Heimtückische Motive

Prozess gegen Hilfspfleger: Sechs Mordopfer - aber jetzt „Gewissensbisse“

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Prozessauftakt gegen Hilfspfleger wegen Mordes

Am Landgericht München I hat am Dienstag der Prozess gegen einen polnischen Hilfspfleger wegen sechsfachen Mordes und dreifachen versuchten Mordes begonnen.

  • In München hat am Dienstag (26. November) der Mord-Prozess gegen einen Hilfspfleger begonnen.
  • Neben sechs Mordfällen und drei Fällen des versuchten Mordes listet die Anklage weitere Fälle auf.
  • Laut eines Gutachters hat der Angeklagte „Gewissensbisse“ eingeräumt.


Pfleger „wollte nur seine Ruhe haben“

Der Angeklagte hat nach Polizeiangaben eingestanden, seinen Patienten Insulin gespritzt zu haben. Eine Tötungsabsicht habe er jedoch bestritten, sagte der Kriminalbeamte zum Prozessauftakt. Er, der selbst Diabetiker ist, sei nicht davon ausgegangen, dass die verabreichte Dosis tödlich ist. Er habe keine Tötungsabsicht gehabt, sondern nur gewollt, dass die Leute schlafen und „er seine Ruhe hat“. 

„Der klassische Soziopath auf der Anklagebank“

Als „klassischen Soziopathen“ bezeichnet hingegen der Verteidiger eines Nebenklägers den 38-Jährigen. Der Mann habe kein Rechtsbewusstsein, keine Skrupel, keine Empathie: „Menschen haben für ihn überhaupt keinen Wert.“

Nach dem Tod eines seiner Pflegebedürftigen soll er laut Anklage gefragt haben, ob er dessen Handy und Wertsachen behalten könnte - der Geschädigte benötige sie ja nun nicht mehr. Neben Geld und Wertsachen soll er auch Wein, Waschmittel und Toilettenpapier gestohlen haben. 

Er saß rund sechs Jahre im Gefängnis

Bevor der Angeklagte einen Pflege- und einen Deutschkurs machte, saß er sechs Jahre im Gefängnis. Der Grund für die Verurteilung waren angeblich kleinere Betrugsdelikte.

„Ein Skandal, dass er trotzdem vermittelt wurde“

Auch der Bruder eines Opfers sitzt als Nebenkläger im Gerichtssaal. Er zeigt sich erschüttert über ein System, das es ermöglicht, dass der Hilfspfleger trotz seiner Vorstrafe an Familien vermittelt wurde. 

Beim Tod des 84-jährigen Bruders habe man keinerlei Verdacht geschöpft, es seinem hohen Alter zugeschrieben. Doch dann teilte die Polizei der Familie mit, dass sie ein Gewaltverbrechen vermutet. Eine Exhumierung brachte die traurige Wahrheit dann ans Licht. „Für meine Bruder ist es jetzt zu spät“, sagte der 78-jährige Gesundheitsökonom. Aber man könne ja nicht wissen, ob sich solch ein Fall wiederholen würde. 


Update vom 26. November, 13 Uhr: Der wegen Mordes an seinen Patienten angeklagte Hilfspfleger Grzegorz W. hat im Gespräch mit einem psychologischen Gutachter „Gewissensbisse“ eingeräumt. „Es tue ihm wirklich leid, dass er das getan habe“, zitierte der Psychiater Matthias Hollweg am Dienstag vor dem Landgericht München I den Angeklagten. Er selbst wollte sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen äußern. „Es gehe um den Mord an alten Menschen“, habe Grzegorz W. ihm gesagt und dass er sich auf eine lebenslange Freiheitsstrafe einstelle.

Hilfspfleger wegen Mordes vor Gericht - Gutachter erklärt, was in dem Angeklagten vorgeht

Patienten pflegen wollte der gelernte Schlosser und Mechaniker nie, befand die Staatsanwaltschaft. Zwar hatte der 38-Jährige einen Pflegekurs absolviert. Seine Tätigkeit habe er aber dazu genutzt, die Häuser seiner Opfer zu durchsuchen und sich durch Diebstähle zu bereichern. Als Motive für den Mord nimmt die Staatsanwaltschaft an, der Mann habe versucht, durch den Tod seiner Patienten ohne Vertragsstrafe seiner Agenturen den Platz wechseln zu können. Manchmal sei er einfach nur unzufrieden gewesen, weil es kein Mittagessen oder keinen Internetzugang gab.  Er habe „sein rücksichtsloses Gewinnstreben über das Lebensrecht der Geschädigten gestellt“. 

Update vom 26. November, 11.46 Uhr: Der angeklagte Hilfspfleger hat am Dienstag seine Aussage vor Gericht verweigert. Weder zu persönlichen Verhältnissen noch zur Sache werde er Angaben machen, sagte seine Verteidigerin. Die vorsitzende Richterin wandte sich darauf direkt an den Angeklagten. Er könne es sich jederzeit anders überlegen. Im Falle einer Verurteilung drohe dem Angeklagten auch Sicherungsverwahrung.

München: Mord-Prozess gegen Hilfspfleger beginnt - schlimme Vorwürfe der Anklage

Erstmeldung (26. November, 13.15 Uhr):

München - Die Staatsanwaltschaft wirft dem 38 Jahre alten Mann vor, er habe seinen pflegebedürftigen Patienten an verschiedenen Tatorten in Deutschland Insulin gespritzt, das als Überdosis tödlich sein kann.

Er soll über das Medikament verfügt haben, weil er - im Gegensatz zu seinen Opfern - Diabetiker ist. Der Mann versteckte sein Gesicht zum Prozessauftakt nicht vor den zahlreichen Fotografen. Er sah sich aufmerksam um, als er den Gerichtssaal betrat.

Die Anklage geht von Heimtücke, Habgier und niedrigen Beweggründen aus. Neben den sechs Mordfällen und drei Fällen des versuchten Mordes listet sie Anklage auch drei Fälle von gefährlicher Körperverletzung auf.

dpa

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