Willkommen im Normalzustand

München gibt wieder Vollgas: Auf den Straßen ist alles wie vor Corona - teilweise sogar noch schlimmer

Willkommen im Normalzustand: München ist wieder staugeplagt.
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Willkommen im Normalzustand: München ist wieder staugeplagt.

In München geht die Kurve wieder steil nach oben - jedenfalls die Verkehrskurve. Die Stadt holt mächtig auf, wie aktuelle Daten jetzt belegen. 

  • In München* hatte der Corona-Lockdown einen positiven Effekt auf den Verkehr
  • Zwei Monate lang gab's quasi überhaupt keinen Stau in der Stadt.
  • Die Zeiten sind vorbei. Wie aktuelle Daten zeigen, ist es teilweise noch schlimmer.

 München - Pendler, die mit dem Auto nach München fahren, brauchen gute Nerven. Das weiß man. 131 Stunden standen sie im Vorjahr im Stau. Nach dem Corona-Lockdown Mitte März war das anders. Das Verkehrsaufkommen sank plötzlich rapide. Bis Mitte April hielt dieser Trend an. Danach aber stiegen die Zahlen sukzessive an. Und seit dieser Woche zeigt die Kurve wieder steil nach oben. München gibt wieder Vollgas!

Corona hatte positiven Effekt auf den Verkehr in München: doch das ist vorbei

All das geht aus Erhebungen des Verkehrsspezialisten TomTom hervor. Experte Ralf-Peter Schäfer: „Während der ersten Monate nach Inkrafttreten der Corona-Maßnahmen ist der Autoverkehr nahezu zum Erliegen gekommen. Seit Mitte Mai nähert sich das Verkehrsaufkommen in München wieder deutlich dem Niveau des Vorjahres an.“ Außerhalb der Stoßzeiten verzeichnet TomTom aktuell sogar ein höheres Stau-Niveau als üblich.

Eine Staufalle mit Ansage sorgt in München aktuell für Ärger, wie tz.de berichtet. Auf der Prinzregentenstraße hat die Stadt nämlich an einer Ampel getrickst.

Öffentlicher Verkehr in München noch weit unter Vor-Corona-Zeiten 

Anders sieht es bei den öffentlichen Verkehrsmitteln aus. Die S-Bahn meldet in Aufkommen zwischen 50 und 60 Prozent der üblichen Fahrgastzahlen. Bei der MVG bewegt man sich ebenfalls in einer Größenordnung von 60 Prozent des Niveaus vor Corona. Zur Hochphase der Ausgangsbeschränkungen wurden nur 20 Prozent der durchschnittlichen Fahrgastzahlen erreicht, Mitte Mai waren es 40 Prozent.

Auf der Straße liegt die Staubelastung in München im Tagesdurchschnitt jetzt wieder bei rund 30 Prozent. Das heißt: Eine Fahrt, die ohne Verkehrsbehinderungen 30 Minuten dauern würde, nimmt 40 Minuten in Anspruch. Zur Rush Hour sind es sogar 47 Minuten. Mit Inkrafttreten der Corona-Maßnahmen sank die Quote mehrere Wochen lang auf etwa 15 Prozent.

Das Straßensystem ist zur Hauptverkehrszeit hoffnungslos überlastet

Die Zahl der Einpendler nach München stieg seit dem Jahr 2008 von 314.000 auf fast 400.000. In München selbst sind rund 150.000 Pkw mehr angemeldet als noch vor knapp 20 Jahren. Folge: Das Straßensystem ist zur Hauptverkehrszeit hoffnungslos überlastet. Schäfer: „Langfristig gesehen bedeuten gestaffelte Arbeitszeiten und Home Office weniger Verkehr und damit weniger Staus auf den Straßen.“ Die Verkehrsdaten zeigten, „dass sich die Art, wie wir uns fortbewegen, coronabedingt stark verändert hat“. Etwa deshalb, weil Menschen wegen der Infektionsgefahr Bus und Bahn scheuen. (Klaus Vick)


Dabei arbeitet die Stadt München gerade an einer Radl-Offensive mit 450 neue Fahrrad-Kilometer. Die Münchner Verwaltung reagiert auf Forderungen des Bürgerbegehrens und rechnet bis 2025 mit Kosten von über einer Milliarde Euro.


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