Eine andere Demo war noch größer

Doppel-Demo trotz Corona in München: Für Flüchtlinge und den Krach

Die Demo am Odeonsplatz.
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Die Demo am Odeonsplatz.

Gleich zwei Demonstrationen fanden am Wochenende in München statt. Eine Veranstaltung zum Weltflüchtlingstag und die „Krachparade“ zum Schutz der Club- und Musiklandschaft.

  • Gleich zwei Demonstrationen fanden am Wochenende in München statt.
  • Auf dem Odeonsplatz kamen zum Weltflüchtlingstag etwa 100 Menschen zusammen, bei der Krachparade zogen bereits am Freitag etwa 200 Münchner für den Schutz der Club- und Musiklandschaft durch die Stadt.
  • Im Gegensatz zu den Ereignissen in Stuttgart verliefen beide Demos verliefen friedlich.

München* - Mallieh und Mohammad Imran (57 und 60) kamen vor 40 Jahren als Flüchtlinge von Afghanistan nach Deutschland. „Wir hatten am Anfang auch Schwierigkeiten, aber es gab Menschen, die uns geholfen haben“, sagt Mohammad Imran. „Wir haben wirtschaftliche, fachliche und soziale Kompetenzen mitgebracht und zum Teil hier erlernt. Wir sind ein Gewinn für die Gesellschaft und keine Last.“ Um ein Beispiel zu geben, wie Integration funktioniert, war das Paar bei der Demonstration zum Weltflüchtlingstag am Samstag auf dem Odeonsplatz.

Demo in München: „Rechte der Geflüchteten sollen stärker gesehen werden“

Insgesamt 100 Teilnehmer hat der Veranstalter gezählt. „Wir sehen die ganzen Höhen und Tiefen“, sagt Mohammad Imran. „Wir müssen schauen, dass diejenigen, die jetzt hierher kommen, ihre Rechte und Pflichten kennen und sich nicht alleine fühlen.“

Damit sich die Situation der Geflüchteten bessern kann, wünscht sich Demonstrant Tom Gerhardts mehr Aufmerksamkeit. „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass die Rechte und die Not der Geflüchteten stärker gesehen werden“, sagt der 62-jährige Lehrer. „Ich denke, es ist notwendig, dass die lokale Politik sich noch offensiver einsetzt.“ Die Bundespolitik sei nicht bereit, größere Schritte zu tun. „Sie versteckt sich hinter der EU.“

Auf der Bühne am Odeonsplatz schilderten Menschen in Texten und Liedern ihre eigene Fluchtgeschichte. Die Kundgebung verlief insgesamt friedlich, alle Teilnehmer trugen Mundschutz und versuchten, den Mindestabstand einzuhalten. Organisatoren waren unter anderem vomBayerischen Flüchtlingsrat und dasKulturzentrum Bellevue di Monaco.

Krachparade: Ein Appell an die lokale Politik

Einen Appell an die lokale Politik gab es auch am Freitag bei der Krachparade, die laut Veranstalter von der Universität bis zum Opernplatz friedlich,laut und tanzend drei Stunden durch die Stadt zog. Die Initiatoren von „Mehr Lärm für München“ wollten auf die Situation der Club- und Musiklandschaft aufmerksam machen und zeigen, dass durch geeignete Vorsichtsmaßnahmen auch in Zeiten der Pandemie sichere Tanz- und Musikveranstaltungen umsetzbar sind.

„Mehr Lärm für München“ fordert OB Dieter Reiter, die Stadt München und die Landesregierung auf, rasch geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Club- und Veranstaltungslandschaft in München während der Pandemie zu unterstützen. Mit-Initiator Florian Raabe sagte: „Die Teilnehmer hatten gute Laune, konnten endlich wieder tanzen, waren dennoch stets diszipliniert und hielten die gebotenen Abstandsregeln einwandfrei ein.“

Initiativen-Sprecherin Julia Richter sagte gegenüber unserer Zeitung: „Corona-sichere Freiluftveranstaltungen könnten eines der vielen Mittel sein, die die Stadt ergreifen muss, um dieClub- und Musiklandschaft Münchens zu retten.“ Sie ist überzeugt: „Wenn OB Dieter Reiter und der Stadtrat weiterhin nichts dagegen unternehmen, wird die Stadt sehr bald ein nie dagewesenes Aussterben der Münchner Kulturlandschaft erleiden. Da sind nicht nur viele Arbeitsplätze, sondern auch die gute Laune gefährdet.“

Sascha Karowski

In der Corona-Krise produzieren die Münchner mehr Müll. Dabei scheinen viele nicht zu wissen, dass auf ein Verhalten empfindliche Strafen drohen.

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