Müll, Lärm und kein Abstand

“Leute zieht es eben nach draußen“: Polizei nennt unglaubliche Zahlen zu Corona-Partys in München

An den Wochenenden stürmen tausende Münchner die Isar.
+
An den Wochenenden stürmen tausende Münchner die Isar.

Die Polizei hat in München immer mehr Schwierigkeiten die Corona-Regeln durchzusetzen. Tausende Menschen tummeln sich ohne Abstand in den Parks und an der Isar.

  • Trotz der Coronavirus-Pandemie tummeln sich immer mehr Menschen in München auf kleinstem Raum.
  • Die Isar und der Gärnterplatz sind beliebte Treffpunkte für Partys.
  • Die Polizei braucht zusätzliche Kräfte um der Situation Herr zu werden.

München - Kommt die Sonne raus, ist in der Stadt kaum noch ein Platzerl frei. So kennt man das aus Münchner Sommern, die halt besonders schön sind. Doch heuer ist der Sommer mit seiner Geselligkeit auch immer noch potenziell gefährlich.

Trotz Corona: Tausende Münchner scharen sich an beliebten Plätzen

Trotzdem stürmten die Münchner an diesem Wochenende wieder zu Tausenden die Parks, saßen in Scharen an der Isar oder am Gärtnerplatz. „Um dort zu feiern“, sagt Ralf Kästle, Pressesprecher der Münchner Polizei, die allein am Freitagabend in der Spitze 10.000 Leute an der Isar zählte. Rekord! Von Samstag auf Sonntag seien es dann noch gut 5.000 gewesen.

Platz-Angst wegen der Corona-Partys: Das Virus, das uns monatelang in Schach gehalten hat, scheint für viele plötzlich weit weg. Und auch auf die Abstandregelung wird vielerorts nicht mehr geachtet wie noch vor Wochen, als der Alltag plötzlich unsicher wurde. Experten halten das nach wie vor für gefährlich.

München: Niedrige Infektionszahlen lassen Menschen unvorsichtig werden

Doch die Zahlen klingen aktuell harmloser als noch vor Wochen – als sie jeden Tag aufs Neue anstiegen: 14 Neuinfektionen hat es am Freitag in der Stadt gegeben. Insgesamt wurden in München* 6719 Infektionen bestätigt. 6183 Münchner sind wieder genesen, 218 leider verstorben. Die Reproduktionszahl liegt mittlerweile bei 1,02: Statistisch gesehen stecken 100 erkrankte Münchner also 102 andere an. Das ist ein guter Wert in der Pandemie. Aber bleibt dieser auch so niedrig? Immerhin gab es in Starnberg nun wieder einen größeren Ausbruch.

Feiern am Gärtnerplatz in München sorgt nicht überall für gute Laune. Anwohner sind genervt. Nun soll der Kommunale Außendienst nachts patrouillieren. Ein CSU-Politiker wirbt für zwei rigorose Maßnahmen.

Corona-Partys in München: Polizei mit zusätzlichen Kräften unterwegs

Fakt ist: Die Ordnungshüter müssen weiterhin für die Einhaltung der Regeln sorgen. Nicht ganz einfach bei diesem Ansturm. „Die Polizei war mit zahlreichen zusätzlichen Einsatzkräften im Stadtgebiet unterwegs, um für Sicherheit zu sorgen“, sagt Ralf Kästle. Ihm zufolge waren es „mehrere Hundert“ zusätzliche Beamte.

Allein 50 waren Samstagabend am Gärtnerplatz unterwegs, um für Ruhe zu sorgen, nachdem sich Anwohner über zu viel Lärm beschwert hatten. Auch hier war zwischen Bänken und Grünflächen kaum mehr ein Platzerl frei. Die Polizei versuchte es mit gutem Zureden, so gelang es auch, den Platz nach Mitternacht leer zu bekommen – ohne Ausschreitungen oder gar Festnahmen. Auch am Wedekindplatz hatte das funktioniert. Nur in der Leopoldstraße kam es zu Platzverweisen und einzelnen Anzeigen.

Bahnt sich in München eine weitreichende Maßnahme an? Aufgrund des coronabedingten Isar-Booms scheint nichts mehr ausgeschlossen.

Fehlende Toiletten und Mülleimer: Corona-Platzmangel macht Münchner Probleme offensichtlich

Keine Frage: München hat wegen Corona ein Platzproblem. Weil Discos und Bars noch nicht aufsperren dürfen, „zieht es mehr Leute eben nach draußen“, sagt Kästle. Besonders die jüngeren. An die Isar, an den Gärtnerplatz oder in den Englischen Garten

Doch die Folgen in der Stadt sind teilweise gravierend: Zur Infektionsgefahr kommen noch Müllberge. Toiletten fehlen. Wer in den vergangenen Wochen morgens dort spazieren gegangen ist, trug seine Maske teils gerne. Als Geruchs-Schutz. (Andreas Thieme)

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redkationsnetzwerkes

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Schock-Moment im ICE: Brandmelder löst aus- Fehlalarm legt Münchner Zugverkehr lahm
Schock-Moment im ICE: Brandmelder löst aus- Fehlalarm legt Münchner Zugverkehr lahm
Münchner Wiesn-Ersatz 2020 zieht durch die Viertel: Zwei Monate voller Gratis-Konzerte
Münchner Wiesn-Ersatz 2020 zieht durch die Viertel: Zwei Monate voller Gratis-Konzerte
München: Corona-Drohung, Hitlergruß und eine Keksrolle als Waffe - Sendlinger Streit eskaliert ins Groteske
München: Corona-Drohung, Hitlergruß und eine Keksrolle als Waffe - Sendlinger Streit eskaliert ins Groteske
Neue Mega-Staufalle in München: Autofahrer kalt erwischt - KVR zieht erste Bilanz
Neue Mega-Staufalle in München: Autofahrer kalt erwischt - KVR zieht erste Bilanz

Kommentare