Legende beim Sport-Scheck-Lauf

132.000 Kilometer auf dem Tacho: Warum dieser Mann (76) immer weiter läuft

+
„Einfach Haustür auf und los“: Das Unkomplizierte am Laufsport ist das, was Lutz Zielicke besonders liebt. 

Wenn am kommenden Sonntag um 10.35 Uhr der Startschuss fällt, wird auch einer unter den Startern sein, der schon beim ersten Sport-Scheck-Lauf vor 40 Jahren angetreten ist: Lutz Zielicke, 76.

München - Damals wohnte er in der Nähe von München und startete auf der langen Distanz – 1979 waren das noch 20 Kilometer. Heute reichen ihm die zehn Kilometer. Er muss niemandem etwas beweisen, am wenigsten sich selbst. Einfach dabei sein will er noch mal, und danach soll dann auch Schluss sein. „Wahrscheinlich“, fügt Zielicke augenzwinkernd hinzu.

Wann genau das mit dem Laufen angefangen hat, weiß Lutz Zielicke nicht mehr so genau. „Schon in meiner Kindheit sind wir alle viel gelaufen“, sagt er. Damals gab es kein Elterntaxi zum fünf Kilometer entfernten Fußballplatz. Und auch sonst bewegte man sich zu Fuß und mit dem Fahrrad fort. Und dann war da dieser Tag, als ihm sein Lehrer im Fernsehen die Qualifikation für die Olympischen Spiele ansehen ließ. Die schnellen Läufer – das hat ihn schon fasziniert. 1963, während der Bundeswehr, schloss er sich dem PSV Braunschweig an, startete im gleichen Jahr beim ersten deutschen Volkslauf in Bobingen bei Augsburg. Ein Skiunfall bremste ihn kurz danach für längere Zeit aus. „Ein paar Jahre später kam ich über das Sportabzeichen wieder zum Laufen.“

„Eher ein Kilometer-Sammler“

Neben seinem Beruf als Programmierer, Familie und zahlreichen Weiterbildungen wurde das Laufen „zum wunderbaren Ausgleich“. Immer wieder startete er bei großen und kleineren Läufen. Ein Zeitenjäger war er dabei nie, „eher ein Kilometer-Sammler“, sagt der 76-Jährige. Dennoch lief er oft vorne mit. „Macht ja auch mehr Spaß“, sagt er lachend. Wie beim ersten Sport-Scheck-Lauf vor 40 Jahren. Eine Zeitmessung gab es damals noch nicht. Dass er gut war, weiß er trotzdem: Zusammen mit einem weiteren Teilnehmer lief er als Erster durchs Ziel. Der Zeitungsausschnitt von damals klebt in einem Fotoalbum, zusammen mit vielen anderen Zeitungsausschnitten und Fotos.

Als Sieger beim ersten Sport-Scheck-Lauf vor 40 Jahren.

Auch im Internet hat er zeitweise einen Blog gefüllt. Mit Läufen, Zeiten, Trainingsstunden. „Als ich etwa 40 war, kamen im Monat schon mal bis zu 600 Kilometer zusammen“, sagt er. Noch jetzt schnürt er jeden Tag die Laufschuhe. Im Schnitt für eine halbe Stunde. Auch auf seine beiden Kinder übertrug er die Leidenschaft fürs Laufen, so lange wie er hielten sie allerdings nicht durch. 

Die Motivation ist ungebrochen

„Bis zur ersten Liebe, dann gab es interessantere Dinge“, sagt Zielicke. Er selbst blieb dran. Als Laufsucht will er es aber keinesfalls bezeichnen. „Es ist einfach ein toller, einfacher Sport“, findet er. Es brauche nicht viel dafür. „Einfach Haustür auf und los.“

Den Vergleich hat er: Viele andere Sportarten hat er ausprobiert und zum Teil auch praktiziert. Dem Laufen blieb er immer treu. In den großen Stadien ist er eingelaufen, auf Berge hinauf. Aber auch die kleinen Läufe haben ihm immer mindestens genauso viel Spaß gemacht. Seit 1969 habe er etwa „132.000 Kilometer auf dem Tacho zusammengebracht“. Es gibt nicht viele in seinem Alter, die mit ihm Zuhause in Landshut, wo er jetzt wohnt, noch auf die Strecke gehen können. Auch bei den Wettkämpfen wird das Teilnehmerfeld in seiner Altersklasse schon recht dünn. Ob zu den rund 700 Wettkämpfen noch weitere dazukommen, hänge von der Motivation und körperlichen Verfassung ab, sagt Zielicke und fügt augenzwinkernd hinzu: „Aber ich bin da zuversichtlich.“

Lesen Sie auch: Mehr als 2000 Touren: Wanderer (54) besteigt seinen Hausberg bis zu dreimal am Tag

Lesen Sie auch: Angst vor MVG-Streik-Chaos: Pendler können aufatmen - vorerst zumindest

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Mann zahlt 60 Euro, weil er seine Freundin bis zum Gleis bringt: OB Reiter will Regel abschaffen
Mann zahlt 60 Euro, weil er seine Freundin bis zum Gleis bringt: OB Reiter will Regel abschaffen
Mann packt Münchnerin (15) und will sie mitziehen - ihr Bekannter greift gerade noch rechtzeitig ein
Mann packt Münchnerin (15) und will sie mitziehen - ihr Bekannter greift gerade noch rechtzeitig ein
Obdachloser Müllmann Max war verzweifelt auf Wohnungssuche - nun gibt es eine Wende
Obdachloser Müllmann Max war verzweifelt auf Wohnungssuche - nun gibt es eine Wende
Tödlicher Tritt im Perlacher Einkaufzentrum: Muss Segun O. in die Psychiatrie? 
Tödlicher Tritt im Perlacher Einkaufzentrum: Muss Segun O. in die Psychiatrie? 

Kommentare