In Bamberg schon umgesetzt

Wegen Corona: Kommen Alkoholverbote an Plätzen in München? Lokalpolitiker sind sich einig

Mehrere leere Bierflaschen stehen auf einem Gitter nahe der Isar.
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In guter Gesellschaft: An der Isar finden sich so manche leere Bierflaschen an - auch während der Corona-Pandemie.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml denkt laut über Alkoholverboten an bestimmten Plätzen nach.. Doch in Münchens Politik regt sich Widerstand gehen solche Ideen.

  • Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml kann sich mit Alkoholverboten auf öffentlichen Plätzen in Städten wie München anfreunden.
  • Dabei geht es um die Eindämmung der Corona-Pandemie*.
  • Im Münchner Rathaus ist die Meinung zu dem Thema eindeutig.

Update vom 29. Juli, 19.20 Uhr: Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen, im Englischen Garten oder an der Isar? Die Landesregierung fände das gut - im Münchner Rathaus sieht’s aber ganz anders aus. Grüne und SPD lehnen die Idee ab, auch die CSU als größte Oppositionspartei ist skeptisch. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hatte Kommunen ermuntert, die Regeln zu verschärfen, um Party-Exzesse zu verhindern. Denn: An einigen Hotspots fühlen sich die Anwohner mittlerweile an den Ballermann erinnert.

Münchens Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) gibt aber zu bedenken: „Ein Alkoholverbot würde nur dafür sorgen, dass die Feiernden ein paar Straßen weiter ziehen und eben dort ihr Bier trinken. Damit würden wir das Problem verlagern, aber nicht lösen.“

Die Corona-Pandemie habe dazu geführt, dass Räume zur Begegnung wie Bars weggebrochen seien. Sie könne den Drang nach Feiern und sozialem Miteinander gut nachvollziehen. Habenschaden: „Ich will das nicht mit Verboten unterbinden.“ Ihr Appell: „Bitte haltet Abstand!“

Diesem Aufruf schließt sich der Fraktions-Vize der Stadtrats-SPD, Christian Vorländer, an. „Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen sind nicht der richtige Weg. Dies würde nur zur Eskalation der Lage beitragen.“ Die CSU, auf deren Antrag hin der Einsatz des Kommunalen Außendienstes am Gärtnerplatz beschlossen wurde, äußerte sich zurückhaltend. Der Fraktionschef im Stadtrat, Manuel Pretzl, erklärte: „Die Umsetzung eines Alkoholverbots wäre sicher schwierig.“ Man müsse die Feierszene im Auge behalten - er hoffe aber, dass sich die Lage entspannen werde. (kv)

Im Hasenbergl kam es an mehreren Tagen zu Gewaltausschreitungen. Zwei Gruppen trafen mehrmals aufeinander, die Situation eskalierte.

Erstmeldung vom 29. Juli:

München - Bayern steuert auf lokale Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen zu. Das hat zuletzt in Bamberg schon gewirkt und soll deshalb bald auch anderswo kommen, sagt Gesundheitsministerin Melanie Huml (44, CSU). Das tz-Interview zu Party-Regeln in Zeiten von Corona:

Kann sich Alkoholverbote an bestimmten öffentlichen Plätzen vorstellen: Melanie Huml ist Bayerns Gesundheitsministerin.
Frau Huml, wann waren Sie zuletzt in der Disco?
Melanie Huml: Oh, das ist Jahre her.
Verstehen Sie junge Leute, die sich zurzeit draußen Plätze zum Feiern suchen?
Huml: Ja. Aber wir erleben einen besonderen Sommer heuer. Man kann auch feiern und beisammen sein, wenn man Abstand hält und Vernunft walten lässt.
Ist die Staatsregierung von den dichten Party-Szenen auf Plätzen, gerade auch in München, genervt?
Huml: Das bereitet uns Sorge, das hat nichts mit Genervtsein zu tun. Wir sehen bundesweit leicht steigende Infektionszahlen*, und oft sind Feiern und Partys die Grundlage der Ausbrüche. Deswegen müssen wir da so vorsichtig sein.
Mehrere Städte erlassen Alkoholverbote für den öffentlichen Raum. Ist das der richtige Weg?
Huml: Ich habe mir das in Bamberg gründlich angeschaut. Die Stadt Bamberg hat 14 Tage lang ein Alkoholverbot ab 20 Uhr durchgesetzt, das hat die Lage in der Innenstadt enorm entspannt. Am 15. Tag gab es sofort wieder die selben Bilder wie vorher, also wurde das Verbot wieder in Kraft gesetzt. Alkohol hat enthemmende Wirkung, die Vernunft lässt nach, die Abstände fallen weg. Deswegen ist ein solches Verbot in meinen Augen der richtige Weg. Das Innenministerium wird auf die Kommunen zugehen und sie ermuntern, für bestimmte Orte im öffentlichen Raum Alkoholverbote zu prüfen.
In Antwerpen (Belgien) gibt es wegen Corona sogar eine nächtliche Ausgangssperre. Denken Sie auch daran?
Huml: Wir appellieren erstmal an die Vernunft der jungen Leute und unternehmen auch den Schritt Richtung Alkoholverbot. Das Virus ist nach wie vor da, die Lage ist brandgefährlich.

Interview: Christian Deutschländer / *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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