26-Jährige nun querschnittsgelähmt

„Ich habe durchgeschrien“: Münchner Mountainbikerin erlebt furchtbare Tragödie in Fahrradpark

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Glückliche Tage: Michaela Benthaus war bis zu ihrem Unfall begeisterte Mountainbikerin. Die optimistische Frau will noch nicht glauben, dass sie nie wieder fahren kann.

Eigentlich wollte Michaela Benthaus bei einem Mountainbike-Rennen starten. Stattdessen entschied sich die 26-Jährige an diesem Tag, zu einem Fahrradpark in Tschechien zu fahren – eine folgenschwere Wahl.

München - Schon in der Luft, als der Sprung nicht enden will, denkt Michaela Benthaus (26), dass gleich etwas Schlimmes passieren wird. „In dieser Schrecksekunde blieb kurz die Zeit stehen. Dann erinnere ich mich erst wieder daran, dass viele Ärzte um mich herum standen.“ Die Downhill-Mountainbikerin sollte Recht behalten: Dieser Moment war ihr Sprung ins Unglück.

Es ist der 30. September, als die Münchnerin, die von allen nur „Michi“ genannt wird, in einen öffentlichen Bike-Park in Tschechien aufbricht. „Ich liebe Sprünge“, erzählt sie. „Ich mag alles, wo man sich überwinden muss, alles mit Adrenalin.“ Dennoch – in Bikerkreisen gilt Michi als vorsichtig.

Die Münchnerin in der Unfallklinik Murnau. Der Rollstuhl wird wohl weiter ihr Begleiter sein.

Auch an diesem Tag tritt sie nicht sonderlich kräftig in die Pedale. „Heute weiß ich, dass man an dieser Stelle früher abbremsen sollte – aber darauf weist einen keiner hin …“ Sie springt an einem ersten Hügel ab, fliegt über ein Loch, schafft es aber nicht, auf dem dafür vorgesehenen zweiten Hügel zu landen. Stattdessem knallt sie mit voller Wucht auf den Boden, fliegt über den Lenker und landet auf dem Rücken. Dann wird ihr schwarz vor Augen. Als sie aus der Ohnmacht aufwacht, spürt Michi keine Schmerzen, trotzdem schreit sie aus Leibeskräften. „Ich habe sofort gemerkt, dass ich meine Beine nicht mehr bewegen konnte – und wusste: Du bist querschnittsgelähmt!“ Sie hört nicht auf, zu schreien. Ein Hubschrauber fliegt sie ins Klinikum rechts der Isar, zweieinhalb Stunden lang. „Ich habe bis dahin durchgeschrien.“

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Die Münchnerin, die in Linz Mechatronik studiert, weiß: Ihr schlimmster Albtraum ist wahr geworden. „Solch eine Sportart bringt ein Risiko mit sich. Die Angst vor einer Verletzung war immer da.“ Der Downhill-Mountainbike-Sport ist erst seit drei Jahren ihre Leidenschaft. 

Michaela Benthaus: Eine Sache möchte ihr nicht aus dem Kopf gehen

Im Klinikum rechts der Isar erfährt sie, dass ihr achter Brustwirbel gebrochen ist. Eine Operation soll ihr Rückenmark wieder entlasten. Besteht doch noch Hoffnung? Acht Stunden – viel länger als geplant – kämpfen die Ärzte. „Als ich aufgewacht bin, konnte ich meine Beine noch immer nicht bewegen“, erinnert sich die 26-Jährige. Die Diagnose ist klar: Querschnittslähmung ab Höhe der Brust.

Hoch hinaus: Das Foto zeigt die Sportlerin Benthaus bei einem gewagten Sprung von einer Schanze in Österreich.

Zweieinhalb Monate ist der Unfall nun her. In der Murnauer Unfallklinik schwankt Michi Benthaus täglich zwischen Hoffnung und Trauer. „Ich will mein altes Leben zurück. Es ist zu früh, aufzugeben. Ich bleibe nicht mein Leben lang im Rollstuhl“, sagt sie kämpferisch. „Gleichzeitig wird die Angst von Tag zu Tag größer, dass sich das alles nicht ändert.“

Eines will der Münchnerin nicht aus dem Kopf gehen. In Murnau hat sie einen anderen Patienten mit Querschnittslähmung kennengelernt. Er ist im selben Bike-Park verunglückt, an der gleichen Stelle, beim gleichen Sprung. Und es habe dort schon weitere, schlimme Unfälle gegeben, so Benthaus. „Das ist unverantwortlich“, ärgert sie sich. Psychisch geht es ihr noch lange nicht gut. Wenn sie über ihren Freund und ihre Familie spricht, wird ihre Stimme brüchig. „Alle sagen, dass ich nicht schuld an dem Unglück bin. Trotzdem tut es mir so unendlich leid, dass ich allen eine solche Last aufgebürdet habe. Für sie bin ich jetzt ein Fulltime-Job.“

Wegen ihrer Schuldgefühle zögert sie, als Freunde ihr eine Spendenseite im Internet einrichten wollen. Damit wollen sie ihr helfen, künftige Anschaffungen zu finanzieren, wie den Umbau ihres Autos, einen Sportrollstuhl oder neue Therapien. Dann entscheidet sie sich doch dafür. „Das nimmt meinen Eltern zumindest die Geldsorgen.“ Spenden kann man im Netz unter gofundme.com/Michis-Neustart.

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