„Geht bis 3 oder 4 Uhr nachts“

Party-Wahnsinn in München? Zehntausende feiern an der Isar - an anderem „Hot-Spot“ der Stadt kippt Stimmung 

Sommer, Sonne – und Corona. Nach den Regenwochen zieht es die Münchner raus. Zu Hunderten. Zu Tausenden. Das bringt auch Probleme mit sich.

  • Immer wieder musste die Polizei in München zuletzt ausrücken, weil sich Menschen nicht an die Corona-Verordnungen hielten.
  • Wie ansteckend ist die Lebensfreude der „erlebnisorientierten jungen“ Leute?
  • Zuletzt kam es bei der Zahl der Neu-Infizierten* zu leichten Schwankungen.
  • Alle wichtigen Geschichten aus München gibt es in unserer App.

Update vom 28. Juni 2020: Trotz der Corona-Krise haben Tausende Menschen am Wochenende in München gefeiert. In der Nacht von Freitag auf Samstag hätten sich in Spitzenzeiten bis zu 10.000 Menschen an der Isar aufgehalten, teilte die Polizei am Sonntag mit. Von Samstag auf Sonntag seien es rund 5000 gewesen. Den Angaben zufolge blieb alles friedlich.

Etwas anders sah es auf der als Feiermeile Leopoldstraße aus - vor allem nach dem letzten Bundesliga-Spieltag. Dort wurde der Polizei am frühen Sonntagmorgen „eine größere Anzahl aggressiver Personen“ gemeldet. Die rückte nach eigenen Angaben „mit hohem Kräfteeinsatz an“ und traf dort auf rund 200 bis 300 Menschen. Bei aggressiv Auftretenden stellten die Polizisten die Personalien fest, zudem sprachen sie mehrere Platzverweise aus. Zwei Menschen wurden wegen Beleidigung der Einsatzkräfte angezeigt.

Anwohner dokumentiert rauschende „Corona-Partys“ an der Isar - Stadt möchte auf eklige Entwicklung reagieren

Erstmeldung vom 24. Juni 2020:

München - Die warme Abendsonne genießen, mit Freunden zusammensitzen. Das macht Spaß, geht aber nicht immer gut: In der Nacht zu Dienstag (23. Juni) musste die Polizei am Gärtnerplatz anrücken und für Ruhe sorgen. Mal wieder. Nach wie vor gilt wegen Corona: Maximal zehn Personen dürfen pro Gruppe zusammenkommen. Insgesamt 300 Münchner waren es aber, die am Dienstag am Gärtnerplatz bis Mitternacht gefeiert haben*. „Mehrere Anwohner und Passanten teilten über den Notruf eine laute Party mit“, heißt es vonseiten der Polizei, die mit mehr als zehn Streifen und fast 30 Beamten angerückt ist.

Coronavirus in München: Polizei rückt öfter mal zum Gärtnerplatz aus - „Seit dem 6. Mai gab es 20 Einsätze“

Sie hört die Formulierung „Platzräumung“ nicht gern. Offiziell geht es um Ruhestörung und Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz. Die Menschen werden gebeten zu gehen. „Seit dem 6. Mai gab es dort 20 Polizei-Einsätze.“ Auf die reagiert das Partyvolk unterschiedlich verständnisvoll. Direkten Widerstand habe es nicht gegeben.

Der Pressesprecher der Polizei, Marcus da Gloria Martins, nennt die Klientel, mit der es seine Beamten zu tun bekommen, „erlebnisorientierte junge Menschen“ – die sich nicht über einen Kamm scheren lassen. Zum Gärtnerplatz gehen andere Leute als zum Monopteros im Englischen Garten, wo es seit Jahren immer wieder Probleme gibt. „Das ist kein neues Phänomen“, sagt da Gloria Martins. Am kommenden Sommer-Wochenende werden in München* mehr Polizisten unterwegs sein. Unabhängig davon, dass es jüngst in Stuttgart zu schwerer nächtlicher Party-Randale gekommen ist.

München: „Erlebnisorientierte junge Menschen“ halten sich nicht immer an Corona-Verordnungen

„Erlebnisorientierte“ Münchner genießen das schöne Wetter an der Isar.

Am frühen Dienstagabend herrschte im Englischen Garten eher Festival-Stimmung. Mit Yoga-Freunden, die im Gras turnten, kleinen Gruppen, die mit Holz-Wurfspielen am Start waren. Unerschrockenene badeten sogar im Bach.

Genauso voll, aber weniger friedlich war die Situation an der Isar nahe der Wittelsbacherbrücke, die Wolfgang Dykiert festgehalten hat. Seine Bilder und Videos zeigen viele hundert Menschen, die sich auf den Wiesen tummeln und in Gruppen zu lauter Musik tanzen. 

„Das geht bis 3 oder 4 Uhr nachts so“, sagt er entnervt. Nachts bekommt Dykiert kein Auge zu, morgens sammelt er dann beim Gassigehen mit seinem Hund die vielen Scherben ein. „Ich verstehe, dass die jungen Leute derzeit nicht in Clubs gehen können“, sagt der Anwohner der Eduard-Schmid-Straße. Dort seien die Zustände aber unerträglich.

Wolfgang Dykiert ärgert sich über Partys und Müll an der Isar.

Die wenigen mobilen Dixiklos – zwischen Reichenbach- und Wittelsbacherbrücke sind es gerade mal drei – reichen nicht aus. Die meisten Menschen gehen einfach ins Gebüsch, wo es immer schlimmer ausschaut. Und mit steigenden Temperaturen riecht. Darauf will das Baureferat nun reagieren. Eine fest installierte Anlage an der Eduard-Schmid-Straße 36 sei in Planung. „Sie soll noch heuer realisiert werden.“

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Rubriklistenbild: © fkn

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