28 Ausbrüche in fünf Jahren

Bakterien-Alarm in Münchner Kliniken

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Die gefährlichen Erreger werden besonders auf den Intensivstationen der Krankenhäuser übertragen

München - 28-mal innerhalb von fünf Jahren gab es in Münchner Krankenhäusern Bakterien-Alarm. Jetzt hat das Gesundheitsreferat erstmals eine Bilanz dieser multiresistenten Erreger vorgelegt.

Sie tragen so hässliche Namen wie Staphylokokken, Pseudomonaden und Clostridium difficile. Und sie haben eines gemeinsam: Sie sind gegen Medikamente resistent und da­rum vor allem für geschwächte Menschen gefährlich – in seltenen Fällen sogar tödlich. Wenn sie in Kliniken auftreten gibt es darum oft Bakterien-Alarm – bis hin zum Aufnahmestopp auf Intensivstationen und OP-Sperrungen. Jetzt legt das Gesundheitsreferat der Stadt auf Anfrage der Grünen erstmals eine Bilanz dieser multiresistenten Erreger vor.

Die Behörde hat alle 45 Krankenhäuser in München per Fragebogen gebeten, anonym Auskunft über die Patienten zu einem Stichtag zu geben. 40 haben mitgemacht, es gab also Daten zu über 7000 Patienten. Am häufigsten konnte das multiresistente Staphylokokken-Bakterium (MRSA) nachgewiesen werden – der Anteil von 1,37 Prozent an betroffenen Patienten würde umgerechnet fast 100 Infizierten entsprechen. Gefährliche Escherichia coli würden bei 1,12 Prozent-Anteil fast 80 Betroffene bedeuten, Klebsiellen mit 0,43 Prozent fast 30 Infizierten – an einem einzigen Stichtag. „Multiresistente Erreger zählen zu einer unverrückbaren Realität in Krankenhäusern aller Stufen und Disziplinen“, erklärt Gesundheitsreferent Joachim Lorenz (Grüne). Betroffen seien vor allem Intensivstationen. Das sei ein Appell an alle Einrichtungen, sich weiter zu bemühen, dass die Erreger nicht auftreten und übertragen werden.

Seit 2007 genau 28-mal Erreger-Alarm an Kliniken in München

Meldepflichtig sind in Krankenhäusern Ausbrüche mit den Keimen, die in einem Zusammenhang stehen – in denen also mehrere Patienten betroffen sind: Insgesamt gab es seit 2007 genau 28-mal Erreger-Alarm an Kliniken in München. Ein Anstieg sei zwar nicht erkennbar, erläutert das Gesundheitsreferat. Man könne aber nicht beurteilen, ob das an der Meldemoral der Kliniken liege. Gleichbleibend bei rund 60 sind auch die Zahlen der Münchner, die sich laut Robert-Koch-Institut allein mit dem MRSA-Bakterium anstecken.

Wie gefährlich allein dieser Erreger ist, wird in dem Antrag der Grünen deutlich, der zu der Statistik führte: Statistisch sterben demnach allein an MRSA in Deutschland 1500 bis 4500 Menschen pro Jahr – das wären in München 25 bis 77 Tote! Immerhin beobachtet Gesundheitsreferent Lorenz ein „Umdenken“ bei den Einrichtungen.

David Costanzo

tz-Stichwort: Krankenhauskeime

Viele Menschen tragen Erreger etwa auf der Haut, die aber erst zum Problem werden, wenn sie ins Blut gelangen, sie ins Krankenhaus geschleppt werden oder sie sich nicht mehr von Medikamenten beeindrucken lassen. Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge liegt der Anteil resistenter Erreger in Krankenhäusern bei bis zu 25 Prozent, die etwa durch mangelnde Hygiene übertragen werden. In den Niederlanden dagegen laufen schon lange Programme zur ­Eindämmung der Infektionen, so wurde die Rate auf bis zu drei Prozent gesenkt.

Die Lage in der Stadt
Jahr Klinik-Ausbrüche mit mehreren Betroffenen Infektionen allein mit resistenten Styphylokokken
2007 3 k.A.
2008 5 k.A.
2009 6 k.A.
2010 6 54
2011 1 64
2012 4 56
2013 3 58

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