Mit falschen Papieren

Kriminelle Bande in München aufgedeckt - 5.000 Euro für einen bestandenen Deutschtest 

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Womöglich mehrere Hunderttausend Euro ergaunerten sich die Täter mit der Masche. 

Bis zu 5.000 Euro kostete ein bestandener Deutschtest. Eine kriminelle Bande wurde nun in München überführt, sie schrieben die Tests mit falschen Papieren. 

München - Mehr als die Hälfte aller Zuwanderer scheitert nach Angaben des Bundesamtes für Migration (BAMF) am Deutschtest (Level B1). Dieser ist aber für Behördengänge und vor allem für die Einbürgerung unerlässlich. Eine kriminelle Bande aus dem Großraum München hat aus der Not der gescheiterten Bewerber Kapital geschlagen. Die Kriminalpolizei hat jetzt acht Fälle aufgedeckt, in denen Kosovo-Albaner gegen Geld und mit falschen Papieren Deutschtests für andere geschrieben haben.

München: Täter wurden durch Telefonüberwachung enttarnt 

Seit drei Monaten ist das Kommissariat für Ausländerkriminalität beim Polizeipräsidium München den Betrügern auf der Spur. Enttarnt wurden die Täter im Rahmen einer Telefonüberwachung, erklärt Kriminalhauptkommissar Peter Brenninger. Die Vorwürfe richten sich gegen fünf Personen mit kosovarischen und irakischen Wurzeln im Alter von 22 bis 35 Jahren, darunter auch eine Frau. Zwei Männer aus der Gruppe (31, 35) gelten als Köpfe der Bande. Drei Komplizen schrieben die Tests, die meist an privaten Instituten oder Schulen stattfinden.

Bis zu 5.000 Euro verlangte die Bande für einen bestandenen Deutschtest. Die Testschreiber erhielten davon etwa 500 Euro. Laut Polizei verfügen die Täter über sehr gute Deutschkenntnisse. Die Tests bestehen sie daher meist ohne Probleme. Alles, was sie für die Betrugsmaschen brauchen, ist der Ausweis desjenigen, der den Auftrag erteilt und sich damit einen Aufenthaltstitel erschleichen will. Der Rest funktioniert laut Kommissar Brenninger erschreckend einfach: Die Testschreiber überkleben den Ausweis des Auftraggebers mit einem eigenen Passfoto. An den Schulen kamen sie in mindestens acht Fällen an den Kontrollen vorbei – und bestanden die Tests.

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Genaues Ausmaß des Betrugs kann noch nicht abgeschätzt werden 

Die Staatsanwaltschaft München I stuft den Verkauf der Deutschtests nun als gewerbs- und bandenmäßiges Schleusungsdelikt ein, teilt die Polizei mit. Wie groß das Ausmaß der Betrügereien ist, kann noch nicht abgeschätzt werden. Nur so viel: Wir gehen momentan davon aus, dass die Tatverdächtigen seit rund fünf Jahren mit dieser Taktik an Geld kommen“, sagt Brenninger. Die Zahl der tatsächlichen Fälle könnte also weit im dreistelligen Bereich liegen. Die Täter könnten sich mit diesem Modell problemlos mehrere Hunderttausend Euro ergaunert haben.

Doch die Ermittler gehen davon aus, dass sie mit den fünf Personen die gesamte Gruppe gefasst haben. Die Festnahmen erfolgten laut Polizei am Mittwoch. Bei einer Razzia stürmten die Beamten Wohnungen in München und am Ammersee. Dort wurden zahlreiche Beweismittel sichergestellt. Die Testschreiber sollen bundesweit aktiv gewesen sein. Ihre Spur führt auch nach Nürnberg und Frankfurt.

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