25-Jährige kümmert sich um Tiere

Münchnerin kämpft gegen Welpenmafia: „Facebook ist so etwas wie das Darknet!“

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Der Serbe hat die beiden Hundebabys illegal nach München gebracht und wollte ein Geschäft mit den Tieren machen. Melanie S. kämpft seit Jahren gegen die Machenschaften der Welpen-Mafia in München.

Eine Münchnerin setzt sich gegen den illegalen Verkauf von kleinen Hunden ein. Auf Portalen wie Facebook und Ebay-Kleinanzeigen spürt sie die Welpenmafia auf.

München - Ein tapsiges Häufchen Fell mit großen, dunklen Kulleraugen: Verängstigt und herzerweichend schaut der Labrador-Welpe in die Kamera. Und löst reflexartig den Wunsch aus, die kleine, süße Fellnase zu knuddeln. Die Männer, die das hilflose Hundebaby auf dunklen Wegen nach Deutschland gebracht haben, sehen in ihm etwas anderes: einfach nur eine Geldquelle. Der Labrador sollte nach seiner Odyssee illegal für 150 Euro auf dem Münchner Schwarzmarkt verkauft werden. Aber Tierschützerin Melanie S. konnte das gerade noch verhindern: Sie hat einmal mehr der Welpenmafia ein Geschäft vermiest. Und großen Mut bewiesen.

Die 25-jährige Münchnerin durchforstet jeden Tag das Internet nach auffälligen Annoncen. Zum Beispiel auf der Seite von Ebay-Kleinanzeigen, wo sich künftig vielleicht auch Uli Hoeneß vermehrt tummelt. „Und auch auf Facebook, was so etwas wie das Darknet der Welpenmafia ist.“ Obwohl Tieranzeigen auf der Plattform verboten sind, tauchen sie immer wieder auf. So wie jetzt.

München: Welpen wurden illegal nach Deutschland gebracht

Angeboten wurden zwei Labrador-Welpen, Mischlinge, Rüden, gerade mal neun Wochen alt. Die Tierschützerin nahm Kontakt auf, ging zum Schein auf das Geschäft ein und informierte die Polizei. Die Übergabe sollte mitten in München stattfinden. „An der Trambahnhaltestelle Müllerstraße“, erzählt Melanie. Allein das sei schon ein Hinweis dafür, dass es sich nicht um ein seriöses Angebot handelt. Und tatsächlich: Die schlimmsten Befürchtungen wurden wahr: Der Verkäufer, ein Serbe, hatte ein kleines, krankes Tier dabei. „Mit starkem Flohbefall und blutigen Wunden.“

Der Welpe ist erst neun Wochen alt und krank. Er sollte dennoch verkauft werden.

Von Parasiten war auszugehen. Auch die notwendige Tollwut-Impfung fehlte. Vor allem hätte der Welpe mit neun Wochen überhaupt noch nicht nach München gebracht werden dürfen. Weil es sich bei Serbien um ein nicht-gelistetes Drittland außerhalb der Europäischen Union handelt, wäre eine legale Einreise erst mit sieben Monaten möglich gewesen. Keine Papiere, keine Impfung, dafür Krankheiten: Das ist der Preis für Welpen, die wie Ware verschachert werden. Bei einem seriösen Verkauf würde mit 250 bis 300 Euro fast der doppelte Preis verlangt, so Melanie S.

München: Tierschützerin fordert härtere Strafen für Welpenhandel

An ihrer Seite waren bei der Übergabe im Glockenbachviertel, die tagsüber stattgefunden hat, Polizisten in Zivil. Zudem hat eine Streife im Hintergrund gewartet. Als die Beamten dann zugriffen, blieb der Serbe relativ ruhig. Der Welpenhändler erklärte sogar dreisterweise, doch nur ein schönes Zuhause für die Hunde finden zu wollen. „Er hat voll die Mitleidskarte gespielt“, sagt die Münchnerin und hat wenig Verständnis für diese Masche. Angesichts des geplatzten Geschäfts und der Falle der Tierschützerin hat der Vater des Verkäufers vor Ort ganz anders reagiert: Er wurde aggressiv.

Klar ist: Die Männer setzen die potenziell neuen Herrchen großer Gefahr aus. Undenkbar, wenn Tollwut in eine Familie übertragen wird. Die damit verbundene Hirnhautentzündung endet fast immer tödlich. Deshalb sind für Melanie S. die Strafen, die auf illegalen Welpenhandel stehen, viel zu niedrig. Aktuell gilt der Verkauf als Ordnungswidrigkeit. Sie fordert von der Politik, dies in einen Straftatbestand umzuwandeln. Die Welpen sind derweil in Sicherheit: auf der Quarantäne-Station im Tierheim.

Erst zu Beginn des Jahres hatte Tierschützerin Melanie S. verhindern können, dass aus Rumänien stammende Pitbull-Welpen verkauft wurden. Eine andere Verkäuferin ließ im vergangenen Jahr einen Hund zurück, als die Polizei bei einem Verkauf eingeschaltet worden war.

Frankreich steht unter Schock! Eine 29-jährige Schwangere wurde während ihres Spaziergangs von Jagdhunden angegriffen und tödlich verletzt.

Video: Kampf gegen illegalen Welpenhandel

Die Situation war äußerst bedrohlich. Beherzte Anwohner haben einen Mann in München womöglich vor Schlimmerem bewahrt.

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