard“-Plan

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In der Diskussion: Wie könnte man die Verkehrsader links der Isar gestalten?

Die Innenstadt soll autofrei werden und die Menschen zum Verweilen einladen – das wünschen sich OB und Stadtrat. Doch beim Plan eines „Isarboulevards“ herrscht Ernüchterung.

München - Der Isarraum braucht mehr Fahrräder, mehr Fußgänger, weniger Autos. Das war die Idee, als man das Planungsreferat beauftragte, den innerstädtischen Isarraum zu untersuchen. Das Ergebnis: Größtenteils wird empfohlen, alles zu lassen, wie es ist – andere Lösungen würden zulasten der Anwohner gehen. Der städtische Verkehrsplaner Benjamin Glas stellte die Ergebnisse im Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel vor.

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Unter anderem war untersucht worden, wie man den Verkehr auf der Isarparallele verringern kann – hier fahren bis zu 30 000 Kfz am Tag. Der Vorschlag, die Fahrbahn der Erhardt- und Steinsdorfstraße um je eine Spur zu reduzieren, wurde gänzlich abgelehnt. Glas: „Der Verkehr würde sich in die Wohnviertel verlagern, was eine erhebliche Lärmbelästigung zur Folge hätte.“

Reduzierung auf Tempo 30?

Ähnlich sehe es mit einer Reduzierung auf Tempo 30 aus. Stattdessen schlägt das Planungsreferat punktuelle Veränderungen vor. Etwa vor der Lukaskirche, dort sei auch mit einem Fahrstreifen weniger kein Rückstau zu erwarten – so könnte eine freie Fläche von etwa 200 Quadratmetern geschaffen werden. BA-Vizechef Wolfgang Püschel (SPD) begrüßt diesen Vorschlag und schlug eine halbjährige Testphase vor. Ähnlich positiv schätzt er den Vorschlag ein, die Linksabbiegespur der Erhardtstraße zwischen Reichenbach- und Corneliusbrücke zu verkürzen. Dadurch könnten ebenfalls rund 200 Quadratmeter gewonnen werden.

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Ein vielfach umstrittenes Thema war auch an diesem Abend die Parkplatzsituation. Jeder, der sein Auto im Viertel abstellen will, weiß, wie ermüdend die Suche sein kann. Und auch die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass es kaum freie Parkplätze gibt. Rund um den Gärtnerplatz ist die geringste Auslastungsrate um 5 Uhr morgens. Und schon da beträgt sie 87,12 Prozent. Da klingt es fast ironisch, dass man laut Planungsreferat Raum schaffen könnte, indem man Parkplätze reduziert – schräge Bus- und Pkw-Parkplätze an der Erhardtstraße könnten in Längsstellplätze umgewandelt werden. Außerdem sollte eine Kurzzeitparkregelung von 20 Minuten eingerichtet werden.

Zukunft der Ludwigsbrücke offen

Diesen Vorschlag hält Püschel für zu kurzfristig gedacht: „Wir sollten hinterfragen, ob die Busse wirklich in der Altstadt geparkt werden müssen.“ Autos aus dem Zentrum zu verbannen, wie OB Reiter und die Stadtrats-SPD das wollen, hält er für unrealistisch. Auch eine Sperrung der Ludwigsbrücke für den Kfz-Verkehr sei nicht sinnvoll – Püschel ist hier einer Meinung mit den städtischen Verkehrsplanern. Der Verkehr würde sich Glas zufolge auf andere Brücken verlagern. Auch die Idee, Bahn und Verkehr auf der Ludwigsbrücke auf eine Spur zu legen, sei nicht machbar. „Das lässt die Statik nicht zu“, erklärte Glas.

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Dennoch führt kein Weg daran vorbei, dass die Brücke bald gesperrt wird: 2020 und 2021 muss sie grundsaniert werden. Den Vorschlag von Grünen-Fraktionschef Florian Roth, danach einfach die Sperrung beizubehalten, hält Glas für sinnlos, da die Brücke jetzt schon täglich von rund 35 000 Kfz befahren werde – Tendenz eher steigend.

Somit zeigt sich zumindest, dass Verwaltungsfachleute nicht für politische Visionen zuständig sind. Die Grünen nennen die Untersuchung ein „mutloses Stückwerk“. Eins ist klar: Eine schnelle, einfache Lösung wird es wohl nicht geben.

Johanna Ewald

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