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Streit um Beute

Immer mehr Revierkämpfe in München: Flaschensammler geraten aneinander

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Mittlerweile sammeln auch viele Bedürftige in Gruppen - wie hier auf dem Oktoberfest.

Geschätzt hunderte Flaschensammler sind täglich in München unterwegs - unter ihnen gibt es immer häufiger Streit um Beute und Reviere. 

Ismaning/München - Jeden Tag geht Francesco D. auf Jagd: Dann durchsucht er Mülleimer, schaut unter jede Parkbank. „Flaschensammeln ist anstrengend“, sagt der 66-Jährige aus Ismaning (Kreis München). „Und mit jedem Griff in den Abfalleimer verliere ich meine Würde.“ Nicht nur, weil er es als Rentner nötig hat, ein paar Cent Pfand beim nächsten Supermarkt abzuholen. Sondern auch, weil der tägliche Kampf immer schlimmer wird: „Der Konkurrenzdruck unter den Sammlern wird härter - oft gibt es Schlägereien.“ 

35-Jähriger riskierte Leben: Für ein paar Flaschen ins Gleisbett geklettert

Der traurige Streit auf der Straße: Erst am Sonntag meldeten Augenzeugen einen Vorfall am Hauptbahnhof, als sich zwei Flaschensammler wegen einiger Dosen in die Haare bekamen. Und das ist nicht alles: Montag in der Früh riskierte ein 35-Jähriger sein Leben, um an ein paar Cent Pfand zu gelangen: Er sah Flaschen im Gleisbett der S-Bahn liegen - und kletterte zu der Beute hinab. Zum Glück beobachtete ein DB-Mitarbeiter die Aktion, betätigte sofort den Nothalt. Die -S-Bahn konnte gerade noch bremsen. Gegen den 35-Jährigen ermittelt nun die Bundespolizei wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. 

Mehrere hundert Flaschensammler sind mittlerweile jeden Tag in München unterwegs, schätzen Hilfsorganisationen, Tendenz steigend. „Immer mehr Menschen leiden unter Armut - und daher steigt die Zahl der Flaschensammler weiter“, sagt Berthold Troitsch vom Münchner Hilfsverein „Kältebus“. „Es gibt schon richtige Revierkämpfe unter den Betroffenen. Manche schließen sich sogar zu Gruppen zusammen.“

Jeden Tag geht Francesco D. auf Jagd nach Pfandflaschen.

Klar - denn das Geld liegt auf der Straße, wie eine simple Rechnung zeigt: Wenn jeder Münchner pro Tag Flaschen oder Dosen im Wert von nur zehn Cent wegschmeißt - macht das bei 1,5 Millionen Einwohner täglich 150 000 Euro, die in unserer Stadt rumliegen. Rein theoretisch. Der tägliche Lohn eines Sammlers sieht natürlich weitaus magerer aus. Im Schnitt reden wir da von vier Euro täglich, am Rande der Wiesn waren bis zu 30 Euro am Tag drin. 

Lesen Sie auch: Rentner wegen Diebstahl verurteilt - dahinter steckt tragische Geschichte.

Francesco D. sammelt Pfandflaschen: Rente reicht fürs Überleben nicht aus

Menschen wie Francesco D. brauchen das Geld dringend, um über die Runden zu kommen. Der fleißige Mann, der 48 Jahre bei Siemens als Lagerist arbeitete, ist ein typischer Fall: Seine 1043 Euro Monatsrente reichen nicht. Schon alleine, weil er über 800 Euro Miete zahlen muss. Daher bekommt er auch noch Grundsicherung von 168 Euro monatlich. Natürlich sucht er eine günstigere Wohnung: „Ich lese jede Woche die Mietanzeigen, aber die Preise sind einfach utopisch…“ 

In seiner Not wandte er sich an den Verein „Ein Herz für Rentner“, der den 66-Jährigen mit Gutscheinen für Lebensmittel sowie mit Mittagessen unterstützte. -Dafür ist Francesco D. sehr dankbar. Und dennoch wird er morgen wieder auf Flaschenjagd gehen. Wie Hundert andere auch. Weil sie müssen. 

Der Münchner Verein „Ein Herz für Rentner“ unterstützt Rentner und Senioren, die zu wenig Geld zum Leben haben. Er finanziert sich nur über Spenden. Sie wollen helfen? Alle Infos (auch zum Spendenkonto) gibt es beim Verein - unter Tel. 089/41 32 290 oder unter www.einherzfuerrentner.de

age / jsh

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