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Mit der Tram durch München 

Tram-Fahrer aus München verrät: „Diese Fahrt vergessen Sie nie mehr“

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Ein Trambahn-Fahrer plaudert aus dem Nähkästchen. 

Thomas Bosch ist mit vollem Herz Trambahnfahrer. Eine Linie hat es dem 47-Jährigen besonders angetan. Er verrät einen Geheimtipp. 

München - Manchmal sieht man im Vorbeifahren sehr bekannte Gesichter. Die Schauspielerin Uschi Glas zum Beispiel. Und Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl, der auch manchmal einsteigt. Der kam übrigens in Pasing zur Welt und kennt diese berühmte Münchner Trambahn-Linie bestimmt schon sein Leben lang. Und wenn der Zug dann im Sonnenschein an all den architektonischen, historischen und modernen Schmuckstücken Münchens vorbeigleitet - dann geht Trambahnfahrer Thomas Bosch (47) immer wieder aufs Neue das Herz auf. 

Willkommen an Bord der Münchner Trambahn-Linie 19 - und zur originellsten Sightseeing-Tour von Ost nach West und - wenn Sie mögen - auch wieder zurück. Ein Streifzug auf Schienen für Münchner und Touristen, die bequem und ohne ermüdende Fußmärsche die Attraktionen der wahrscheinlich schönsten Stadt der Welt anschauen möchten. Sechs Jahre lang fuhr Thomas Bosch aktiv Trambahn in München, bevor er Gruppenleiter wurde und nun mehr im Innendienst arbeitet. Was er zuweilen bedauert - speziell an diesen Herbsttagen, die die Stadt in Weiß und Blau und Rot und Gold tauchen. 

Die Linie 19 ist sein Favorit - nicht nur, weil sie in Haidhausen immer an seinem Wohnhaus vorbeifährt, das übrigens mal ein Straßenbahndepot war. Die Stadtrundfahrt der etwas anderen Art  beginnt ganz unspektakulär am S-Bahnhof in Berg am Laim. Auf der Fahrt stadteinwärts zeichnen sich in der Ferne immer wieder Silhouetten des gerade entstehenden neuen Werksviertels ab. Immer schöner werden die Fassaden, sobald man sich dem Szene-Viertel rings um den Max-Weber-Platz mit seinen Läden und Lädchen, den Cafés, Bars, Eisdielen und Restaurants nähert. 

Trambahn-Fahrer plaudert: Diese Fahrt vergessen Sie nie mehr

Nicht zu vergessen der Hofbräukeller - einer der schönsten Biergärten Münchens. Vielleicht mal kurz aussteigen auf eine Halbe oder einen Espresso? Oder Sie fahren eine Station weiter ins Regierungsviertel zum Maximilianeum, dem Bayerischen Landtag. In der Landtagsgaststätte mit grandiosem Blick über die Stadt gibt es immer sonntags einen sehr beliebten Brunch (rechtzeitig reservieren!). Und schon geht’s abwärts - über die Serpentine hinunter zur Maximiliansbrücke und über die Isar: „Ein Traumblick zu beiden Seiten. Ich freue mich jedesmal“, sagt Thomas Bosch. 

Dann wird’s mondän: Am Maxmonument zu Ehren König Maximilians II. von Bayern öffnet sich der Blick auf prachtvolle Fassaden rechts und links der Maximilianstraße - darunter das Völkerkundemuseum und das Museum Fünf Kontinente. Augen auf: Auf der teuersten Shoppingmeile Münchens sieht man öfter mal so manchen Promi. In der Maximilianstraße 14 auf der linken Seite residierte einst Münchens Modezar Rudolph Moshammer (ermordet im Januar 2005). Heute werden dort edle Schreibwaren verkauft. Auf weltbekannte Kultur (Kammerspiele und Nationaltheater) folgt die  weltbekannte Schlemmerei beim Franziskaner (links) und dem Spatenhaus (rechts). 

Thomas Bosch ist mit Leib und Seele Trambahnfahrer. 

„Es ist so schön, wenn im Sommer die Leute überall draußen sitzen“, sagt Thomas Bosch, während wir sehr langsam („Die Leute sehen nur ihr Handy, nicht die Tram“) die links-rechts-Kurve ins Bankenviertel zum Promenadeplatz mit dem Hotel Bayerischer Hof (Schauplatz der jährlichen Sicherheitskonferenz) und dem Michael-Jackson-Denkmal nehmen. Letzeres ist weltbekannt: „Ich werde oft in allen Sprachen nach Jacko gefragt.“ Der Blick in die Seitenstraßen offenbart schöne Altstadt-Einblicke, bis die 19er über Lenbachplatz und Alte Börse das pulsierende Herz der Stadt erreicht: Künstlerhaus, Stachus-Brunnen, Karlstor, Justizpalast, Alter Botanischer Garten - „unsere Stadt ist so wunderschön,“ schwärmt Thomas Bosch. 

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Trambahn-Fahrer Thomas Bosch verrät: Die Linie 19 ist sein Favorit

Manchmal kommt er ins Gespräch, meist mit älteren Münchnern: „Es ist eine Freude, ihnen zuzuhören. Denn sie wissen so viel. Das kann ich sehr empfehlen.“ Durch das Bahnhofsviertel und über die Bayerstraße schlängelt sich die 19er-Linie nun Richtung Theresienwiese. Ein Blick zur linken auf Münchens größtes Graffito an der Wand des Pressehauses lohnt sich. Es stammt von den Streetart-Künstlern Won ABC und Loomit und ist dem Hitler-Attentäter Johann Georg Elser gewidmet. Zur Oktoberfest-Zeit fordert dieser Abschnitt höchste Aufmerksamkeit von Thomas Bosch und seinen Kollegen. Auf Höhe der Augustiner-Brauerei auf der Landsberger Straße lag nachts mal einer quer im Gleis und schlief: „Ich habe ihn gottlob rechtzeitig gesehen.“ 

Ab hier gleitet die Tram hinaus nach Pasing - einem Stadtteil, der seinen eigenen Charakter stets bewahrt hat. Entweder steigen Sie dort in die S-Bahn und sausen in Minuten zurück in die City. Oder Sie fahren mit der Linie 19 nochmal zurück - und sehen sich die Stadt nochmal von der anderen Seite an. Das lohnt sich! Alle zehn Minuten startet eine 19er-Tram zu ihrer Fahrt über 34 Haltestellen vom Osten (S-Bahnhof Berg am Laim) in den Westen (Pasing Bahnhof) - oder andersherum. Die einfache Fahrt dauert 50 Minuten. Thomas Bosch hat auch noch einen Insider-Tipp für ein romantisches Wintererlebnis: Die Tram-Linie 25 vom Max-Weber-Platz (Haidhausen) nach Grünwald: „Steigen Sie an einem Wintertag ein und fahren Sie mit dieser Tram hinaus ins tief verschneite Isartal. Ich verspreche Ihnen: Sie werden auch diese Fahrt nie mehr vergessen.“ 

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