Kollege widerspricht

Traditionsgeschäft-Inhaber klagt über Zustände in Innenstadt: „Schon lange ausgestorben“

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Michael Werner spricht beim Tal vom Sterben des Einzelhandels

Im Tal in München halten sich vergleichsweise wenige Geschäfte auf Dauer - die Händler haben dabei gemischte Gefühle.

  • Der Einzelhandel in München ist einer Studie zufolge stabil.
  • Dennoch ist der Mieterwechsel bei den Geschäften im Tal besonders hoch.
  • Die Meinungen der Händler dazu gehen stark auseinander.

München - Beim Kampf Internet gegen Innenstädte ist München eigentlich fein raus: Laut IVD-Studie ist der Einzelhandel stabil, und was das betrifft, zählt die Landeshauptstadt auch weiterhin zu den Top-Standorten in Europa. Trotzdem: Immer wieder müssen Läden in der Innenstadt schließen. Besonders im Tal dreht sich seit Jahren das Ladenkarussell: Allein im vergangenen Jahr haben sechs der 60 Läden ihren Besitzer gewechselt – eine Fluktuationsquote von zehn Prozent.

Inhaber von Traditionsgeschäft in München: „Zu viele Fressbuden“

Michael Werner (60) ist der Besitzer des drittältesten Ladens im Tal: Seit 40 Jahren führt er das Lampengeschäft „Der Lampenschirm“. „Das Tal war mal eine schöne Einkaufsstraße“, sagt Werner. Aber es habe sich immer mehr zum Negativen entwickelt. „Zu viele Fressbuden.“ Das habe vor 25 Jahren mit dem Handy-Boo m angefangen: „Anbieter wie die Telekom, O2 und Vodafone waren bereit, uferlose Mieten für ihre Läden zu zahlen“, sagt er. „Das hat sich der normale Einzelhandel nicht leisten können.“ 

Jetzt finde das Gleiche mit Restaurant-Ketten wie Dean&David, McDonald’s oder Burger King statt. „Ich habe Glück mit meiner humanen Miete“, sagt er. „Aber eigentlich ist hier der traditionelle Einzelhandel schon lange ausgestorben.“

München: Start-up-Chef erklärt: „Tal ist Ort zum Verweilen geworden“

Blickt man 14 Jahre zurück, ist von den Geschäften im Tal heute knapp die Hälfte übrig geblieben. Seit 2005 haben 28 Läden ihren Besitzer gewechselt. Zu den neuesten gehören das Koffer-Geschäft Samsonite oder der Drogeriemarkt dm. Und allein heuer versuchen ein Bio-Hanf-Laden, ein Zwilling-Shop und das Virtual-Reality-Kino „TimeRide“, im Tal Fuß zu fassen.

„TimeRide“-Chef Massimo Ferraro (41) ist glücklich mit seiner Entscheidung, sein Start-up vor zwei Monaten im Tal eröffnet zu haben: „Wir haben hier sehr viel Laufkundschaft.“ Er findet, dass sich die Straße zum Positiven gewandelt hat. „Früher waren hier hauptsächlich Möbelgeschäfte“, sagt Ferraro. „Eher eine Durchgangsstraße. Durch die vielen neuen Gastronomien ist das Tal aber ein Ort zum Verweilen geworden.“

Start-up-Chef Massimo Ferraro blickt optimistisch auf das Tal.

IVD-Geschäftsführer Stephan Kippes findet, das Tal sei nach wie vor auf der Suche nach einem Profil. Auch wenn immer mehr Gastronomien eröffnet hätten, gehe die Passantenfrequenz bergab. „Besitzer haben es vor allem schwer, weil das Tal keine Fußgängerzone ist“, findet er. Das Gegenteil erlebe man in der Sendlinger Straße – die erlebt laut IVD eine deutliche Aufwertung, seit sie 2017 zur Fußgängerzone wurde.

Kathrin Braun

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