40 Millionen Euro Reinigungskosten

München erstickt im Müll – Immer mehr Wegwerf-Produkte sorgen für Abfallflut 

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Sauerei im Westpark. 5000 Mülleimer stehen allein in den städtischen Grünanlagen.

Überfüllte Mülleimer, um die herum sich kleine Abfallberge bilden, sind besonders an Sommertagen ein typisches Bild in Grünanlagen und an Badeseen - auch in München. Ein Vorstoß der Bundesumweltministerin soll diesen Misstand nun reduzieren. 

Kaffeebecher, Döner-Folien, Zigarettenkippen – besonders an schönen Sommertagen quillen die Mülleimer in den bayerischen Städten oder an Badeseen über. Sind sie dann voll, bilden sich schnell kleine Abfallberge um sie herum. Das ist nicht nur kein schöner Anblick, es belastet auch die Umwelt. Denn ein Papiertaschentuch braucht drei Monate, bis es verrottet ist, Zigaretten und Kaugummis sogar bis zu fünf Jahre. Alufolie verrottet gar nicht. Dennoch geht der Trend seit Jahren immer mehr zu Wegwerfartikeln. Und weil deren Entsorgung teuer ist, will Bundesumweltministerin Svenja Schulze nun ihre Hersteller zur Kasse bitten. Wir erklären Fakten.

Wie groß ist das Müll-Problem? 

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD)

„Der Trend zu mehr Wegwerfartikeln führt in manchen Städten zu einer regelrechten Müllflut, vor allem in öffentlichen Parks und belebten Straßen“, sagt Schulze

Tatsächlich fallen allein in der Münchner Fußgängerzone jeden Tag drei Tonnen Abfall an. Nur in diesem Gebiet stehen über 200 Mülleimer mit einem Fassungsvermögen von jeweils 100 Litern, die mindestens drei Mal täglich geleert werden. Insgesamt stehen im Vollanschlussgebiet gennanten Bereich innnerhalb des Mittleren Rings und in Pasing rund 2000 dieser Behälter an den Straßen, dazu kommen mehr als 5000 weitere Mülleimer in den städtischen Grünanlagen. Bezeichnend: Der Verband der kommunalen Unternehmen (VKU), an den die Abfallreinigungsbetriebe in Deutschland angebunden sind, geht davon aus, dass allein Einwegverpackungen etwa Zweidrittel des Mülls ausmachen, der in den Mülleimern, in Parks oder Gullis landet oder von Kehrmaschinen aufgesammelt wird.

Wer trägt die Kosten für die Müll-Entsorgung? 

Die kommunalen Stadtreinigungsbetriebe sind grundsätzlich für die Entsorgung verantwortlich. In München müssen Grundstückseigentümer außerhalb des Vollanschlussgebiets aber teils selbst für die Reinigung sorgen. Die 400 Beschäftigten der Münchner Straßenreinigung beginnen ihre Arbeit bereits in den frühen Morgenstunden. Der Aufwand für die Reinigung von Straßen und Grünanlagen ist gewaltig und kostet die Stadt rund 40 Millionen Euro im Jahr. Mit Hilfe von Kehrmaschinen, Kleintraktoren und Lastkraftwagen werden fast 6000 Tonnen Kehricht im Jahr beseitigt. Die Kosten trägt die Allgemeinheit. Es geht laut Schulze also nicht nur um die Umwelt, sondern auch um Gerechtigkeit. 

Was soll nun passieren? 

Um der Müllflut gegenzusteuern hat die EU Ende 2018 beschlossen, dass Plastikteller, Trinkhalme und andere Wegwerfprodukte aus Kunststoff in Europa ab 2021 verboten werden sollen, wenn es für sie eine Alternative gibt. Noch aber sind die Umwelt-Killer Alltag. Geht es nach Schulze, müssen die Hersteller von Fast-Food-Verpackungen, Getränkebechern, leichten Kunststofftragetaschen und Zigarettenfiltern aber bald zumindest sowohl die Kosten für die Müll-Sammlung als auch anteilsmäßig die Kosten für die Bereitstellung der Abfallbehälter und die anschließende Entsorgung tragen. Die Höhe der Finanzierungsbeiträge müsse sich unter anderem am Aufwand für Reinigung und Entsorgung bemessen. „Das zu berechnen, ist komplex“, sagt VKU-Präsident Michael Ebling. Deshalb soll nun zuerst einmal untersucht werden, wie hoch der Anteil an Einweg-Produkten im Müll genau ist. 

Und was ist eigentlich mit Bioplastik? 

Einige Hersteller bezeichnen ihre Produkte oder Verpackungen als „Bioplastik“ oder „kompostierbar“ und suggerieren, dass diese biologisch abbaubar seien wie ein Apfel. Viele Menschen entsorgen diese dann im Bioabfall. Doch: „Produkte aus sogenanntem ‚Bioplastik’ sind häufig eine Mogelpackung“, warnt Schulze. „Sie verrotten weder in der Biotonne noch in den Kompostieranlagen und schon gar nicht in der Umwelt.“ Die meisten der Produkte seien weder recyclebar noch richtig kompostierbar, sagt auch Ebling.

hor

Video: Was tun gegen den Plastikabfall?

Der Umgang mit dem Thema Plastikmüll ist für viele Einzelhandelsunternehmen offensichtlich immer noch schwierig: Der Supermarkt Rewe beispielsweise wirbt mit Vermeidungsmaßnahmen - verärgerte zuletzt aber mit einer anderen Praxis seine umweltbewussten Kunden.

Bald möchten sie darauf verzichten, Gurken in Plastikfolien einzupacken.

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