Alternative Lebensform

Alle paar Wochen neues Zuhause: Münchner Student (23) trotzt Miet-Wahnsinn 

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Zuhause auf vier Rädern: Leon (23) lebt seit einem Jahr in einem Ford Transit

Für einen Münchner Studenten braucht es keine Wohnung, um ein Dach über den Kopf zu haben. Sein ganzes Leben passt in einen Camper. 

Wenn Leon Schmidt (Name geändert) zur Arbeit geht, ist sein Hemd nie zerknittert. Seine dunkelbonden Locken sind frisch gewaschen, der Blick ausgeruht. Niemand sieht ihm an, dass er, wenn er nach Hause geht, auf vier Quadratmetern lebt. Ohne Dusche. Ohne Toilette. 

Miet-Wahnsinn in München: Ein Nomadenleben mit Struktur

Leon ist 23 Jahre alt und lebt seit vergangenem Sommer in seinem Traumhaus: einem weißen Ford Transit. Den Tag verbringt er als Student für Tourismusmanagement in einem schicken Businesshotel. Den Abend in seinem Camper. Vorne unter dem Fahrersitz ein Skatebord, am Heck ein Träger für sein Radl. Dazwischen Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche. Hier steht ein kleiner Herd, daneben ein Wasserspender, Gewürze, Lauch, Bananen. Überall kleine Schränke – für Pfannen, Tassen, T-Shirts und Bücher. 

Kochen mit Blick in Grüne - die Kochnische im Camper von Student Leon.

Den Boden hat er mit Laminat verkleidet. Eine Tagesdecke macht aus dem Rücksitz ein Sofa, ausgeklappt ein Bett. Die Fenster hat er mit Vorhängen, Lichterketten und Postkarten eingerahmt. 

Beim Einbruch in ein Wohnmobil wurde einem Einbrecher eine Flasche Whiskey zum Verhängnis.

Miet-Wahnsinn: Leben im Camper bedeutet Freiheit und Unabhängigkeit

Vor einem Jahr, erzählt Leon, hat er in einer Zweier-WG in München gelebt. Als der Vertrag auslief, bekam er von einem Freund ein Angebot für eine eigene Wohnung, mitten in München, nur 350 Euro Miete. „Irgendwie wollte ich das nicht“, sagt Leon. Stattdessen sparte er – 5000 Euro für den Camper, 1000 für den Ausbau. „Mir ging es zwar nicht ums Finanzielle“, sagt er. „Aber ja: Ich spare viel Geld, habe jetzt Fixkosten von höchstens 300 Euro im Monat. Ich möchte denjenigen, die keine Wohnung in München finden oder zahlen können, zeigen: Es gibt eine Alternative.“ Und für Leon ist der Camper nicht nur eine Alternative – sondern pure Freiheit. Der Winter war eisig ohne eine Standheizung. Jetzt im Frühling kann sich Leon keinen schöneren Ort vorstellen, um wach zu werden. „Dieses Gefühl, wenn die Sonne aufgeht und durch die Blätter auf mein Bett scheint. Wenn in der Nähe ein Bach rauscht. Oder wenn es regnet und die schweren Tropfen aufs Dach prasseln – das ist einfach unvorstellbar schön.“ 

Miet-Wahnsinn in München: Geduscht wird im Fitnessstudio

Seine tägliche Dusche bekommt Leon im Fitnessstudio, immer nach der Arbeit. Der Gang zur Toilette: „Nach einer gewissen Zeit passt man sich einem Rhythmus an“, erklärt er. „Ich gehe in der Arbeit und im Fitnessstudio.“ Seine Wäsche wäscht er bei seinen Eltern, wenn er alle paar Wochen zu Besuch kommt. WLAN hat er nicht, ganz bewusst. „Ich lese lieber.“ An den Wochenenden ist er fast nie zu Hause – fährt in die Berge, Mountainbiken oder Wandern. Oder zu seiner Freundin nach Basel – die auch in einem Camper lebt. Auf Campingplätze verzichtet Leon. Viel schöner findet er – auch wenn es nicht ganz legal ist – die kleinen, versteckten Grünflächen in München. Alle paar Wochen wechselt er den Platz, sucht einen neuen Ort. Ein neues Zuhause. 

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Mit der Entwicklung einer besonderen App haben drei Studenten aus München mittlerweile Millionen Menschen erreicht. Auch ein weltbekannter Fußball-Star ist dabei.

Wohnen, ohne fließend Wasser, ohne Klo, das ist vor allem für alte Menschen unzumutbar und trotzdem: Ein Jobcenter schickt arme Rentner auf den Campingplatz

Leben wir in München bald wie die Chinesen? Ein Forscher prophezeit 7,2 Quadratmeter Wohnfläche als zukünftigen Standard.

Vielleicht sind Münchner zu anspruchsvoll mit ihren Immobilienträumen, wie eine Studie belegt.

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