Vermieter erklärt Entscheidung

Kündigung nach 40 Jahren: Münchnerin (69) soll Wohnung verlassen: „Kommt mir immer aussichtsloser vor“

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Seit 40 Jahren ist Ingrid Pauler in Neuhausen daheim. Im April muss sie ihre Wohnung räumen.

Die Zahl der Eigenbedarfskündigungen steigt und steigt. Sozialreferentin Dorothee Schiwy fordert gesetzliche Verschärfungen, um Mieter besser zu schützen.

München - Zukunftsangst, für Ingrid Pauler bislang ein Fremdwort. Die 69-jährige Münchnerin lebt seit 40 Jahren in einer Zweizimmerwohnung im ersten Stock an der Heideckstraße 18 in Neuhausen. Für ihre 62 Quadratmeter zahlt sie 900 Euro – kein Schnäppchen, aber immer noch im Rahmen. Im April muss sie ihre Wohnung nun räumen. Ihr Vermieter hat ihr gekündigt – wegen Eigenbedarfs. Ihr blieb fast das Herz stehen, als sie am 1. September die Kündigung in ihrem Briefkasten fand, denn dort stand, sie müsse binnen sechs Monaten raus. „Ich dachte mir, das gibt es ja nicht, bei der langen Mietzeit“, sagt sie.

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München: Beim Mieterverein haben sich Beratungen sogar verdoppelt

Tatsächlich beträgt die Kündigungsfrist bei einer so langen Mietzeit neun Monate. Ihr Vermieter, der in Griechenland lebt, begründet die Kündigung damit, dass seine Frau nun zeitweilig in München arbeitet und deshalb die Wohnung brauche, um nicht immer in Hotels übernachten zu müssen. Verzweifelt sucht Ingrid Pauler eine neue Bleibe. Sie liest Anzeigen, hängt Zettel in Supermärkten auf, schreibt Genossenschaften an. „Es ist zum Verzweifeln, denn bislang war alles vergebens: Ich bin genau zu einer einzigen Wohnungsbesichtigung eingeladen worden, erhielt dann aber eine Absage“, sagt Ingrid Pauler. 

Als sie zu der Besichtigung kam, waren dort schon 50 andere Bewerber: „Sie standen die Treppe runter bis auf die Straße.“ Bis 1.000 Euro Kaltmiete könnte sich Ingrid Paula leisten. Sie arbeitete 49 Jahre lang, die allermeiste Zeit bei der Messe München in der Auslandsabteilung. Da sie seit 40 Jahren ganz zentral in der Stadt lebt, kann sich die gebürtige Zornedingerin nicht mehr vorstellen, rauszuziehen. „In der Stadt was zu finden, kommt mir immer aussichtsloser vor, denn der Markt ist leergefegt und was angeboten wird, ist oft irre teuer, teils nicht mehr nachvollziehbar, zum Beispiel 28 Quadratmeter für 800 Euro Kaltmiete“, sagt sie.

Die 69-jährige Münchnerin lebt seit 40 Jahren in einer Zweizimmerwohnung.

Wie Ingrid Pauler geht es immer mehr Münchnern. 880 Fälle von Eigenbedarfskündigungen bearbeiteten die Berater des Mietervereins München im vergangenen Jahr – doppelt so viele wie noch 2017. Mittlerweile hätten viele Mieter Angst, überhaupt noch auf Mängel in der Wohnung hinweisen – nicht selten drohe der Vermieter dann mit einer Eigenbedarfskündigung. Sozialreferentin Dorothee Schiwy fordert gesetzliche Verschärfungen, die einen besseren Mieterschutz garantieren – etwa, dass nur noch für enge Angehörige eine Kündigung durchgesetzt werden kann. 

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Eigenbedarf: Für die Betroffenen bricht häufig eine Welt zusammen

Mieterschützer unterstützen die Forderung nach strengeren Voraussetzungen. Mietervereins-Geschäftsführer Volker Rastätter: „Der Kreis der Berechtigten könnte etwa auf die eigenen Eltern und Kinder beschränkt werden. Außerdem sollte eine Wohnung nur für einen Eigenbedarf gekündigt werden können, wenn diese dann dauerhaft für den Eigentümer oder für Angehörige benötigt wird – und nicht nur für einen Luxus wie zum Beispiel gelegentliche Opernbesuche.“

Solche Regelungen hätten Hilmar und Roswitha Dölz auch nicht helfen können. Die Eheleute müssen ihre Wohnung in der Pasinger Nimmerfallstraße zum 31. März verlassen. „Wir sind völlig verzweifelt“, sagt Roswitha Dölz (60), die als Wurstverkäuferin in einem Supermarkt arbeitet. Besonders dramatisch: Hilmar Dölz ist zu 100 Prozent schwerbehindert, seine Nieren arbeiten nicht mehr. Alle vier Stunden muss er eine Bauchfelldialyse machen. „Wie sollen wir denn in so kurzer Zeit etwas finden, noch dazu mit der gesundheitlichen Beeinträchtigung meines Mannes, der ja auf seine Ärzte hier angewiesen ist“, sagt Roswitha Dölz. Bis zu 1.000 Euro Warmmiete könnte sich das Ehepaar leisten – alle Bemühungen, eine neue Wohnung zu finden, waren bisher vergeblich.

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