Polit-Beben im Münchner Rathaus

Krach mit der Partei: CSU-Stadtrat Offman wechselt zur SPD

Stadtrat Marian Offman wechselt von der CSU zur SPD.

Polit-Beben im Münchner Rathaus: Stadtrat Marian Offman tritt bei der CSU aus und in die SPD ein. Hintergrund ist, dass der 71-Jährige bei der Aufstellungsversammlung seines Kreisverbandes nicht mehr für den Stadtrat nominiert worden war. Der Wechsel nun macht die SPD wieder zur stärksten Fraktion.

Als Marian Offman um kurz nach 15 Uhr an diesem Montag zusammen mit der SPD vor die Presse tritt, wirkt der 71-Jährige müde und angefasst. Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagt er dann. „Es ist mir total schwer gefallen, ich habe sehr mit mir gerungen.“ 

Wenig zuvor, um kurz nach 14 Uhr, hatte der 71-Jährige den Münchner CSU-Parteichef Ludwig Spaenle und den Fraktionsvorsitzenden Manuel Pretzl informiert, dass er nach 18 Jahren als CSU-Stadtrat der Partei den Rücken kehrt. „Es gab keinerlei Reaktion“, sagt Offman. Die beiden Funktionäre hätten keine Miene verzogen. „Wir nehmen das zur Kenntnis“, lässt Spaenle später auf Anfrage mitteilen. 

München: Nach Krach mit Parteifreunden - CSU-Stadtrat Offman wechselt zur SPD

Offman ist am Montag nicht nur bei der CSU ausgetreten. Jener Partei, für die er sich 20 Jahre lang politisch engagiert hat. Er ist auch bei der SPD eingetreten. Die Fraktion hat einstimmig für seine Aufnahme votiert. Münchens SPD-Chefin Claudia Tausend erklärt, sie freue sich, Offman eine neue politische Heimat geben zu dürfen. „Ich kenne ihn ja schon aus unserer gemeinsamen Zeit im Stadtrat.“ Er sei nie mit Positionen aufgefallen, „die nicht mit denen der SPD vereinbar wären“. Auch der SPD-Stadtvorstand werde sich dem Wunsch Offmans, Parteimitglied zu werden, nicht verwehren, ist sich Tausend sicher. 

Tatsächlich gilt Offman als profilierter Sozialpolitiker, als das soziale Gewissen der CSU. Offman ist in der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) engagiert, geht mit „München ist bunt“ auf die Straße, setzt sich für eine Erinnerungskultur ein – wider das Vergessen. Die Debatte um die Stolpersteine und das NS-Dokuzentrum werden stets eng mit seiner Person verbunden sein. Durch all dieses Engagement war er immer wieder auch Angriffen gegen seine Person ausgesetzt, sogar Morddrohungen. 

Bei der Kommunalwahl 2020 sollte der 71-Jährige indes in seinem Kreisverband Bogenhausen keine Rolle mehr spielen. Eine große Mehrheit stimmte gegen eine erneute Kandidatur Offmans. Verbittert trat er daraufhin aus diesem Kreisverband aus und in Neuhausen-Nymphenburg ein. Damals sagte Offman unserer Zeitung: „Ich will mit denen nichts mehr zu tun haben, das ist ein Höchstmaß an Respektlosigkeit. Wenn man 18 Jahre für den Kreisverband im Stadtrat ist und dessen Interessen vertritt und man erhält nur vier von 20 Stimmen, dann ist es ein Zeichen dafür, dass man unerwünscht ist.“ 

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl zeigt sich unterdessen am Montag sehr irritiert über den Schritt Offmans: „Die Entscheidung, die CSU zu verlassen, respektiere ich, sie stößt bei mir aber auch auf Unverständnis. Ich finde, dass man Parteien nicht wie ein Hemd wechseln sollte.“ Es sei befremdlich, dass Offman versuche, seinen Parteiübertritt inhaltlich und ideell zu begründen. Vielmehr gehe es ihm um seine persönliche Perspektive für die Zeit nach dem März 2020. „Dass Marian Offman vor seiner Entscheidung nicht ein einziges Mal das Gespräch mit mir gesucht hat, empfinde ich als stillos und persönlich enttäuschend“, erklärt Pretzl. Offman selbst sagt, ihm sei bewusst, dass er durch diesen Schritt wohl viele Freunde in der CSU verlieren werde. 

Ob Offman durch seinen Parteiwechsel nun Chancen hat, wieder für den Stadtrat aufgestellt zu werden, ist offen. Er werde es jedenfalls versuchen, sagt er. Der Wechsel sei auch nicht eine Entscheidung gegen die CSU gewesen, sondern eine für seine politische Überzeugung. Er wolle weiterhin eine „offensive Sozialpolitik“ machen und Gesicht zeigen im Kampf gegen Nazis. Diese Chance habe er bei der CSU nicht mehr bekommen. SPD-Stadtchefin Tausend sagt über Offmans Stadtrats-Ambitionen: „Er wird eine faire Chance wie jeder andere Bewerber bekommen, aber keine Zusagen.“ 

OB Dieter Reiter (SPD) lässt am Montag mitteilen: „Ich schätze Marian Offman als profunden Sozialpolitiker und freue mich, dass er meine Fraktion ab sofort verstärkt. Er ist ein Mahner und Vermittler und zeigt, was Zivilcourage heißt.“ 

Durch die Personalrochade ist die SPD plötzlich wieder stärkste Kraft im Stadtrat, sie hat 25 Sitze, die CSU jetzt 23. Es ist im Übrigen auch nicht der erste Personalverlust für die Christlich-Sozialen. Im März 2016 hatten Eva Caim und Mario Schmidbauer die CSU in Richtung Bayernpartei verlassen. Auch bei der SPD war ein Stadtrat abtrünnig geworden, Josef Assal verließ die Genossen, war zunächst parteilos und schloss sich zuletzt ebenfalls der Bayernpartei an.

Bei der Kommunalwahl 2020 sollte der 71-Jährige indes keine Rolle mehr spielen, in seinem Kreisverband Bogenhausen votierte eine große Mehrheit gegen eine erneute Kandidatur Offmans. Der war sauer, trat aus dem Kreisverband aus. Der Politiker sagte damals unserer Zeitung: „Ich will mit denen nichts mehr zu tun haben, das ist ein Höchstmaß an Respektlosigkeit. Wenn man 18 Jahre für den Kreisverband im Stadtrat ist und dessen Interessen vertritt und man erhält nur vier von 20 Stimmen, dann ist es ein Zeichen dafür, dass man unerwünscht ist.“ Unerwünscht ist Offman aber offenbar nicht allenthalben, die SPD nimmt ihn gerne auf.

Durch die Personalrochade ist die SPD plötzlich wieder stärkste Kraft im Stadtrat. Es ist im Übrigen auch nicht der erste Personalverlust für die CSU, die unmittelbar nach der Kommunalwahl stärkste Fraktion im Rathaus war. Im März 2016 hatten Eva Caim und Mario Schmidbauer die Union in Richtung Bayernpartei verlassen. Auch bei der SPD war ein Stadtrat abtrünnig geworden, Feuerwehrnotarzt Josef Assal verließ die Genossen, war zunächst parteilos und schloss sich zuletzt ebenfalls der Bayernpartei an.

Ob Offman durch seinen Parteiwechsel nun Chancen hat, wieder für den Stadtrat aufgestellt zu werden, ist offen. Die SPD hat für 15 Uhr eine Pressekonferenz angekündigt.

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