Acht Stunden Verzweiflung

Weil in Münchner Kliniken kein Platz war: Eltern müssen mit ihrem schwer kranken Baby nach Augsburg

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Die kleine Frieda mit Mama Elisabeth und Papa Matthias Zattler (r). Grafik: So verlief die Irrfahrt.

Acht Stunden lang suchten die Eltern nach einem Intensivkrankenbett für Frieda. Zweimal wurden sie in Münchner Krankenhäusern abgewiesen. Hilfe bekam das Baby in Augsburg.

München - An Arztbesuche und längere Klinikaufenthalte sind Elisabeth und Matthias Zattler gewöhnt. Ihre vor knapp einem Jahr geborene Tochter Frieda kam mit einer großen Omphalozele auf die Welt – dabei liegen Magen, Darm und Leber außerhalb des Bauches. Die ersten fünf Lebensmonate verbrachte Frieda deshalb auf der Neugeborenen-Intensivstation der Haunerschen Kinderklinik. Bis heute braucht sie auch daheim eine Magensonde, Beatmung und Sauerstofftherapie.

Odyssee mit einem schwerkranken Baby von München nach Augsburg

Am Dienstag vergangener Woche wachte Frieda mit hohem Fieber auf, ihre Werte verschlechterten sich dramatisch: „Sie hatte zunehmend Atemnot, die Atemfrequenz war doppelt so hoch wie sonst.“ Der Puls lag bei 180 und das Fieber stieg stetig. „Kurzzeitig linderte ein Fiebermittel ihre Situation, aber laut Kinderärztin sollten wir schnellstmöglich in die Klinik fahren oder einen Notarzt rufen.“

Der Beginn einer regelrechten Odyssee. Die Familie fuhr zur Haunerschen Kinderklinik. Dort wurde Frieda gegen 14.30 Uhr zügig untersucht, nur ein Platz auf der Intensivstation war nicht frei. „Nach einigen Telefonaten war klar, dass lediglich Harlaching uns aufnehmen könnte. Wir sind mit unserem Auto dort hingefahren, da die Wartezeit auf einen Krankentransport nach Angabe des Arztes mindestens drei Stunden gewesen wäre“, erinnert sich Elisabeth Zattler.

Eltern verzweifelt: Kein Bett auf Intensivstation in München mehr frei

In Harlaching angekommen dann die nächste Enttäuschung. Weil Frieda auf eine nächtliche Atemunterstützung (HFNC High Flow) angewiesen ist, brauchte sie ein Bett auf der Intensivstation – doch da war keines frei. Der Vorschlag der Klinik: Matthias Zattler solle heimfahren und die eigene Maschine samt aller Hilfsmittel holen. „Dann hätte ich mich auf der Normalstation alleine um meine Tochter kümmern sollen – ohne Unterstützung einer für diesen Fall geschulten Schwester“, sagt Elisabeth Zattler. Angesichts dieser Umstände war eine Aufnahme in Harlaching nicht bedenkenlos möglich.

Doch auch die anderen Kinderintensivstationen Münchens waren belegt. Derweil verschlechterte sich Friedas Zustand weiter, bis eine Schwester schließlich Reanimations-Alarm auslöste. Gleich mehrere Ärzte und Schwestern eilten aus der Intensivstation herbei. Frieda wurde ohne Behandlung auf der Normalstation untergebracht, um etwas zur Ruhe zu kommen.

In Portugal kam ein Baby ohne Gesicht zur Welt. Nun wollen die Eltern den behandelnden Arzt verklagen. 

Kliniken in München dicht - Baby krank: „Wir kamen um 22 Uhr in der Notaufnahme Augsburg an“

Nach etlichen Telefonaten des Klinikpersonals kam dann die erlösende Nachricht: Augsburg hat noch einen Intensivplatz frei. Trotzdem dauerte es noch drei Stunden, bis die Familie nach Schwaben aufbrechen konnte – schneller war keine Kindernotärztin verfügbar, um Frieda im Krankenwagen zu begleiten. Zattler: „Wir kamen um 22 Uhr in der Notaufnahme Augsburg an.“ Die Mutter ist entsetzt: „Es kann nicht sein, dass ein schwerkrankes, beatmetes Kind so lange keine Hilfe bekommt. Wir hatten einfach nur großes Glück, dass die Lunge keinen weiteren Schaden genommen hat.“ Mittlerweile ist Frieda wieder zu Hause.

Die Haunersche Kinderklinik bestätigt den Vorfall: „Über das Jahr gerechnet sind wir zu etwa 30 Prozent der Zeit voll belegt und nicht aufnahmefähig.“ Wieso sie Frieda nach Harlaching geschickt haben, obwohl man da nicht helfen konnte? „In unserer Ambulanz wurde das Kind als nicht intensivpflichtig, sondern HFNC-pflichtig eingestuft.“ Die Kollegen in Harlaching seien darüber informiert worden. In Harlaching heißt es: „Als uns die kleine Patientin in Harlaching angekündigt wurde, war nicht klar, dass sie spezielle Medizintechnik benötigt.“ Alle Betten auf der Kinder-Intensivstation, die mit dieser speziellen Technik ausgestattet waren, seien schon mit schwerkranken Kindern belegt gewesen.

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