60-Millionen-Deal als großes Problem

Wegen Chaos-Großprojekt in der Oberpfalz: M-net droht die Insolvenz

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Schnelles Internet in der Provinz: In Cham gerät der Glasfaserausbau von M-net ins Stocken.

Der Ausbau des Glasfasernetzes im Landkreis Cham stellt den Telefonanbieter M-net weiter vor große Herausforderungen, faktisch droht sogar eine Insolvenz.

München - Die Stadtwerke München, als Gesellschafter des Unternehmens, haben sich am Dienstag vom Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft genehmigen lassen, das Kapital des Unternehmens gegebenenfalls aufzustocken. SWM-Chef Florian Bieberbach sagte unserer Zeitung: „Das passiert aber erst, wenn das Problem in Cham gelöst ist.“

Projekt in Cham gestoppt

Wie bereits im November berichtet, hatte M-net bei einer Ausschreibung den Zuschlag erhalten, etwa 1500 Kilometer Glasfaserkabel in allen 37 Gemeinden des oberpfälzischen Landkreises zu verlegen. Es geht um ein Auftragsvolumen von mindestens 60 Millionen Euro. M-net führt selber den Tiefbau nicht durch, hatte aber zuvor das Angebot eines lokalen Tiefbauunternehmens eingeholt und sich dann an der Ausschreibung beteiligt.

„Im weiteren Verlauf wurde für M-net, den Landkreis und die beteiligten Kommunen deutlich, dass die Tätigkeiten des Infrastrukturanbieters nicht unseren hohen Qualitätsmaßstäben entsprechen und die Projektumsetzung gefährdet ist“, sagte M-net-Sprecher Hannes Lindhuber dem Münchner Merkur im November. Infolgedessen habe man das Projekt zunächst gestoppt und den Vertrag mit dem Tiefbauunternehmen nicht abgeschlossen. Seitdem hat sich nichts geändert, denn auch eine neuerliche Ausschreibung, mit dem Ziel, einen neuen Tiefbauunternehmer zu finden, verlief bisher im Sande. 

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Stadtrat genehmigt Kapitalaufstockung

„Die Situation beim Tiefbau ist bekannt“, sagt Bieberbach. Die Auftragsbücher der Unternehmen seien voll. „Wir erhalten allenfalls noch Abwehrangebote.“ Dabei veranschlagen Firmen so horrende Preise, dass die ausschreibenden Unternehmen gar nicht in der Lage sind, die Vorstellungen zu erfüllen. Wie es nun weitergeht, ist offen. M-net könnte ein überteuertes Angebot annehmen oder vom Ausbau-Auftrag zurücktreten, der Landkreis müsste neu ausschreiben.

In beiden Fällen wird es teuer für den Telefonanbieter, bei letztgenannter Variante drohen Vertragsstrafen. Vor diesem Hintergrund hat der Stadtrat am Dienstag die Kapitalaufstockung genehmigt. M-net verfügt über ein Eigenkapital von kolportiert etwa 60 bis 70 Millionen Euro, die Rede ist von Strafen im Bereich von 100 Millionen. „Wenn ich 100 Millionen zahlen muss, aber nur 70 habe, bin ich faktisch insolvent“, sagt ein Insider. So weit wird es vermutlich nicht kommen, denn dafür gibt es eben die Gesellschafter, neben den SWM sind das die Stadtwerke Nürnberg, Fürth, Erlangen und Augsburg sowie das Allgäuer Überlandwerk. Nächste Woche reist Bieberbach nach Cham, um dort mit den Vertretern des Landkreises an einer Lösung zu arbeiten. „Das ist nicht gut gelaufen“, resümiert Bieberbach.

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Insider im Rathaus sprechen von einer schlechten Entscheidung der alten Geschäftsführung, die auch wegen des Misserfolgs in Cham ihren Hut nehmen musste. „Es ist schade“, sagt der Insider. „Eine schlechte Entscheidung der alten Geschäftsführung bereitet einem guten Unternehmen jetzt Schwierigkeiten.“

Sascha Karowski

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