Neues Gesetz tritt in Kraft

Münchner Händler gehen wegen Bon-Pflicht auf die Barrikaden - Spott über Alternativ-Vorschlag

Seit dem 1. Januar gilt bundesweit die Kassenbonpflicht. Händler und Kunden klagen über hohen Aufwand, Bürokratie und Umweltschäden - auch in München.

  • Gegen die Kassenbonpflicht gab es bis zuletzt heftige Proteste.
  • Dennoch gilt sie seit 1. Januar.
  • Die Betroffenen reagieren nun unterschiedlich auf die Neuerung. Es gibt auch Boykotte.

München - Yurdagül Balci ist genervt. Denn statt sich ausschließlich um die Wünsche ihrer Kunden zu kümmern, muss die Inhaberin der „Konditorei & Bäckerei Chocolatte“ jeden Tag hunderte Kassenzettel einsammeln. „Es ist absoluter Irrsinn! Von ungefähr 200 Kunden wollen vielleicht gerade mal fünf einen Bon haben. Und wir müssen den Papiermüll dann entsorgen“, schimpft die 42-Jährige. „Wir reden hier teilweise von Cent-Beträgen. Das ist der ganze Aufwand doch gar nicht wert. Ganz zu schweigen von den Schäden für die Umwelt.“

München: Bon-Pflicht lässt Inhaberin von Ladenkette zürnen - „komplett an der Realität vorbei“

Weil die Bons aus Thermopapier sind, dürfen sie nicht in die Papiertonne geworfen werden, sondern müssen im Restmüll entsorgt werden. Der Handelsverband Deutschland hat errechnet, dass jährlich zwei Millionen Kilometer Kassenbons zusätzlich anfallen. Sie könnten 50 Mal die Erde umrunden. Auf Nachfrage teilt eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums (BMF) mit, dass die Bons nicht zwingend in Papierform ausgestellt werden müssten. „Dabei haben wir die Belegausgabepflicht bewusst Technologie-offen gestaltet, um es den Kasseninhabern zu ermöglichen, den Bon auf digitalem Wege und damit auf umweltfreundliche Art auszugeben“, heißt es schriftlich. 

E-Mail-Tausch beim Semmelkauf? Darüber kann Balci nur lachen. „Das ist komplett an der Realität vorbei! Das würden viele Kunden schon allein aus Datenschutzgründen nicht machen.“ Ganz zu schweigen von der langen Wartezeit, die durch die Registrierung der Kunden entstehen würde.

Metzger Florian Munkert braucht jeden Tag zwei bis drei Papierrollen mehr.

Verzögerungen im laufenden Betrieb muss auch Metzger Florian Munkert von der Metzgerei „Schäbitz“ auf dem Viktualienmarkt feststellen. „Das Drucken kostet Zeit – pro Tag in Summe mindestens eine Viertelstunde, in der wir keine Kunden betreuen können. Nur knapp ein Prozent unserer Kundschaft will tatsächlich einen Bon“, sagt Munkert. Seine Nachbarin Elke Fett, die rund 80 Händler auf dem Viktualienmarkt vertritt, will eine Ausnahmegenehmigung für den gesamten Markt erwirken. Was sie am meisten ärgert: „Es macht mich wütend, dass die Finanzbehörden vermuten, dass wir Kleinunternehmer ein Volk von Betrügern sind! Wir hinterziehen keine Steuern.“

„Yormas“ boykottiert das neue Gesetz

Die Systemgastronomie-Kette „Yormas“ boykottiert die Bonpflicht. In den Filialen, etwa der im Münchner Hauptbahnhof, erhält man nach wie vor nur auf Wunsch einen Bon. „Bei uns geht es um Geschwindigkeit“, erklärt Matthias Schmid von der Geschäftsleitung. „In Stoßzeiten arbeiten bis zu vier Mitarbeiter an einer Kasse. Eine Zuordnung der Bons wäre in der Praxis nicht möglich.“ Das Unternehmen stellte einen Antrag auf Befreiung von der Bonpflicht beim Bund. Dieser wurde abgelehnt, „Yormas“ legte Einspruch ein. Das Verfahren läuft noch.

Auch Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern sieht keinen Sinn in der Vorgabe, spricht von einem „Schildbürgerstreich“. Denn: „Elektronische Kassen müssen ohnehin manipulationssicher aufgerüstet werden.“ Das schreibe das neue Kassengesetz vor, mit dem die Bonpflicht einhergeht. Für die Umrüstung wurde eine Übergangsfrist bis 30. September eingeräumt. Die Bonpflicht soll aber bestehen bleiben. „Der Beleg ist ein Baustein zum Schutz vor Manipulationen“, teilt die Ministeriumssprecherin mit.

Daniela Schmitt und Svenja Schneider

Silvester in München werden diese junge Italiener wohl so schnell nicht vergessen. Bei einer Tour in der Innenstadt saß die Gruppe plötzlich hinter Gittern.

Der Steinboden ist voller gelber Pappbecher, Papiertüten, Salatplastikschalen und Fast Food-Tüten: Die Abfalleimer in der Eingangshalle des Freisinger Bahnhof quillen über.

Rubriklistenbild: © Oliver Bodmer

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