Gut gemeint, schlecht gemacht

Kein Geld fürs 1-Euro-Ticket – Söders Günstig-Fahrkarte kommt mit Verspätung

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Medienprofi: Markus Söder bei einer publikumswirksamen S-Bahn-Fahrt.

Die Idee war (und ist) gut, aber schlecht durchdacht: Die Einführung des 365-Jahresticket für das MVV-Gebiet wurde zum Herbst dieses Jahres in Aussicht gestellt, erfolgt aber nun mit gewaltiger Verspätung. Die Pläne zur Umsetzung stecken nämlich noch in den Kinderschuhen.

Beim Bahngipfel Ende April wurde es versprochen – doch die Umsetzung lässt auf sich warten: Das 365-Euro-Jahresticket für das MVV-Gebiet hat Verspätung! Frühestens zum September 2020 könnte es kommen – und dann auch nur für Schüler und Auszubildende. Hintergrund ist das Versprechen vonMinisterpräsident Markus Söder (52, CSU), den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) billiger zu machen und dadurch mehr Pendler zum Umsteigen vom Auto in die S-Bahn zu bewegen. Ende April hatte Söder medienwirksam zum ÖPNV-Gipfel in die Staatskanzlei geladen. 

365-Euro-Ticket: MVV muss erst seine Tarifreform umsetzen 

Ein Ergebnis damals: Bayern macht es Hessen nach und führt ein 365-Euro-Jahresticket ein. Umgerechnet für einen Euro pro Tag durch das MVV-Gebiet also. „Vielleicht schon im Herbst, spätestens im kommenden Jahr“ solle es soweit sein, sagte der Ministerpräsident damals. Er fügte an, dass das Ticket zuerst für Schüler und Azubis kommen solle, später dann für alle. Jetzt naht der Herbst, aber mit dem Ticket wird es in diesem Jahr definitiv nichts. Der MVV hat abgewunken, er ist noch mit der Umsetzung der großen Tarifreform beschäftigt, die im Dezember kommen wird. Dabei werden die 16 Ringe abgeschafft, es gibt nur noch eine große München-Zone und sechs Zonen außenrum. 

Finanzierung des 365-Euro-Tickets noch unklar

Viele Details zum 365-Euro-Ticket sind indes noch ungeklärt, die Experten sind hier nicht viel schlauer als Ende April. „Die Kernfrage ist die Finanzierung“, heißt es aus dem MVV. Das neue Ticket müsste für den MVV kostenneutral sein. Das heißt, dieEinnahmeausfälle müssen ausgeglichen werden. 25 bis 35 Millionen Euro pro Jahr sollen es sein, die Freistaat (zwei Drittel) und Landkreise/Stadt (ein Drittel) übernehmen müssten. Dazu ist der Verkehrsverbund im Gespräch mit dem bayerischen Verkehrsministerium. Im Doppelhaushalt des Freistaats für die Jahre 2019/20 ist aber bisher kein Geld eingeplant, wie Finanzminister Albert Füracker (51, CSU) im Gespräch mit der tz einräumte. Das ist ein Problem, weil die Spielräume durch etliche Mehrausgaben (Familiengeld, Pflegegeld, Ausgaben für Artenschutz) immer enger werden. Die Steuerschätzung Ende Oktober werde ergeben, „wie sehr ich auf der Bremse stehen muss“, sagt Füracker. Er weiß: Wenn er dem MVV Extra-Geld für so ein Ticket bewilligt, weckt das Begehrlichkeiten auch bei den anderen Verbünden im Freistaat – Nürnberg zum Beispiel. Aus dem Haus des Münchner MVV-Chefs Bernd Rosenbusch heißt es derweil: „Wir könnten, sofern der politische Auftrag kommt, eine Umsetzung zum 1. September 2020 bewerkstelligen, warten aber auf ein Startsignal.“ Konditionen wie Alter und Berechtigte müssten noch ­genau definiert werden. Eine Entscheidung wäre bei der Gesellschafterversammlung im Dezember notwendig.

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Der MVV bereitet einen Großversuch zur Einführung eines Streckentarifs vor. Ab März 2020 sollen 10 000 MVV-Gelegenheitsfahrer daran teilnehmen.

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