Schockierender Fall zeigt Corona-Chaos

„Irgendetwas läuft hier nicht richtig“ - Münchnerin wartet seit Wochen auf ihr Corona-Testergebnis

In München wollen sich hunderte auf das Coronavirus testen lassen. Der Ansturm ist groß. Eine Frau erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen die Test-Situation.

München - Ihre 16 Tage zu Hause in Corona-Quarantäne – das waren für Marianne W. (55) auch unzählige Minuten in verschiedenen Warteschleifen am Telefon. Denn die Münchnerin hat am eigenen Leib erfahren müssen, dass das Test-System an seine Grenzen geraten ist. Nach langem Zittern weiß sie noch immer nicht, ob sie das Virus hatte oder nicht.

Mit Symptomen zum Corona-Test 

Begonnen hat das ganze Chaos um die Corona-Tests, als die PR-Beraterin mit Halsschmerzen und hohem Fieber bei der Hotline 116 117 des Bereitschaftsdiensts der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern anruft. „Dort hieß es, meine Tochter, ihr Freund, mein Lebensgefährte und ich müssten vorsichtshalber in Quarantäne“, berichtet die Münchnerin. Aber wer behandelt sie denn nun? Der Hausarzt nicht. „Mir ging es wirklich schlecht, ich hatte mittlerweile auch Kopfschmerzen und Husten. Bei der Hotline hieß es nur, bei Atemnot solle ich die 112 anrufen …“

Nach etlichen Telefonaten bekommt Marianne W. einen Test-Termin beim Drive-In auf der Theresienwiese. „Dort war es auch nicht vertrauenserweckender: Die Herren im ersten Zelt haben meine Daten falsch aufgenommen, ich musste mich ständig wiederholen.“ Der Arzt im zweiten Zelt habe dieses Gefühl bestätigt. „Er war verärgert, weil er – wie er sagte – ständig die Daten korrigieren muss.“

Hinter ihr stehen die Autos vor den Zelten Schlange, die Probenentnahme erfolgt im Akkord.

Schlamperei beim Viren-Test: 16 Tage ohne Ergebnis

Dann wird es noch chaotischer: Denn das Ergebnis ihres Tests erfährt die Münchnerin einfach nicht. „Als ich tagelang nichts gehört hatte, habe ich mehrmals beim Kassenärztlichen Verband und beim Gesundheitsamt angerufen.“ Die Auskünfte sind immer anders: Mal heißt es, da sei wohl etwas schiefgelaufen. Beim nächsten Mal dann, ihr Fall sei in Bearbeitung. Ein Mitarbeiter soll ihr sogar gesagt haben, mit den Tests von der Theresienwiese gebe es immer wieder Probleme.

Die PR-Beraterin Marianne W. beim Abstrich in ihrem Auto an der Teststation.

16 Tage lang versucht sie vergeblich, etwas über ihren Test zu erfahren. Sie ist wütend: „So kann man doch nicht Menschen umgehen?! Ich bin selbstständig. Das hat für mich ja auch finanzielle Auswirkungen …“ Immerhin: Anfang der Woche – Marianne W. ist längst wieder symptomfrei – meldet sich ein Arzt der Kassenärztlichen Vereinigung. „Er sagte, er könne meine Daten nicht finden – aber er hebe hiermit die Quarantäne auf.“ 

Nun kann Marianne W. wieder arbeiten und mit ihrem Hund im Wald Gassigehen – schlauer ist sie aber nicht. „Irgendetwas läuft hier nicht richtig. Ich bin ja bestimmt nicht die Einzige, der das passiert ist. Und wenn ich da an betroffene Senioren denke: Die können ja nicht wie ich ständig hinterher telefonieren … Ich bin mir mittlerweile sicher, dass die Fallzahlen nicht stimmen können, wenn die Testerei so chaotisch abläuft.“


Das sagt die KVB zu dem Vorwurf

Die zuständige Kassenärztliche Vereinigung Bayerns bittet auf tz -Anfrage um „Verständnis, dass die KVB bei inzwischen 37.268 Tests, die seit dem 2. März 2020 durchgeführt wurden, den (...) Fall, der definitiv ärgerlich ist, nicht nachverfolgen kann“. Weiter heißt es: „Wir befinden uns in einer aktuellen Ausnahmesituation, die nicht nur die KVB, sondern alle Organisationen und Einrichtungen im Gesundheitswesen an ihre Grenzen bringt.“

Von seinem Fenster aus hat ein Mann in München eine rätselhafte Zusammenkunft verfolgt. Ob so etwas zu Corona-Zeiten „im Sinne des Erfinders“ ist?

Hausarzt sagt: „Das kommt ständig vor“

Der Fall von Marianne W. ist kein Einzelfall: Ein Hausarzt aus dem Münchner Westen, dessen Name der Redaktion bekannt ist, bestätigt: „Es kommt ständig vor, dass Patienten nichts von ihrem Ergebnis hören.“ 

Der Allgemeinarzt macht selbst regelmäßig für den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Abstriche. „Immer wieder rufen mich Patienten an, die nicht informiert werden. Dann kontaktiere ich persönlich die Labore.“ Aber auch er bekomme nicht zu allen Patienten Informationen. „Ein absolutes Unding. Die Patienten hängen vollkommen in der Luft.“ Dabei müsse die Überlastung beim KVB nicht sein, sagt der Arzt zur tz. „Man könnte schnell und unbürokratisch Personal aus anderen Bereichen abziehen und für die Benachrichtigung der Patienten einsetzen.“

Auch eine Münchner Ärztin hatte sich womöglich mit dem Coronavirus* infiziert. Doch die Behörden lassen sie und ihre Freundin im Ungewissen.

Das Coronavirus sorgt für Ängste und Probleme bei Münchnern. Ein Experte erklärt, was im Ausnahmezustandhilft.

Verdacht auf Coronavirus-Infektion: Nicht zum Arzt gehen!

Für alle Personen, die nicht vom Gesundheitsamt zum Test aufgefordert werden, gilt: Wenn Sie den konkreten Verdacht haben, dass Sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben, weil sie entsprechende Symptome haben und Kontakt zu positiv getesteten Personen hatten oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben, gehen Sie, um die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren, nicht in die Praxis, sondern nehmen Sie telefonisch Kontakt mit dem Hausarzt oder der KVB unter der Nummer 11 61 17 auf und besprechen Sie das weitere Vorgehen.

Das Coronavirus beherrscht aktuell die Schlagzeilen. Nun sorgte ein Vater aus dem Raum München mit einem Aprilscherz für Aufsehen. Sogar Markus Söder äußerte sich.

Viele Menschen sind in Zeiten der Corona-Krise auf Hilfe angewiesen und viele wollen auch helfen. Jedoch wie kommen Bedürftige und Helfer zusammen? Wir haben die Antwort: Auf dieser interaktiven Landkarte finden Sie diejenigen die Ihre Unterstützung anbieten und können sich selbst als Helfer eintragen.

Nina Bautz

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Radl-Drama: Polizei fahndet mit neuen Fotos - Familie denkt über zusätzliche Belohnung nach
Radl-Drama: Polizei fahndet mit neuen Fotos - Familie denkt über zusätzliche Belohnung nach
Söder nimmt Stellung zu Corona-Impfpflicht - und macht Biergarten-Fans große Hoffnung
Söder nimmt Stellung zu Corona-Impfpflicht - und macht Biergarten-Fans große Hoffnung
Um Beifahrerin zu beeindrucken? Video zeigt, wie Mann mit 120 Sachen über den Ring brettert
Um Beifahrerin zu beeindrucken? Video zeigt, wie Mann mit 120 Sachen über den Ring brettert

Kommentare