Es geht um die Tapete

Münchnerin sauer über Vermieter: „Ich soll für meine tote Schwester zahlen“ - mehr als 1600 Euro

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Regine Ohlmann zeigt ein Bild ihrer verstorbenen Schwester – und die Rechnung von der Vermieterin.

Bis zu ihrem Tod hatte Regine Ohlmanns Schwester 50 Jahre in einer Mietwohnung gelebt. Beim Einzug gab es weder Heizung noch Warmwasser. Nun flattert eine Rechnung von der Vermieterin ins Haus.  

München - Seit sechs Monaten fühlt sich Regine Ohlmann regelrecht schikaniert. Von wem? Von der ehemaligen Vermieterin ihrer verstorbenen Schwester. Jahrelang habe letztere in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung gelebt – ohne Heizung, mit zugigen Fenstern und durchgelatschten PVC-Böden. „All die Jahre haben die Vermieter keinen Cent in die Wohnung investiert, jetzt nach dem Tod meiner Schwester verhalten sie sich schäbig: Wir Erben sollen draufzahlen“, ärgert sich Regine Ohlmann.

Gut 50 Jahre lang lebte ihre Schwester Elisabeth Bäcker in der Wohnung an der Fraunbergstraße in Thalkirchen. Als sie mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann 1968 einzog, gab es weder Heizung noch Warmwasser. So installierte das Paar auf eigene Kosten Gasöfen – und Boiler.

München: Hinterbliebene mussten Tapete auf eigene Kosten entfernen

„Neue Fenster hat sich meine Schwester immer gewünscht, aber die Vermieterin sagte, sie würde nichts dazuzahlen“, so Regine Ohlmann. Als ihre Schwester im März mit 81 Jahren starb, bestand die Vermieterin erst mal auf eine dreimonatige Kündigungsfrist bis 30. Juni und schrieb, vor der Rückgabe müssten alle Einbauten – vor allem der Teppich – entfernt werden. Ohlmann erledigte das. Bei der Abnahme am 30. Juni hieß es dann aber, es sei eine Tapete in der Wohnung. Diese müsse auf Kosten der Erben entfernt werden.

Das Dilemma: Aus Versehen zahlte Regine Ohlmann auch noch die Julimiete von 685 Euro kalt, obwohl das Mietverhältnis beendet war. „Ich bat sofort schriftlich um Rücküberweisung.“ Doch statt einer solchen kam fast zwei Monate später von der Vermieterin eine Rechnung über 1654,10 Euro für die Entfernung der Tapete. Die zu viel gezahlte Miete war gegengerechnet. Regine Ohlmann sollte weitere 969,10 Euro zahlen. „Das ist ausg’schamt!“

München: Vermieter gibt sich einsichtig

Das findet auch Mieterschützerin Anja Franz vom Mieterverein. Sie sagt, die zu viel bezahlte Miete dürfe die Vermieterin nicht einfach verrechnen. Wenn sie auf die Entfernung der Tapete besteht, dann müsse sie den Mietern die Chance geben, das selbst zu tun. Regine Ohlmann hofft, dass man sich einigt: „Meine Schwester hätte viel mehr fordern können, jetzt sollen wir Erben ausgenutzt werden.“

Die tz rief bei der Vermieterin an. Die sagte, man werde „alles korrekt abrechnen“, die zu viel gezahlte Miete und die Kaution (1000 DM im Jahr 1968) „gegebenenfalls zurückzahlen“. Noch ist dies nicht geschehen.

Kürzlich berichtete tz.de*, dass viele Münchner bis zu 40 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Weil die Mieten immer weiter steigen, ziehen vermehrt Menschen aus der Landeshauptstadt in ländliche Gebiete. Auch darüber hatte tz.de* berichtet.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Susanne Sasse

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