Bau-Boom ungebrochen

Hotel-Stadt München: Mehr Betten als in Manhattan - Verband schlägt Alarm

+
Hohe Hoteldichte: Nirgendwo in Europa gibt es so viele Übernachtungsmöglichkeiten wie im Münchner Bahnhofsviertel.

München und seine Hotels: Immer mehr Übernachtungsmöglichkeiten werden geschaffen. Doch mittlerweile fordere nicht mehr der Markt mehr Betten, sondern der Investor, sagt Hotelverbands-Vorsitzender Conrad Mayer.

München - Das Edel-Hotel „Roomers“ hat gerade Eröffnung gefeiert, Anfang November macht die Kette „25 hours“ ihr neues Haus im ehemaligen Post- und Telegrafenamt auf - und auch der Postpalast soll zum Palais mit Hotel werden. Drei Beispiele, alleine in der Bahnhofsgegend: München steckt mitten in einem Hotel-Boom. Jetzt schlägt der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband „Dehoga“ Alarm!

München biete derzeit schon zehn Prozent mehr Hotelbetten als Manhattan, sagt Kreisstellen-Vorsitzender Conrad Mayer (58), selbst Hotelier des „Conrad-Hotel de Ville“ im Bahnhofsviertel. Vor 15 Jahren seien es noch um die 48.000 Betten im Großraum gewesen, jetzt seien es 84.000. „Es ist nicht mehr der Markt, der immer mehr Hotel-Betten fordert, sondern der Investor.“ Unerbittlich wird er ausgefochten, dieser Krieg der (Hotel-)Sterne.

Neues Luxus-Hotel in München - mit ungewöhnlichem Restaurant

„Problem, wenn derzeitige Hochkonjunktur einbricht“

Sieht Probleme auf die Münchner Hotels zukommen: Kreisstellen-Vorsitzender Conrad Mayer.

In einer Phase der Niedrigzinsen würden Projekte an Standorten geplant, an denen früher nie gebaut worden wäre, sagt Mayer - und warnt vor einer Blase. „Sobald die derzeitige Hochkonjunktur einbricht, müssen wir in der Münchner Hotellerie mit Problemen rechnen.“

Heuer zur Wiesn etwa sei die Nachfrage zwar besser als 2016, aber trotzdem eher verhalten gewesen, sagt Mayer. In der Nacht zum 3. Oktober etwa hätte er in seinem Hotel eine Zimmer-Auslastung von 56 Prozent gehabt. Den meisten Kollegen sei es zur Wiesn ähnlich gegangen. Um ein Hotel rentabel zu führen, müsse die Auslastung im Durchschnitt zwischen 65 und 70 Prozent liegen.

Auch zum Thema: Profi-Einparker packt aus - So geht es im Luxushotel zu

Bahnhofsviertel hat höchste Hoteldichte Europas

Der Hotel-Boom, er macht nicht nur den Hoteliers in der Stadt, sondern auch im Umland zu schaffen. In München selbst ist nicht nur das Bahnhofsviertel betroffen, das bereits die höchste Hoteldichte Europas hat. Auch am Pasinger Marienplatz etwa soll ein großes Hotel gebaut werden. Auf Dauer werde es immer extremere Preise geben - und die Qualität leiden, sagt Dehoga-Chef Mayer. „Die Stadt muss genauer hinschauen. In Sachen Hotels ist es genug.“ Wohnungen brauche München dagegen dringend.

Keinen Handlungsbedarf sieht dagegen München Tourismus. „Die Stadt München wird keine Investoren abhalten, so lange sie an den Markt München glauben“, so eine Sprecherin. Die Zahl der Übernachtungen sei von acht Millionen im Jahr 2000 auf 14 Millionen 2016 gestiegen - die Anzahl der Betten entwickle sich konsequenterweise auch nach oben.

Lesen Sie auch: Hotel-Boom und Nachverdichtung macht Verkehrsplanern große Sorge

Die Karte zeigt die Ansammlung von Hotels im Bahnhofsviertel. 

Einbußen der Umland-Hotels

Managerin eines familiengeführten Drei-Sterne-Superior-Hotels: Sandra Kunstwadl ist Managerin des „Zum Kurfürst“.

Vom Oktoberfest hätten sie heuer kaum etwas gespürt, sagt Sandra Kunstwadl, Managerin des familiengeführten Drei-Sterne-Superior-Hotels „Zum Kurfürst“ (150 Betten) in Oberschleißheim. „Das war früher nicht so, da hat das Umland auch stark von Veranstaltungen in München profitiert.“ Nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Region werde immer mehr gebaut. „Die Bettenkapazität bei uns im Münchner Norden wird sich in den nächsten eineinhalb Jahren verdoppeln.“ Gegen ein angemessenes Wachstum habe sie nichts, so Kunstwadl. Doch sie habe den Eindruck, dass es vielen eher um eine Investition als um eine wirkliche Beschäftigung mit dem Hotel-Gewerbe gehe. „Dadurch werden wir einen Preiskampf bekommen, der gerade für kleinere, traditionelle Betriebe schwierig ist.“ Schon jetzt sei es ein Problem, etwa Personal für den Empfang zu bekommen. Das werde sich durch die wachsende Konkurrenz verschärfen.

Auch interessant: Bei ihm die die Stars 40 Jahre lang Ein und Aus - Concierge vom Bayerischen Hof erzählt 

Das neueste Projekt

Ab dem 3. November übernachten auch im ehemaligen kaiserlichen Post- und Telegrafenamt (Bahnhofplatz 1) Gäste. „The Royal Bavarian“ heißt das erste München-Hotel (165 Zimmer) der Kette „25 hours“. Bisherige Standorte sind etwa Wien und Berlin. „Wir sind stolz, endlich in München zu sein. Nicht im schicken Teil der Stadt, aber dafür mittendrin“, so Geschäftsführer Christoph Hoffmann.

Die Eröffnung ist für November geplant: 165 Zimmer bietet das neue Hotel am Bahnhofplatz.

Lesen Sie auch: Kündigung - Volk-Verlag muss Hotelprojekt weichen. Außerdem:  Goethe-Institut wird abgerissen - Hier entsteht bald die nächste Bettenburg für die Innenstadt

Ramona Weise

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Verspätungen auf der Stammstrecke - aus zwei Gründen
Verspätungen auf der Stammstrecke - aus zwei Gründen
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
1200 Mitarbeiter zurück im runderneuerten BayWa-Hochhaus
1200 Mitarbeiter zurück im runderneuerten BayWa-Hochhaus

Kommentare