Auf Schienen in die Moderne

Hauptbahnhof München: Der Knotenpunkt der bayerischen Landeshauptstadt

Der Hauptbahnhof München gehört zu den größten Bahnhöfen Deutschlands.
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Der Hauptbahnhof München gehört zu den größten Bahnhöfen Deutschlands.

Der Hauptbahnhof München hat eine lange Geschichte. Aus einer provisorischen Holzkonstruktion wurde einer der größten Bahnhöfe Deutschlands.

  • Der Hauptbahnhof München hat seine Anfänge 1839 als Holzbau.
  • Ein großer Umbau wird den Kopfbahnhof in München drastisch verändern.
  • Der heutige Hauptbahnhof ist mit 450.000 Fahrgästen täglich einer der größten Deutschlands. 

München - Wie ein Herz aus Stein, Metall und Glas liegt der Hauptbahnhof München im Zentrum der Stadt. Mit jedem Schlag pumpt er Ströme von Passagieren durch seine Arterien - die Eisenbahnlinien der Hauptstadt und des Landes.

Das war nicht immer so. Wollte man vor 200 Jahren von München nach Augsburg gelangen, so benötigte man vor allem eines: Geduld. Das schnellste Transportmittel war die Postkutsche. Und selbst die benötigte für die rund 60 Kilometer noch zehn Stunden.

Das sollte sich allerdings bald ändern: Im 19. Jahrhundert wurden in Europa die ersten Lokomotiven gebaut. Sie machten die einige Jahrzehnte zuvor erfundene Dampfmaschine für den Schienenverkehr nutzbar. Es war die Weichenstellung für dieIndustrialisierung.

Der Hauptbahnhof München beginnt 1839 als bescheidener Holzbau

Die erste Eisenbahn in Deutschland befuhr 1835 eine Strecke zwischen Nürnberg und Fürth. Schon bald wurde in München und Augsburg über eine ähnliche Verbindung diskutiert und eine Eisenbahngesellschaft wurde gegründet, die 1839 mit dem Bahnbau begann. Das erste Bahnhofsgebäude auf Münchner Seite war aus Kostengründen lediglich ein dezentral gelegenesHolzhaus.

Seine Bauweise wurde dem Bahnhof schließlich auch zum Verhängnis: 1847 brannte er nieder. Daraufhin wurde auf Wunsch des bayerischen Königs Ludwig I. an heutiger Stelle der Vorgänger des Hauptbahnhofs München errichtet.

Der damals noch „Centralbahnhof“ genannte Backsteinbau im Rundbogenstil war mit einer damals hoch-modernen Heißwasserheizung ausgestattet. Zudem wurde er ab 1851 mit Leuchtgas erhellt.

Ein ICE verlässt den Hauptbahnhof München.

Münchens Hauptbahnhof wächst und bekommt seinen heutigen Namen

Die moderne Technik konnte allerdings nicht verhindern, dass der Centralbahnhof schon bald wieder zu klein wurde. Zunächst konnte man noch durch ein zusätzliches Gebäude Abhilfe schaffen und so die Strecken nach Landshut und Rosenheim bedienen. Als die Eisenbahnlinie nach Ingolstadt hinzukam, musste allerdings etwas Neues her.

Der „Ostbahnhof“ genannte zweite Bahnhof wurde wieder abgerissen und stattdessen eine neue Halle gebaut, die um die Jahrhundertwende zuerst um den Starnberger Flügelbahnhof und später den Holzkirchner Flügelbahnhof erweitert wurde. 1904 erhielt er außerdem seinen heutigen Namen: München Hauptbahnhof.

Hitler will den Hauptbahnhof München zum Monumentalbau umgestalteten

Große Pläne für den Hauptbahnhof hatten die Nationalsozialisten. Sie wollten der „Stadt der Bewegung“ (so nannten die Nazis München seit dem gescheiterten Putschversuch von 1923) einen ihrem Verständnis nach angemessenen Monumentalbau verpassen.

Adolf Hitler persönlich setzte sich für den gigantischen Kuppelbau mit 265 Metern Durchmesser ein. Das Projekt wurde allerdings ebenso wenig verwirklicht wie die geplante Breitspurbahn durch ganz Europa.

Stattdessen wurde München mitsamt seinem Hauptbahnhof im Zweiten Weltkrieg schwer zerbombt. Nach dem Krieg wurde der Schienenbetrieb allmählich wieder aufgenommen.

Olympia 1972: Wie München zu seiner S-Bahn kam

Für die Olympischen Spiele 1972 entstanden der Tiefbahnhof und die Stammstrecke als Hauptschlagader des S-Bahn-Netzes. Schon im Eröffnungsjahr wurde sie täglich im Schnitt von 220.000 Personen genutzt.

Schon damals wurde eine Erweiterung durch eine zweite Stammstrecke diskutiert. Inzwischen ist die Zahl der Fahrgäste auf mehr als 800.000 pro Tag angestiegen, 30 Züge verkehren auf innerhalb einer Stunde auf der Stammstrecke. Deswegen wird der überlasteten Hauptschlagader nun ein Bypass gelegt.

Die zweite Stammstrecke der S-Bahn sorgt für heftigen Widerstand

Die zweite Stammstrecke soll vom Bahnhof Laim bis zum Leuchtenbergring führen. 2026 sollte das Mammutprojekt ursprüglich abgeschlossen sein. Inzwischen hat die Deutsche Bahn den Termin aber bereits auf 2028 verschoben. Die Kosten werden derzeit mit 3,2 Milliarden Euro beziffert - ohne Risiken. Es könnte also noch deutlich teurer werden.

Nicht nur deshalb gibt es in der Bevölkerung heftige Widerstände gegen das Projekt. Kritiker monieren außerdem die mangelnde Anbindung anderer Quartiere und die Jahre bevorstehenden Baulärms und -staubs. Zahlreiche Klagen vorm Landesgericht laufen noch.

Nichtsdestotrotz wurde bereits mit dem Bau begonnen. Im vergangenen Jahr wurde am Hauptbahnhof München dieSchalterhalle abgerissen, an deren Stelle nun eine Grube für die 40 Meter tiefe neue Strecke entsteht. Es ist nur ein kleiner Teil des großen Umbaus am Hauptbahnhof München.

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Hauptbahnhof München: Willkommen an einem der größten Bahnhöfe

Bereits jetzt ist der Münchner Hauptbahnhof einer der größten Deutschlands. Laut offizieller Bahn-Statistik zählen nur die Zentralstationen von Hamburg und Frankfurt noch mehr tägliche Fahrgäste. 

Nach Gleisen ist er mit 34 sogar der zweitgrößte Bahnhof weltweit - New York wird München aber auch mit den neuen Gleisen der Stammstrecke nicht einholen: Die dortige Grand Central Station verfügt über 67 Gleise.

Auch die Laufwege am Hbf München, der in einem europaweitem Ranking eine überraschende Platzierung erreicht hat, gehören zu den längsten Deutschlands: Zwischen den beiden Flügeln berechnet die Bahn mindestens 15 Minuten zum Umsteigen zwischen zwei Zügen. Die Fahrgäste müssen hier am Kopfbahnhof erst an allen Gleisen entlang gehen.

Nicht bei allen beliebt: Auf Google ist der Hbf München nur Durchschnitt

Trotzdem kann auch das knapp werden, wie die Rezensionen zum Münchner Hauptbahnhof zeigen: „Baut endlich mal eine Unterführung oder eine Brücke zum Flügelbahnhof“, beschwert sich dort ein Nutzer. „Bei einer Umsteigezeit von 15 Minuten + Verspätung des ICEs ist das unmöglich so schnell aus der Halle rauszukommen.“

Insgesamt bekommt München Hauptbahnhof von den Google-Usern3,8 Sterne - genauso viele wie der in Hamburg. Sein Berliner Pendant haben die Nutzer mit 4,4 Sternen offenbar noch stärker ins Herz geschlossen.

pks

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