Mann zieht vor Gericht

Horror-Pfusch: Münchner wacht nach Augen-OP fast blind auf - Ärzte machen unfassbaren Fehler

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Ali C. (37) ist nach der verpfuschten OP auf dem rechten Auge fast blind. Er fordert 100.000 Euro Schmerzensgeld.

Eine Augen-OP lief bei einem Münchner komplett schief. Der Friseur wurde am falschen Auge operiert. Der Fall des 37-Jährigen klingt unglaublich. 

  • Ali C. hat einen Münchner Arzt auf Schmerzensgeld verklagt.
  • Bei einer Augenoperation im Jahr 2015 wurde der Friseur am falschen Auge operiert.
  • Sein Fall wird nun vor dem Oberlandesgericht in München verhandelt. 

München - Den Moment, als er aufwachte, wird Ali C. (37) nie vergessen: „Alles dunkel. Ich dachte, ich spinne.“ Aber dieser Albtraum war Realität: Ein Münchner Arzt hatte den Friseur am falschen Auge operiert. Danach sah Ali C. erst einmal gar nichts mehr. Jetzt klagt er gegen den Operateur.

Ärztepfusch vor Gericht: Das lief bei der Augen-OP schief

Der Fall ist kaum zu glauben: Im Jahr 2015 musste sich Ali C. wegen einer Hornhautverkrümmung am linken Auge operieren lassen. Bei der Vorbereitung klebte der Anästhesist das falsche Auge ab. Operateur Thomas N. fiel das nicht auf. Ohne groß zu prüfen, legte er das Skalpell dann am rechten Auge des Patienten an. Er merkte erst während des Eingriffs in der Augenklinik, dass eine Verwechslung vorlag. Mit bitteren Folgen: „Ich bin fast blind“, sagt Ali C. Seine Sehstärke am rechten Auge beträgt nur noch fünf Prozent, mit speziellen Linsen kann er wieder 60 Prozent sehen. 

Aber: „Ohne Hilfsmittel kann ich nicht mal mehr vor die Tür gehen“, sagt der Friseur. Und arbeiten kann er auch nicht. Er fordert jetzt 100.000 Euro Schmerzensgeld. Gestern verhandelte das Oberlandesgericht den Fall. Gestritten wurde dort vor allem über die Höhe der Entschädigung. Das Landgericht hatte C. in erster Instanz bereits 70.000 Euro Schmerzensgeld und 21.000 Euro Schadensersatz zugesprochen. Beide Parteien hatten aber Berufung eingelegt.

Video: Bundesärztekammer stellt 2017 rund 2200 Behandlungsfehler fest

Droht Münchner nun die vollständige Erblindung?

„Der Fall hat uns keinen großen Aufwand in der Vorbereitung gemacht“, sagte Richter Thomas Steiner gestern. Denn der Ärztepfusch ist offensichtlich. Im Prozess geht es nun darum, ob Ali C. auch für eine später drohende vollständige Erblindung entschädigt werden muss. „Das Risiko für eine solche Erkrankung ist sehr hoch“, sagt dessen Anwältin Claudia Thinesse-Wiehofsky. Ein Sachverständiger bewertete das Erblindungs-Risiko in erster Instanz als „nicht vorhersehbar“. 

Tatsache ist: Ali C. trägt mittlerweile zwei Transplantate in seinen Augen. Ob diese nach 30 Jahren erneuert werden können, ist unklar – und damit auch seine Sehkraft im Alter. „Der Behandlungsfehler ist bitter“, sagt Ali C. „Noch mehr enttäuscht mich aber das Verhalten des Arztes: Er hat versprochen, er wolle alles wiedergutmachen. Und jetzt feilscht er noch ums Geld.“ Einen Vergleich lehnte der Friseur gestern ab. Am 9. Januar wird der Prozess fortgesetzt.

Er hing an seinem Baum, wollte ihn nicht fällen. Die GWG setzte einen Münchner nach 30 Jahren auf die Straße, obwohl er schwer krank war. Jetzt ist der 73-Jährige tot. Seine Tochter erhebt schwere Vorwürfe.

Behandlungsfehler in Deutschland 

Wie viele Behandlungsfehler es pro Jahr gibt, dazu gehen die Zahlen auseinander, eine offizielle Statistik existiert nicht. Schätzungen gehen von bis zu 100.000 Fällen pro Jahr aus. Die Bundesärztekammer kam für 2018 in ihrer Zählung auf 1499 Fehler, die medizinischen Dienste der Krankenkassen auf 3497. Doch die Dunkelziffer ist Experten zufolge hoch.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat bereits mehrfach ein bundeseinheitliches Zentralregister angemahnt. Darin müssten neben den ärztlichen Behandlungsfehlern auch alle Fehler in der Pflege erfasst werden, sagte Vorstand Eugen Brysch. Doch es bewege sich nichts. Offenbar stünden Patientenrechte „beim Bundesgesundheitsminister hintenan“. 

Weitere Schmerzensgeld-Fälle aus München

Die vorrückende Glatze wollte er nicht akzeptieren: Deshalb zahlte Max M. (31) im Jahr 2013 7000 Euro, um sich die Haare transplantieren zu lassen. Doch die OP ging schief: Am Ende blieben ihm nur Entzündungen und Narben – deshalb ging der Patient gerichtlich gegen seine Klinik vor. Mit Erfolg: Er erhielt 20.000 Euro Schmerzensgeld, nachdem seine Kopfhaut stark angeschwollen und entzündet gewesen war. 

Für einen Schönheitschirurgen aus München hatte eine verpfuschte OP Folgen. Eine Patientin verklagte den Arzt.  

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In München kam es zu einem schweren Verkehrsunfall auf der Leonrodstraße. Ein Vater rannte mit seinem Sohn zu einer Tram. Beide übersahen ein kommendes Auto.

Eine Frau plant eine Schönheitsoperation, doch sie überlebt den Eingriff nicht. Gegen den Arzt wird nun ermittelt.

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