Nürnberg will‘s vormachen

MVV: Das 365-Euro-Ticket kommt 2020

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Jugendliche sollen ab nächstem Jahr nur einen Euro pro Tag für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zahlen.

Im kommenden Schuljahr soll in Nürnberg ein 365-Euro-Ticket eingeführt werden. Auch in München steht es für Schüler und Azubis zur Debatte. Der MVV ist „guter Dinge“.

München/Nürnberg – „Wir brauchen jetzt Tempo“, sagt der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU), der Sprecher der MVV-Landkreise ist. Schon bei der nächsten Gesellschafterversammlung am 6. Dezember werde dies Thema sein. „Wenn wir wollen, dass es zum nächsten Schuljahr kommt, müssen wir es dann beschließen“, sagte Niedergesäß unserer Zeitung.

Für Schüler und Auszubildende soll der öffentliche Nahverkehr schon vom nächsten Schuljahr an deutlich günstiger werden: Das 365-Euro-Jahresticket rückt näher. Im Verkehrsverbund des Großraums Nürnberg (VGN) soll das Ticket vom nächsten Schuljahr an gelten, kündigten Ministerpräsident Markus Söder sowie Fürths Landrat Matthias Dießl (beide CSU) und Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) am Montag in Nürnberg an.

Der weitaus größere Wurf, ein 365-Euro-Jahresticket für Erwachsene, scheitert dagegen derzeit an den Kosten. „Generell ist das ein Langfristziel und das bleibt es“, sagte Söder. Es handele sich um „einen großen Batzen Geld“, der dafür notwendig sei. Bayern warte derzeit auf Vorschläge des Bundes zu einer möglichen Förderung.

Nürnberg: Mindereinnahmen von 43 Millionen Euro für Verkehrsverbund erwartet

Das vor allem zum Erreichen von Klimaschutzzielen politisch erwünschte 365-Euro-Jahresticket wird gegenwärtig an mehreren Stellen in Deutschland erprobt. Im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg können seit kurzer Zeit Auszubildende für 365 Euro pro Jahr alle Busse und Bahnen nutzen. In Hessen ist es schon seit Jahren üblich.

An der Einführung des Jugendtickets im Raum Nürnberg, dem mit jährlich rund 300 Millionen Passagieren zweitgrößten bayerischen Nahverkehrsverbund nach dem Münchner MVV, werde sich der Freistaat mit 30 Millionen Euro beteiligen. Insgesamt werden für den Verkehrsverbund Mindereinnahmen in Höhe von 43 Millionen Euro erwartet. Den verbleibenden Rest von 13 Millionen Euro teilen sich die Stadt Nürnberg und die weiteren beteiligten Kommunen. Die Gremien des Verkehrsverbundes müssen am 10. Oktober noch zustimmen.

Jahrestickets für Schüler und Auszubildende sind im Verkehrsverbund Nürnberg bisher zum Teil deutlich teurer. Oberbürgermeister Maly hofft, dass Schüler damit an den ÖPNV herangeführt werden und dann auch als Erwachsene dessen Vorzüge schätzen. Der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) lobte den Schritt. „Es ist ein gutes Signal, dass ein großer Verbund wie der VGN von unserem Förderkonzept überzeugt ist und rund 360.000 Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende davon profitieren werden.“

Nahverkehr für einen Euro am Tag in München?

Weitere Verkehrsverbünde könnten jetzt dem Beispiel folgen – auch der Münchner MVV. Dort will sich die Gesellschafterversammlung – also Freistaat, Stadt München und die Landkreise – am 6. Dezember mit der Einführung des billigen Jugendtickets ab September 2020 befassen. Alle Seiten seien guter Dinge, dass ein Beschluss zustande komme, sagte der Sprecher der Landkreise im MVV-Gebiet, Robert Niedergesäß (CSU), unserer Zeitung. Er mahnte Tempo an. Die MVV-Pressestelle äußerte sich hingegen eher zögerlich: Zunächst müsse eine genaue Kostenschätzung vorliegen. „Derzeit hat die erfolgreiche Umsetzung der Tarifreform im Dezember 2019 bei uns oberste Priorität.“

Nürnberg bekommt indes noch mehr Geld für den Nahverkehr. Der Freistaat werde sich an einem Innovationspaket für den Verkehrsverbund mit maximal 12,8 Millionen Euro beteiligen, sagte Söder. Damit soll zum Teil eine Aussetzung von Tariferhöhungen für ein Jahr finanziert werden. Zudem sollen digitale Projekte vorangetrieben werden, etwa eine Bestpreis-Technik, die automatisch den günstigsten Fahrtarif für die Nutzer abrechnet.

Auch in München gab es immer wieder Debatten über die Finanzierung eines verbilligten Jahrestickets. Derweil sind im Sommer Pläne bekannt gegeben geworden, dass das Tarifsystem zumindest für eine Probephase verändert werden soll.

dw/lby

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