Flieger hebt ohne sie ab

Wegen sieben Minuten: Urlaub eines Münchner Paares geplatzt 

Thomas Landgraf und seine Freundin Judith Gimm.
+
Thomas Landgraf und seine Freundin Judith Gimm.

Ihren Flug verpasste ein Münchner Paar um ganze sieben Minuten. Nach einem Unfall schaffte es Judith Gimm nicht schnell genug zum Check-In am München Flughafen. Der Flieger hob ohne die beiden ab. 

München - Lange hatten sie sich auf ihren Urlaub auf Korfu gefreut: Der Münchner Thomas Landgraf (67) und seine Freundin Judith Gimm. Auch als die 57-Jährige am Tag ihres Urlaubs über die Koffer stolperte und sich am Bein verletzte, gaben sie nicht auf - sie verschoben den Flug um eine Woche und eilten (sie mit Krücken) zum Flughafen. Doch dadurch - und durch ganz viel Pech - erreichte das Paar den Check-In-Schalter am Flughafen um genau sieben Minuten zu spät. 

Münchner Paar stinksauer: Flieger startet ohne die beiden

Die Fluggesellschaft wartete nicht: Der Flieger flog ohne das Paar los. Die beiden sind stinksauer. Schon um 5.55 Uhr morgens sollte der Flug am 1. Oktober nach Griechenland starten. Es war wie verhext: Zuerst hatte die schlechte Sicht bei heftigem Regen die Autofahrt beeinträchtigt. Im Parkhaus angekommen, wurde es anstrengend: Mit zwei Koffern mussten Thomas Landgraf und seine Freundin zu Fuß zum Terminal eilen - Judith Gimm mit Krücken. Denn: „Ganze drei Laufbänder funktionierten nicht“, sagt Thomas Landgraf. 

Um 5.17 Uhr endlich angekommen, sagte die Dame am Check-In-Schalter nur noch zu den beiden: „Check-in closed. Sie können nicht mehr einchecken.“ Die Laufbänder dürften und könnten keine Koffer mehr zum Flieger transportieren. Es sei auch kein Mitarbeiter von Condor zur Stelle, der die zwei Koffer zum Flugzeug bringen könne. Für Thomas Landgraf eine Frechheit. „Acht Tage Urlaub sind für die Katz. Wegen sieben Minuten wurde uns der Flug verweigert.“ Über ein Erlebnis am Flughafen München ärgerte sich auch Jessica Kroos und setzte einen Wut-Post auf Instagram ab.

Lesen Sie auch: Riesen-Ärger um Zombie-Zitat: AOK-Magazin beleidigt autistische Kinder - Vater entsetzt.

Nach Verletzung: Münchner verpassen Check-In um sieben Minuten

Denn: Bis 45 Minuten vor Flug gelte der Toleranzbereich fürs Check-In. Genau das aber war das Problem, sagt Magdalena Hauser, Sprecherin der Thomas Cook Group Airline. „Damit das hochkomplexe Flugplansystem, das sich nach einem strikten Zeitplan richtet, funktioniert, gibt es auch für die Schließung des Check-in - im Übrigen bei allen Fluggesellschaften - fest vorgegebene Zeiten. Bei einem Flug von München nach Korfu empfehlen wir, sich zwei Stunden vor Abflug am Check-in einzufinden.“ Dieser müsse 45 Minuten vor Abflug schließen, um die pünktliche Durchführung des Fluges nicht zu gefährden.

„Dass es im Fall des reisenden Paares nur um wenige Minuten ging, ist sehr bedauerlich.“ Besonders bedauerlich aber sei, dass Landgraf und Gimm eigentlich einen speziellen Service hätten nutzen können: Condor bietet Gästen mit besonderen Bedürfnissen, etwa mit Krücken, die Möglichkeit, im Rollstuhl mit Betreuung an Bord gebracht zu werden - auch das Gepäck wäre in dem Fall speziell berücksichtigt worden. Aber: „Dieser Service muss bis 48 Stunden vor Abflug angemeldet werden“, erklärt Magdalena Hauser. 

Das sagt die Verbraucherzentrale:

Die Verbraucher haben in diesem Fall leider keine Rechte, sagt die Verbraucherzentrale Bayern. Die EU-Fluggastrechte-Verordnung findet keine Anwendung, wenn sich der Passagier nicht zeitgerecht - wenn keine Zeit angegeben wurde mindestens 45 Minuten vor Abflug - beim Check-In eingefunden hat. Die Airline kann sogar verlangen, dass Passagiere sich zwingend noch früher beim Check-In einfinden müssen, muss dies - wenn sie von der 45 Minuten Regelung abweichen will - allerdings schriftlich (per E-Mail oder Brief) tun. Im Fall des Paares kann die Airline den Check-In verweigern, da weniger als 45 Minuten zur Abfertigung als nicht mehr ausreichend angesehen werden, um den ungestörten Flugablauf zu gewährleisten.

Lesen Sie auch: Die Absage kam über WhatsApp: „Wir stehen zum 1. November auf der Straße“.

Eine verdammt gute Idee:

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

„Der schlimmste Virus ist ...“: Unbekannter verbessert Corona-Graffito - viele Münchner dürften ihm zustimmen
„Der schlimmste Virus ist ...“: Unbekannter verbessert Corona-Graffito - viele Münchner dürften ihm zustimmen
Seniorin (76) mit schwerer Demenzerkrankung vermisst - sie ist auf Medikamente angewiesen
Seniorin (76) mit schwerer Demenzerkrankung vermisst - sie ist auf Medikamente angewiesen
München nach der Corona-Krise? Zukunftsforscher klärt über Folgen auf - und nennt „Gewinner aller Szenarien“
München nach der Corona-Krise? Zukunftsforscher klärt über Folgen auf - und nennt „Gewinner aller Szenarien“
Sensations-Fund in München sorgt für Aufsehen: „Ergebnisse sind beeindruckend“
Sensations-Fund in München sorgt für Aufsehen: „Ergebnisse sind beeindruckend“

Kommentare