Streit über Wohnungen

Jahrelanger Streit: Großes Bauprojekt in München Ramersdorf liegt auf Eis - Firma will es verhindern

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Dreigeräumt ist das Areal an der Anzinger Straße bereits.

550 Wohnungen sollten an der Anzinger Straße 23-29 in Ramersdorf entstehen. Doch wird es sie überhaupt geben? Der ehemalige Eigentümer sträubt sich gegen die Pläne.

München - Eigentlich sollte auf dem 2,3 Hektar großen Grundstück am Rande des Berg-am-Laimer Werksviertels ein Wohn- und Gewerbepark mit Geschäften, Café, Restaurant und Kita entstehen. Die Architektur: zwei sechsgeschossige Blöcke sowie ein frei stehender 60-Meter-Turm als städtebauliche Dominante. Klinkerfassade und große Fenster als Reminiszenz an die Industrievergangenheit. Nun hat der Investor, die Kölner Pandion AG, einen Bauantrag allein für das Gewerbeobjekt eingereicht. Wegen der Gewerbe-Vergangenheit des Grundstücks – einst Zündapp, später Telekom – ist die Genehmigung einfacher. „Wir rechnen mit einem Baubeginn Anfang 2020 und Fertigstellung bis 2022“, so Pandion-Pressesprecherin Rahel Camps.

Für das Wohnprojekt allerdings, das auf der Ostseite des Grundstücks realisiert werden soll, „sind wir vor dem Hintergrund der bisherigen Gesprächsverläufe nicht in der Lage, eine Prognose abzugeben“. Denn dafür braucht es einen Bebauungsplan, der schon mal kurz vor dem Abschluss stand. Doch 2017 wurde das Gelände verkauft.

München: Nur noch 350 Wohnungen sind vom ursprünglichen Plan geblieben

Der neue Besitzer Pandion wollte die vorhandenen Pläne nach eigener Aussage weiterverfolgen. Doch ausgerechnet der Nachbar und Ex-Eigentümer RF360 hatte plötzlich etwas dagegen. Man pochte auf Standortschutz und konnte offenbar das Wirtschaftsreferat auf seine Seite ziehen. Jedenfalls wurde der Bebauungsplan gekippt.

Nach vielen Gesprächen mit allen Beteiligten wurde die Planung erheblich geändert. Unter anderem wurde die Wohnfläche um 20.000 Quadratmeter Geschossfläche reduziert und man verzichtete auf den 20-geschossigen Hochpunkt. Geblieben sind nur noch 350 Wohnungen, die gemixt mit Büros in einen Block einziehen sollen. Der westliche Grundstücksteil wurde für eine Nutzung mit Büros und Verwaltung umgeplant.

„Mit der Projektänderung soll der vorhandenen gewerblich genutzten Nachbarschaft Rechnung getragen werden“, bestätigt Thorsten Vogel, Pressesprecher des Planungsreferats. Denn RF360 gilt als „Industrie-Emissionsbetrieb“. An der Anzinger Straße stellt das Gemeinschaftsunternehmen der Firmen TDK und Qualcomm elektronische Bauteile für den Mobilfunk- und Automobilmarkt her. Dabei kommen Chemikalien und Lösungsmittel zum Einsatz, mit denen typische Gerüche und Geräusche im Umfeld verbunden sind. Man müsse vorsorgen, dass neue Bauprojekte in der Nachbarschaft, vor allem Wohnbebauung, keine Betriebseinschränkungen auslösen, heißt es von Qualcomm-Marketingchefin Doris Meier.

München: Streit zieht sich bereits seit zwei Jahren hin

Pandion habe diese Aspekte in der Planung bislang nicht ausreichend berücksichtigt. „Soweit damit der Weiterbetrieb von RF 360 nicht beeinträchtigt wird, steht einer Neuansiedlung von Gewerbe und Wohnen auf dem angrenzenden Nachbargrundstück aus Sicht des Unternehmens nichts entgegen.“

Bei Pandion ist man deutlich genervt. Inzwischen ziehe sich der Streit bereits seit zwei Jahren hin und die Verhandlungen seien „wenig konstruktiv“, sagt Pressesprecherin Camps. Dabei habe man massive Zugeständnisse gemacht, um hier überhaupt noch Wohnungen realisieren zu können. Trotzdem gebe es weiterhin erheblichen Widerstand vom Nachbarn gegen eine Wohnbebauung auf dem Areal. Man könne daher leider keine Aussage zum Wohnungsbau auf dem östlichen Grundstücksteil treffen.

Carmen Ick-Dietl

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