Ein Blick dahinter

Hier lagern wohl die meisten Waffen in München - hinter den Sicherheitstüren verbirgt sich kurioses

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Schwer bewaffnet: Anton Jofer, Leiter der Asservatenkammer (li.), und Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst.

In Münchens wohl größter Waffenkammer lagern 180 000 Objekte, die vor Gericht als Beweismittel dienen. Was sich hinter den Sicherheitstüren verbirgt, ist zum Teil höchst kurios. Wir durften einen Blick hinein werfen. 

München - Anton Jofer arbeitet hinter verschlossenen Türen. Der Münchner ordnet, kategorisiert und verstaut alles, was der Staatsanwaltschaft vor Gericht als Beweismittel dient. Gewehre, Messer, Rauschmittel. Sogar Elefantenfüße hielt Jofer schon in der Hand. „Ich kann mir keinen schöneren Job vorstellen“, sagt er. Jofer ist der Hüter der Asservatenkammer im Justizgebäude an der Linprunstraße – hier lagern 180 000 Objekte. Um die Aufarbeitung der Akten kümmert sich die Staatsanwaltschaft.

So wie im Fall eines Reichsbürgers, der ein Waffenarsenal in seiner Wohnung versteckt hielt. Schreckschusspistolen, Samuraischwerter, Schlagstöcke – der Beschuldigte schien ein Faible für gefährliche Objekte zu haben. Aber: „Das Verzwickte an dem Fall ist, dass die meisten Gegenstände nicht strafbar sind“, erklärt Staatsanwältin Teresa Ott. „Von den Waffen, die die Polizei zusammen mit einem halben Kilo Schwarzpulver sichergestellt hat, wurden nur sechs Teile als besonders gefährlich eingestuft.“ So zum Beispiel ein Kugelschreiber, den der Mann in eine Schusswaffe umgebaut hatte. Der Fall wird im August verhandelt.

Diese Kuriositäten lagern ebenfalls in der Asservatenkammer

Neben Schießeisen, Drogenpäckchen und Schlagringen lagern in den 25 Räumen der Asservatenkammer auch allerlei Kuriositäten: die Klauen eines Wasserbüffels zum Beispiel, die als Aschenbecher fungieren, Stoßzähne und Elfenbeinstücke – Gegenstände also, die gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen. Bis zu 50 solcher Verfahren bearbeitet die Münchner Staatsanwaltschaft jedes Jahr.

Ebenfalls vor Gericht verantworten mussten sich die Sechzger-Fans, die nach dem Relegationsspiel am 30. Mai 2017 Fahnenstangen und Sitzschalen auf das Spielfeld der Allianz Arena warfen. Die Gegenstände, die auf dem Rasen landeten, dienten dem Gericht als Beweis. Vor allem die Sitzschalen machten die Schwere des Vergehens deutlich. Denn: „Wenn man so ein Teil in den Händen hält und die viereinhalb Kilo Kunststoff spürt, wird die Tat erst so richtig greifbar“, erklärt Staatsanwältin Anne Simon.

Fundstück: Elektroschocker als Lippenstift getarnt

Apropos greifbar: In Münchens größter Waffenkammer lagern auch zahlreiche Objekte, die ihr wahres Wesen verschleiern. Elektroschocker zum Beispiel, die wie Lippenstifte aussehen oder als Handy-Hülle getarnt sind. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt Jofer. Den Münchner macht so schnell nichts stutzig. Nur ein einziges Mal habe er große Augen gemacht: „Als ich einen Diamanten in den Händen hielt – im Wert von 800 000 Mark.“

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