Zunächst als Pilotprojekt

Neuerung in München - erste Stadt in Deutschland bekommt Bahnsteigtüren in U-Bahn

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Pilotprojekt ab 2023: Am U-Bahnhof Olympiazentrum soll ein Gleis mit Bahnsteigtüren ausgestattet werden. Diese sollen etwa so hoch wie die Züge selber sein.

München bekommt Bahnsteigtüren. 2023 soll ein Pilotprojekt am Olympiazentrum starten. Bewährt sich das System, könnten andere U-Bahnhöfe folgen. Voraussetzung für die Bahnsteigtüren ist die Digitalisierung der U-Bahn-Steuerungstechnik – sie wird ebenfalls angegangen.

Es passiert gar nicht so selten, dass sich Menschen in der Münchner U-Bahn aufs Gleis verirren. Im Jahr 2018 hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) 215 solcher Fälle registriert, 21 Menschen verletzt oder getötet. In 115 Fällen sorgten Gegenstände für Behinderungen im U-Bahn-Verkehr, in zehn Fällen waren es Tiere. „Wenn uns so eine Betriebsunterbrechung in der Hauptverkehrszeit trifft, dann war es das im Grunde mit dem Betrieb“, sagt MVG-Chef Ingo Wortmann. „Denn bis der Ablauf wiederhergestellt ist, ist die Hauptverkehrszeit vorbei.“

Nach Vorfall in Frankfurt: Bahnsteigtüren kommen nach München 

Wortmann unterstrich, dass das Thema Gleis- beziehungsweise Bahnsteigsicherheit nicht erst seit dem schrecklichen Vorfall am Frankfurter ICE-Bahnhof auf dem Radar der MVG gelandet sei. Die Verkehrsbetriebe hatten bereits drei Verfahren getestet, um das Gleisbett zu überwachen: einen Laserscanner, Radarsensoren und eine Echtzeit-Videobildanalyse. Alle drei Systeme fielen durch. Der einzig gangbare Weg scheint daher klar: Die MVG hat sich entschieden, Bahnsteigtüren zu testen. Eine Machbarkeitsstudie ist positiv verlaufen. Ein Pilotprojekt soll 2023 am U-Bahnhof Olympiazentrum gestartet werden. Das hatte zuletzt die CSU beantragt. Damit ist München die erste Stadt Deutschlands, die Bahnsteigtüren in seinen U-Bahnhöfen bekommen soll.

Bahnsteigtüren - was ist Ihre Meinung dazu?

Pilotprojekt mit Bahnsteigtüren an einem U-Bahnhof in München

Der Bahnhof im Norden bietet sich an, weil er über vier Gleise verfügt. Die Bahnsteigtüren können mithin an einem der Gleise eingebaut werden, ohne dass es zu Einschränkungen für die Fahrgäste kommt. Das neue System besteht aus einer Wand mit Einlässen am Bahnsteig. Diese Zugänge öffnen sich erst, wenn der Zug zum Stillstand gekommen ist. U-Bahnhöfe in London und Paris sind damit bereits ausgestattet.

Auch bei den Bahnsteigtüren gibt es unterschiedliche Varianten, einige enden etwa auf Brusthöhe, andere reichen bis zur Decke und trennen Bahnsteig und Gleise quasi komplett. Die Verkehrsbetriebe werden eine zughohe Variante testen, die aus Sicherheitsglas sein soll. „Wir werden jetzt den Markt sondieren und uns für Anbieter entscheiden“, sagt der Betriebsleiter der U-Bahn, Michael Frieß. Die Vorzüge der zughohen Varianten lägen auf der Hand. Ende die Wand auf Brusthöhe, bestünde immer noch die Möglichkeit, dass jemand darüber klettert. Bei einer kompletten Schließung gebe es eventuell Probleme mit dem Brandschutz.

Bahnsteigtüren für U-Bahn in München: Diese Hürden müssen noch genommen werden

Überhaupt sind noch einige Unwägbarkeiten zu klären, was ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen wird. So ist etwa offen, wie sich die Barrierefreiheit gewährleisten lässt. Die 100 U-Bahnhöfe der MVG sind nicht baugleich, einige Bahnsteige sind im Verhältnis zur U-Bahn niedriger als andere. Die MVG setzt seit einer Weile Rampen ein, damit auch Rollstuhlfahrer diese Hürde nehmen können. Vorstellbar ist, dass die niedrigeren Bahnsteige erhöht werden, bevor das neue System eingesetzt wird. Oder es wird eine Schräge auf der ganzen Länge des Bahnsteigs eingebaut, die Türen würden dann oben aufgesetzt.

Ebenfalls problematisch sind die unterschiedlichen Zugtypen, die bislang zum Einsatz kommen. Die Bahnen vom Typ A, B und C haben allesamt unterschiedliche Abstände zwischen den Türen. Der Pilot am Olympiazentrum soll auf die neuen C-Züge abgestimmt sein, die ab 2030 auf allen Linien fahren sollen. Die Kosten für den Versuch werden auf eine Million Euro geschätzt, bewährt sich das System, soll geprüft werden, ob es an allen 220 Bahnsteigkanten zum Einsatz kommt oder nur an den hoch frequentierten im Innenstadtbereich.

Erst Bahnsteigtüren, dann autonom fahrende U-Bahnen in München?

Grundvoraussetzung für die Bahnsteigtüren ist die Umstellung der bisherigen Steuerungstechnik. Die soll ab 2023 sukzessive innerhalb der nächsten zehn Jahre digitalisiert werden. Die MVG rechnet mit Kosten im Bereich eines dreistelligen Millionenbetrages. Das neue System nennt sich Communication Based Train Control (CBTC) und kommt bereits in ähnlicher Form auf ICE-Schnellfahrtstrecken zum Einsatz, beispielsweise zwischen Nürnberg und Leipzig/Halle. Das Leitsystem ermöglicht nicht nur ein punktgenaues Halten an den Bahnhöfen, sondern auch, dass Züge auf Bremsabstand – also dichter – fahren können. Denn die Züge erkennen sich gegenseitig. Diese Digitalisierung wiederum ist Voraussetzung für den geplanten Zwei-Minuten-Takt. Und in ferner Zukunft auch für die autonom fahrenden U-Bahnen

Der August hat es für Fahrgäste der S-Bahn in sich: An den Wochenenden kommt es zu Sperrungen auf der Stammstrecke. Unter der Woche gibt es manchmal keinen Halt am Hauptbahnhof und Marienplatz. Weitere Baustellen und Zugausfälle auf den Linien im Außenbereich machen es für S-Bahn-Kunden schwer.

Mit AfP

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Kommentare

W. Gajewi
(0)(0)

Da freue ich mich schon auf die ersten Videos, wo ganz Eilige gegen die Sperren laufen... ;-)

ganz lustig
(1)(0)

Zusätzlich sollten die Bahsteigbereiche vom Bahnhofbereich durch eine Barriere getrennt sein. NUR Reisende mit Fahrscheinen können durchgelassen werden, wie in Japan üblich, zumindest in den Metropolen und wie einmal ÜBLICH in Deutschland bis 1960.

Nozomi07Antwort
(0)(0)

Ich sehe es durchaus als Nachteil.