Rückruf bei Ford: Mehr 100.000 Autos betroffen - Batterie kann sich entzünden

Rückruf bei Ford: Mehr 100.000 Autos betroffen - Batterie kann sich entzünden

Sie will OB Reiter ablösen

Grünen-Hoffnungsträgerin Habenschaden: „Höchste Zeit, dass eine Frau OB wird“

+
Katrin Habenschaden.

Katrin Habenschaden (41) ist die neue Hoffnungsträgerin der Münchner Grünen. Sie will bei der Kommunalwahl 2020 gegen OB Dieter Reiter (SPD) und CSU-Kandidatin Kristina Frank antreten.

München - Ihre Nominierung von der Stadtpartei dürfte nur noch Formsache sein. Habenschaden, gebürtige Nürnbergerin, ist verheiratet, hat einen Sohn (12) und eine Tochter (9). Sie lebt in Aubing und arbeitet als Bankkaufrau. Im Interview mit unserer Zeitung spricht die 41-Jährige über ihre Motivation zur Kandidatur, ihre Rivalen und ihre Liebe zur Natur.

Frau Habenschaden, folgt auf einen Franken als Ministerpräsident eine Fränkin als Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt?

(schweigt, lacht) . . . das fängt ja schon gut an.

Oder anders gefragt: Darf man als Club-Fan OB in München werden?

Selbstverständlich. Wobei ich da ja nicht so stringent bin. Ich schaue sowohl bei dem einen Münchner Fußballclub als auch bei dem anderen zu.

Und wo sind Sie lieber?

Bei den Löwen.

Wer wird Ihr Hauptgegner im Wahlkampf sein: OB Dieter Reiter oder CSU-Kandidatin Kristina Frank?

Es wird insgesamt spannend. Ich sehe keinen Hauptgegner, an dem ich mich abarbeiten will. Sondern ich würde mich gerne als die grüne Alternative präsentieren.

Spielt es eine Rolle, dass die CSU jetzt auch eine Frau nominieren wird?

Glaube ich nicht. Wir haben in München einen Frauenanteil von deutlich mehr als 50 Prozent. So gesehen ist es folgerichtig.

Wird es zwischen Ihnen und Frau Frank nur darum gehen, wer in die Stichwahl gegen Dieter Reiter kommt?

Es geht immer um zwei Dinge: Wie schneidet der jeweilige Kandidat ab und wie die Partei dahinter. Das muss man zusammen denken. Die Stichwahl ist für jeden von uns möglich. Und danach ist das Rennen wieder offen. Das macht die Spannung aus.

„Das Ergebnis war ein Motivationsschub“

Wem fühlen Sie sich politisch näher: Dieter Reiter oder Kristina Frank?

(überlegt lange)... Ich glaube, da muss man erst mal abwarten, wie es mit der Positionierung der CSU nach dem Abgang von Josef Schmid abläuft. Ich kann das schlecht herunterbrechen auf diese beiden Personen. Wichtig ist die Positionierung der beiden Parteien CSU und SPD.

Die Grünen haben bei der Landtagswahl in München einen beinahe sensationellen Stimmenanteil von 31 Prozent erreicht. War das für Sie der entscheidende Kick, um bei der OB-Wahl anzutreten?

Für meine persönliche Entscheidung nicht. Die ist schon in der Sommerpause gefallen. Aber uns als Partei gab das Ergebnis einen Motivationsschub. Vor allem für diejenigen, die sich erstmals im Wahlkampf engagiert und gleich ein Erfolgserlebnis gesehen haben. Auf mich umgemünzt könnte dieser Schwung natürlich ein breites Polster an Unterstützung bedeuten. Wobei ich betone: Ich bin noch nicht gewählt.

Wann haben Sie sich erstmals mit dem Gedanken einer OB-Kandidatur befasst?

„Es wird nicht einfach gegen Dieter Reiter“

Nachdem Gülseren Demirel für den Landtag kandidiert hat und ich als Fraktionsvorsitzende nachgefolgt bin, musste ich mich zwangsläufig mit der Frage befassen: Wie gehe ich mit dem Thema um? Kann ich mir das vorstellen? Ich habe die Entscheidung dann mit meinen engsten Freunden und vor allem der Familie getroffen.

Lesen Sie auch: Kristina Frank: Sie könnte neue Oberbürgermeisterin von München werden

Die offizielle Nominierung der Grünen folgt ja erst noch. Rechnen Sie mit
einem Gegenkandidaten?

Mein Mit-Fraktionsvorsitzender Florian Roth hat es für sich ausgeschlossen, die Vorsitzende der Landtagsfraktion, Katharina Schulze, ebenfalls. Von Ludwig Hartmann habe ich auch noch nichts gehört. Also von dieser Reihe gibt es keinen, der seinen Hut in den Ring geworfen hat. Nichtsdestotrotz sind wir eine basisdemokratische Partei. Stand jetzt weiß ich aber von niemandem.

Es wird nicht ganz einfach werden, gegen den Platzhirsch Dieter Reiter zu punkten. Wo wollen Sie ihn inhaltlich angreifen?

Überall dort, wo uns seit 2014 grün fehlt. Im Bereich Umwelt- und Klimaschutz etwa, oder bei der Verkehrswende. Das geht uns zu langsam und zu wenig ambitioniert. Der Ausbau der Infrastruktur für den Radverkehr muss schneller vorangehen.

Was fehlt Ihnen konkret im Bereich Umwelt- und Naturschutz? Wird zu viel zugepflastert – auch die Grünen wollen doch Wohnungen?

„Bebauung ja, aber auf versiegelten Flächen“

Selbstverständlich. Aber es ist unsere Aufgabe zu gestalten, wie München wächst. Grünflächen haben auch eine soziale Funktion. Daher ist unsere Position: Bebauung ja, aber vorrangig auf Flächen, die bereits versiegelt sind, um Grün zu erhalten. Wir müssen, so gut es geht, das Potenzial an Nachverdichtung ausschöpfen.

Lesen Sie auch:  Personal-Karussell nach der Landtagswahl: Wer wird neuer Wiesn-Chef?

Beim Entwicklungsgebiet im Münchner Norden geht es um Bebauung im
großen Stil. Was wollen die Grünen dort?

Wenn wir bebauen, dann dichter und höher – um Grünflächen zu schonen und zu erhalten. Es gibt tolle Beispiele aus anderen Großstädten mit neuen grünen Wohnvierteln, wo die Dichte durch Höhe erreicht wird.

Sie sind wie Kristina Frank eine moderne Frau, auch Mutter, und ebenfalls
jüngeren Alters. Viele
Parallelen – was sind die politischen Unterschiede?

Das ist ganz einfach, sie ist von der CSU und ich von den Grünen.

Das wissen wir, geht es etwas konkreter?

„Kristina Frank hat sich eher wenig positioniert“

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Kristina Frank ist Kommunalreferentin und hat sich politisch in letzter Zeit eher weniger positioniert. Vorerst kann ich nur beurteilen: Wie verhält sich die CSU, als deren Teil sie agiert? Hier fällt mir vor allem die Wohnungspolitik ein. Zum Beispiel: Wohin geht die Reise bei den Erhaltungssatzungsgebieten?

Unseres Wissens hat die CSU die Ausweisung von Erhaltungssatzungsgebieten im Stadtrat mitgetragen.

Die mieterfreundliche Reform des städtischen Vorkaufsrechts in diesen Gebieten wollte die CSU aber blockieren, erfreulicherweise vergeblich. Also mal schauen, wohin die Reise ab 2019 führt. Wenn es darum geht, das Profil zu schärfen.

Warum sollte eine Frau auf den Chefsessel des Rathauses rücken?

Erstens, weil es allerhöchste Zeit wird. Es war noch nie eine Frau auf dem Chefsessel in München. Und weil es mehr Frauen in der Stadt gibt. Und – jetzt spreche ich mal für mich – weil ich eine sehr gute und starke Alternative bin.

Sie sind Bankerin undm gelten nicht gerade als Vertreterin des linken Parteiflügels der Grünen. Können Sie alle Mitglieder hinter sich vereinen?

Diese Flügeltrennung ist in München nicht mehr so ausgeprägt, im Übrigen auch auf Bundesebene nicht...

Ist das der Hauptgrund für die derzeitige Erfolgswelle der Grünen?

Die proaktive und gemeinsame Sachpolitik wird derzeit bei den Grünen in den Vordergrund gestellt – Geschlossenheit statt Streitereien. Ich glaube, das kommt bei den Wählern gerade gut an.

Wo sehen Sie die größten Schwächen bei der Rathaus-Regierung aus CSU und SPD?

„Die GroKo lähmt sich inhaltlich“

Die GroKo lähmt sich inhaltlich. Wenige Positionen sowohl der einen als auch der anderen Partei werden geschärft, um Streit zu verhindern. Oft werden Dinge vertagt, verschoben. Man drückt sich um Entscheidungen. Es wird verschleppt. Zum Beispiel: Wagt man es, bei Verkehrsprojekten den Autos Raum wegzunehmen? Da stellt sich dann meist ein Koalitionspartner quer.

Lesen Sie auch: Das ist Münchens beliebteste Politikerin: Kennen Sie diese Frau?

Sie bewerben sich auch für das Bürgermeisteramt als Nachfolgerin von Josef Schmid. Ein schöner Werbegag, um sich bekannt zu machen.

(lacht) Das mag ein Nebeneffekt sein. Für uns war es aber wichtig, selbstbewusst eine personelle Alternative zu benennen, die klar grün ist.

Wie hat Ihre Familie auf den Entschluss reagiert, OB-Kandidatin zu werden? Die Zeit wird knapp für Mann und Kinder.

Gegenfrage: Hätten Sie diese Frage einem männlichen Kandidaten auch gestellt?

Natürlich!

Dann ist es gut! Meine Familie war federführend in den Entscheidungsprozess miteingebunden. Meine Kinder haben mich unterstützt und bestärkt. Das hat mich sehr gerührt. Sie sagten, sie sind stolz, wenn ich es probiere. Mein Mann und meine Eltern haben mir auch ihre Unterstützung zugesagt, unabhängig davon, wie sehr sie nun zeitlich beansprucht werden. Mein Mann und ich teilen uns aber auch jetzt schon je zur Hälfte die Berufstätigkeit und die Kinderbetreuung.

Bleibt nun noch Zeit, um Ihrem Hobby als Wald- und Wildnispädagogin nachzugehen?

Um das klarzustellen: Das ist kein Hobby, sondern eine zweite Berufsausbildung, die ich 2010 gemacht habe. Bis die Rathausarbeit mehr wurde, habe ich diesen Job auch noch nebenher ausgeübt. Jetzt habe ich tatsächlich nur noch wenig Zeit, schaue aber, dass ich weiterhin viel nach draußen komme.

Sind Sie ein Naturmensch?

Absolut. Meine ganze freie Zeit verbringe ich draußen. Entweder in der näheren Umgebung oder ich fahre mit dem Zug in die Berge.

Wirklich niemals mit dem Auto?

„Ich benutze fast nie das Auto“

Nein, da muss schon viel passieren – mehrere Kinder oder viel Gepäck. Wir haben ein Auto in der Familie, das ich so gut wie nie benutze. Ich kann ab Pasing sowohl nach Garmisch als auch ins Allgäu, wo ich viel beim Bergsteigen bin, komfortabel anreisen. Ich fahre nicht besonders gerne Auto. Zugfahren ist viel stressfreier. Ich kann da futtern und lesen.

Welcher Teil der Wald- und Wildnispädagogikausbildung nutzt denn am meisten im Rathaus: der Umgang mit Pflanzen oder mit Tieren?

(lacht) Na ja, man hat komische Käuze und man hat seltsame Pflanzen hier. Es kann beides nützlich sein. Aber mal im Ernst. Tatsächlich spielt eine große Rolle, dass ich schon seit meiner Zeit als aktive Leichtathletin eine begeisterte Langstreckenläuferin bin. Ausdauer, ein langer Atem, Durchquälen und Durchbeißen können mir beim jetzt anstehenden Prozess nutzen.

Interview: Klaus Vick und Sascha Karowski

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Reisebus aus München brennt nachts auf A8 aus: Polizei hat Vermutung zur Ursache - Aufräumarbeiten laufen noch
Reisebus aus München brennt nachts auf A8 aus: Polizei hat Vermutung zur Ursache - Aufräumarbeiten laufen noch
Bluttat am Stachus: Männer gehen aufeinander los - dann zückt einer ein Messer
Bluttat am Stachus: Männer gehen aufeinander los - dann zückt einer ein Messer
Arnulfsteg bleibt ein Politikum: Stadt will Baufirmen verklagen - es geht um 8,4 Millionen Euro
Arnulfsteg bleibt ein Politikum: Stadt will Baufirmen verklagen - es geht um 8,4 Millionen Euro

Kommentare