Zweifel begleiten die Lockerungen

München öffnet in der Corona-Krise wieder: So rüsten sich Geschäfte, Gasthäuser und Altenheime

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Offene Fragen: Noch ist unklar, wie viele Gäste an den einzelnen Tischen in Biergärten Platz nehmen dürfen und welche Abstandsregeln gelten sollen.

Nach zwei Monaten nahezu komplettem Stillstand öffnet sich München wieder. Doch wie bereiten sich Geschäfte, Gasthäuser und Altenheime auf die neuen Herausforderungen vor?

  • München fährt den Betrieb nach den Corona-Beschränkungen langsam wieder hoch.
  • Doch Zweifel begleiten die Lockerungen.
  • Diverse Fragen müssen noch beantwortet werden.

München - Aufatmen nach wochenlangem Shutdown - die Ausgangsbeschränkungen werden endlich gelockert. Laut neuem Fahrplan von Ministerpräsident Söder sollen vor allem Gastronomie, Alten- und Pflegeheime sowie Geschäfte profitieren. Außerdem dürfen sich bereits ab diesen Freitag wieder Angehörige von zwei Haushalten treffen - und zwar sowohl im privaten wie auch im öffentlichen Raum.

Wie sich München auf die Lockerungen vorbereitet und welche Regeln dann gelten, erklären wir in diesem Artikel. 

Corona-Krise in München: So laufen die Öffnungen der Geschäfte

„Bei größeren Geschäften steht in der Regel Security am Eingang, bei kleineren regeln die Mitarbeiter selbst den Einlass“, erklärt der Sprecher der Innenstadt-Händler, Wolfgang Fischer von City Partner. Elektronisch läuft es bei Kustermann: „Dort erfasst ein System, wie viele Kunden im Laden sind. Auf einem Bildschirm erscheint dann entweder ein grünes oder ein rotes Licht.“

Die Geschäftsleute in Münchens Innenstadt sind glücklich über die Lockerungen. „Wir begrüßen es sehr, dass die Handelsunternehmen ab 11. Mai dann wie gewohnt wieder öffnen können“, sagt Fischer. Die Unternehmen hätten sich sehr gut auf die neue Situation vorbereitet, die Kunden seien sehr aufmerksam und verständnisvoll.

Grüner Bildschirm und Daumen hoch bedeuten bei Kustermann: Bitte treten Sie ein!

Corona-Krise in München: So laufen Besuche in Altenheimen ab

Es mutet an wie der Besuch in der Justizvollzugsanstalt: Termin vereinbaren, in eine Liste eintragen, 30 Minuten Unterhaltung in einem Kontaktraum mit mindestens 1,50 Meter Abstand. Das wird zumindest in den Alten- und Pflegeheimen der Münchenstift Realität. „Wir sind gerade dabei, ein Konzept auszuarbeiten, damit das zum Muttertag für möglichst viele funktioniert“, sagt Geschäftsführer Siegfried Benker. „Wir richten Besuchszonen ein, stellen Tische auf. Und die Terminvergabe läuft schon.“

Die Staatsregierung hat am Dienstag erste Schritte für eine Lockerung der bis dahin geltenden Ausgangsbeschränkungen bekannt gegeben. Zu den ersten Maßnahmen gehört, dass ab dem Wochenende (Muttertag ist am 10. Mai) Bewohner von Pflegeeinrichtungen wieder Besuch von Angehörigen erhalten können. Für Schutzvorkehrungen sollen die Heime sorgen.

Neue Corona-Regel: Vor einem Altenheim-Besuch muss ein Termin vereinbart werden.

Corona-Krise in München: „Ethisch und menschlich schwierige Situation“

Insgesamt hätten Bewohner und Angehörige bislang viel Verständnis gezeigt, sagt Benker. „Aber es gibt auch welche, die uneinsichtig sind, wenn etwa eine 88-Jährige ihren 92-jährigen Mann nicht besuchen darf. Ethisch und menschlich ist die Situation schwierig.“

Die Lockerungen sieht Benker gleichwohl skeptisch. „Sie kommen zu früh. Wir wissen ja, was geschieht, wenn man einen Fall im Haus hat, wie schnell sich das Virus verbreitet.“ Die Auswirkungen der Lockerungen sehe man erst in zwei, drei Wochen.

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Corona-Krise in München: So laufen Öffnungen der Gasthäuser ab

Die Wirte stehen in den Startlöchern, doch die Rahmenbedingungen für die Öffnung der Gastronomie lassen auf sich warten. Aktuell tüftelt eine Arbeitsgruppe der Staatsregierung an einem praktikablen Konstrukt. Anfang nächster Woche sollen die Regeln klar sein. „Jeder Tag früher ist Gold wert für uns“, sagt Gregor Lemke, Vorsitzender der Innenstadtwirte. Bislang steht nur fest, dass ab 18. Mai Biergärten und Freischankflächen öffnen dürfen, ab 25. Mai kommt der Innenbereich von Speiselokalen dazu. Doch in welcher Größenordnung? Lemke sagt: „Mindestens 50 Prozent der Plätze mit Erweiterungs-Perspektive wäre ein Anfang, aber bei 30 Prozent bräuchten wir gar nicht aufsperren.“

Lemke betreibt den Klosterwirt neben der Frauenkirche. 400 Plätze innen, 160 draußen, gut 100 Mitarbeiter. Die Pläne für die Wiedereröffnung hat er in der Schublade. Erst am Mittwoch bekam Lemke 1000 Schutzmasken geliefert. In seinem Lokal stehen zehn Desinfektionsspender zur Verfügung. Das Personal soll zeitlich versetzt in Teams arbeiten. Lemke hofft, dass der Freistaat keine Reservierungspflicht verordnet. „Das wäre ein gewaltiger Bürokratie-Aufwand.“ Und er hofft, dass nicht auch das Küchenpersonal zum Tragen von Masken gezwungen wird: „Da kollabieren die Leute.“ Das KVR solle im Sinne der Wirte Kulanz bei der Ausweitung der Freischankflächen walten lassen. Leider gebe es dafür bislang kein Signal.

Offene Fragen: Noch ist unklar, wie viele Gäste an den einzelnen Tischen in Biergärten Platz nehmen dürfen und welche Abstandsregeln gelten sollen.

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Sascha Karowski, Klaus Vick

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