Minister von Courage des Schülers beeindruckt

Zwei Gruppen zeigen in Schnellimbiss Hitlergruß - 18-Jähriger stellt sich Nazis entgegen

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In einem Fast-Food-Restaurant in der Feilitzschstraße passierte der Vorfall.

Der Münchner Gymnasiast und Schülersprecher Samuel Ruben Liranzo (18) wurde für seine Zivilcourage geehrt, und zwar vom bayerischen Kultusminister Bernd Sibler persönlich. Der Schüler hatte sich  gegen rechtsradikale Pöbler gestellt.

München - Liranzo wurde im Ministerium eingeladen, um den gebührende Dank der israelischen Generalkonsulin Sandra Simovich und Siblers erhalten. „Ich würde jederzeit wieder so handeln“, sagte Liranzo, ein Mann, der trotz seiner jungen Jahre offenbar immer einen kühlen Kopf bewahrt.

Liranzo erzählte im Kultusministerium nochmal seine Geschichte, die sich wie ein Krimi liest, der schmerzhafter hätte enden können. Alles begann mit einem unbeschwerten Abend am 30. März. „Mit einigen Freunden trafen wir uns bei einer Bekannten an der Fraunhoferstraße. Sie wollte uns ihre neue Wohnung zeigen“, erzählte Liranzo von dem Freitagabend, „einige Stunden später wollten wir alle wieder nach Hause und fuhren Richtung Norden. Weil wir Hunger hatten, stoppten wir gegen ein Uhr in einem Fast-Food-Restaurant an der Feilitzschstraße.“

Und dort kam es urplötzlich zu einem massiven Streit: „Eine Gruppe von drei Männern aus der Schweiz schimpfte über Europa. Ich wollte das nicht hinnehmen und fragte, warum sie schimpfen und trotzdem in Deutschland sind“, erzählt Liranzo. „Daraufhin zeigten sie den Hitlergruß und schrien einfach ‚Heil Hitler‘“. Der junge Mann konnte die böswillige Reaktion nicht fassen. Das wollte Liranzo nicht im Raum stehen lassen: „Seid ihr in der Zeit hängengeblieben? Wisst ihr überhaupt, was Hitler getan hat?“

Keiner der anderen Gäste kam Liranzo zu Hilfe

Eine Gruppe von kosovarischen Männern mischte sich nun urplötzlich in den Streit ein. Sie zeigten ebenfalls den Hitlergruß und schrien auch „Heil Hitler“. Auch diese Gruppe konfrontierte Liranzo mit den Fragen. Doch diesmal bestand die Antwort aus Schlägen. Einer sorgte bei dem 18-Jährigen für einen Bluterguss zwischen Hals und Brust, ein weiterer Schlag traf den jungen Mann direkt aufs Ohr. Seine Freunde gingen dazwischen, schützten ihn. Liranzo ist fassungslos. „Gewalt ist nie eine Lösung“, so lautet sein Lebensmotto. Also zog er sich zurück und hoffte auf die Zivilcourage der anderen Restaurant-Besucher. „Doch da kam nichts! Keiner der etwa 50 Leute stand gegen die Pöbler auf“, so Liranzo.

Kultusminister Bernd Sibler, Samuel Liranzo, Generalkonsulin Sandra Simovich (v. li.)

Auf dem Rückweg nach Hause erstattete er sofort Anzeige. Sie lief aber ins Leere, die Täter konnten nicht ermittelt werden. Doch die Medien wurden auf den mutigen Schülersprecher aufmerksam. Die Folge: Das Kultusministerium rief bei ihm zu Hause an und lud ihn zu einem Dankes-Treffen ein. „Vielleicht nehme ich die Dinge etwas genauer“, sagt der junge Mann im Nachhinein, der eine Stiefmutter und einen Halbbruder mit jüdischen Wurzeln hat. „Vielleicht reagiere ich deshalb emotionaler als andere“.

Eine Reaktion, die zweifelsohne Lob verdient hat: „Solche Geschichten sollten sich unbedingt herumsprechen“, betont die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich. „Es war mir wichtig, Herrn Liranzo für seine Courage persönlich zu danken“, sagte Kultusminister Sibler, „er hat in einer außergewöhnlichen Situation eine bemerkenswerte Zivilcourage bewiesen und sich für unsere Demokratie stark gemacht. Sein Handeln ist vorbildlich!“ Liranzo wurde übrigens zu einer Gesprächsrunde im TV eingeladen (23.7., im BR). Thema: Zivilcourage.

H. Ince

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