Prozess am Oberlandesgericht

Lokführer forderte erfolgreich Schmerzensgeld von Lebensmüdem - jetzt kriegt er doch nichts

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Weil sich ein Mann vor seinen Zug gestürzt hat, wollte der Lokführer Schmerzensgeld von ihm haben.

Ein Lokführer will von einem Mann Schmerzensgeld, der in mit Suizid-Absicht vor seinen Zug gesprungen war. Der Fall landete beim Oberlandesgericht in München.

München - Ein Mann wollte sich das Leben nehmen und sprang vor einen Zug. Der Versuch missglückte, doch der Lokführer, der den Zug fuhr, hat laut eigener Aussage seit dem Vorfall im Oktober 2011 psychische Probleme - und verklagte den Mann auf Schmerzensgeld und Schadensersatz.

Der Lokführer könne seinen Beruf nicht mehr ausüben, heißt es in einem psychologischen Gutachten. Und tatsächlich: Die Richter am Landgericht München hatten den lebensmüden Mann dazu verurteilt, rund 14.400 Euro an den Lokführer zu zahlen. Doch der ging in Berufung - mit Erfolg.

Oberlandesgericht München: Man war bei Suizidversuch nicht zurechnungsfähig

Denn das Oberlandesgericht entschied nun: Dem Lokführer steht weder Schmerzensgeld noch Schadensersatz zu. Das Urteil ist rechtskräftig. Obwohl das Landgericht den Beklagten zum Zeitpunkt des Vorfalls für nicht zurechnungsfähig befand, hatte es ihn beziehungsweise seine Haftpflichtversicherung zur Zahlung verpflichtet. Der OLG-Senat betonte dagegen nun, dass wegen der Schuldunfähigkeit darauf allgemein kein Anspruch bestehe.

Dass der Lokführer seit dem Vorfall unter psychischen Problemen leidet, sei dagegen kein Argument. „Das ist ein riesiges gesellschaftliches Problem, das leider zulasten Ihres Mandanten ausgehen wird“, hatte einer der Richter bei einem ersten Verhandlungstermin zum Anwalt des Klägers gesagt.

In einem anderen Fall am Oberlandesgericht hat ein Zimmermann den Besitzer eines Gockels verklagt, weil er gestürzt ist, als er vor dem aggressiven Tier geflüchtet ist.

Berichterstattung bei Selbstmord

Generell berichten wir nicht über (versuchte) Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000.Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de/

dpa/lby/sh

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